Opel-Mitarbeiter schöpfen Hoffnung

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Deutsche Presse-Agentur

Der Überlebenskampf des US-Autoriesen General Motors (GM) droht in Europa ein erstes prominentes Opfer zu finden. Die schwedische GM-Tochter Saab steht als erster europäischer Autobauer in der aktuellen Krise vor dem Aus. Derweil schöpfen 25 000 Opel-Mitarbeiter neue Hoffnung.

Die schwedische Regierung hatte sich geweigert, Saab zu helfen - auch, um zu vermeiden, dass das Geld schwedischer Steuerzahler bei GM versickert. Am Donnerstag trat der Saab-Aufsichtsrat zu einer Sondersitzung zusammen, um einen Insolvenzantrag zu beschließen. Die Sitzung wurde jedoch am Nachmittag unterbrochen.

Die deutsche GM-Tochter Opel will Sanierungspläne vorantreiben. „Es gibt keine Entscheidung zur Schließung von Standorten in Deutschland, auch nicht Bochum“, sagte Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) in Detroit nach einem Gespräch mit GM-Chef Rick Wagoner. Langfristige Bestandsgarantien für die Opel-Werke erhielt Rüttgers aber nicht, Personaleinsparungen seien nicht ausgeschlossen. Vor der Entscheidung über staatliche Hilfen forderte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) abermals ein Zukunftskonzept für Opel.

Für Saab sind staatliche Hilfen dagegen ausgeschlossen. Schwedens Regierungschef Fredrik Reinfeldt sagte: „Wenn der größte Autokonzern der Welt es über 20 Jahre nicht geschafft hat, Saab überlebensfähig zu machen, wird das der schwedische Staat wohl kaum besser können.“ Knapp 4000 Beschäftigte im schwedischen Saab-Stammwerk Trollhättan mit einer Jahresproduktion von 125 000 Autos (2007) wären von einer Insolvenz betroffen.

Wichtigster Tagesordnungspunkt der Sondersitzung des Saab-Aufsichtsrats war nach Medienberichten der Beschluss eines Insolvenzantrags. Nach der Unterbrechung der Sitzung gab es keine weiteren Informationen, auch ein neuer Termin wurde nicht genannt.

Inoffiziell verlautete, das die Produktion bis auf weiteres fortgesetzt werden soll. Die schwedische GM-Tochter hat seit dem Einstieg des US-Konzerns im Jahr 1990 fast immer Verluste eingefahren. Seit Beginn der Krise brach der Absatz auf dem wichtigen US-Markt um knapp die Hälfte ein. Saab steht seit 2008 zum Verkauf.

Opel Europe soll nach dem Willen der GM-Spitze in den kommenden Wochen einen Sanierungsplan ausarbeiten. Zugleich zeigt sich GM-Chef Wagoner offen für eine schrittweise Herauslösung Opels aus dem ums Überleben kämpfenden GM-Konzern. „Es ist uns ein Stein vom Herzen gefallen“, sagte Rüttgers. Er habe im Gespräch mit Wagoner deutlich machen können, dass der Erhalt der deutschen Werke Voraussetzung für Staatshilfen sei.

Der Bochumer Opel-Betriebsratsvorsitzende Rainer Einenkel begrüßte die Neuigkeiten aus den USA. Sie gäben den Belegschaften „ein gewisses Maß“ an Sicherheit. „Das bestätigt, dass die Gerüchte, GM werde den Opel-Standort in Bochum schließen, nicht stimmen“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur dpa. „Wir sollten die Chance bekommen, unseren eigenen Weg zu gehen.“ Es sei ein positives Signal, dass Wagoner seine Meinung geändert habe und offen sei für eine Herauslösung von Opel. Aber auch bei einer Zukunft ohne GM sei die Krise nicht bewältigt. „Selbst bei einer Heraustrennung aus dem General Motors-Konzern bleibt das Problem der Überkapazitäten.“

Die Arbeitnehmervertreter bei Opel zeigten sich angesichts der katastrophalen Lage des Mutterkonzerns zu Zugeständnissen bereit. Betrachtet würden alle Möglichkeiten - „von Arbeitszeitverkürzungen über Vier-Tage-Woche“, sagte Opel-Konzernbetriebsratchef Klaus Franz. Der „Bild“-Zeitung (Donnerstag) hatte Franz zuvor gesagt: „Eine Werkschließung kostet 400 bis 500 Millionen Euro. Es ist besser, die Fertigung zu flexibilisieren.“ Er betonte, es sei wichtig für die Zukunft, einen neuen geeigneten Partner zu finden.

Opel hat in Deutschland vier Werke in Rüsselsheim, Bochum, Kaiserslautern und Eisenach. In den vergangenen Tagen hatte es Spekulationen über Werksschließungen und -verkäufe gegeben. „Die Schließung ist vorerst vom Tisch. Aber die haben uns ja schon öfter hinters Licht geführt“, sagte ein Monteur vor der Frühschicht im Bochumer Opel-Werk. Vor allem auf eine Herauslösung aus dem GM- Konzern setzen viele ihre Hoffnung. Auf einen Einstieg des Staates hoffen andere: „Es bleibt uns ja nichts anderes übrig, wenn kein Geld aus Amerika kommt.“

Wirtschaftsforscher kritisieren mögliche staatliche Hilfen für Opel. „So schwer es fällt, wir sollten die Spielregel akzeptieren, die besagt, dass in einer Marktwirtschaft manche Unternehmen ausscheiden - speziell während einer Rezession“, sagte der Konjunkturchef des Münchner ifo-Instituts, Kai Carstensen, „Handelsblatt.com“ zufolge. Auch aus der Wirtschaft gab es erneut Einwände: Der Geschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), Martin Wansleben, sagte: „Ich glaube, dass der Staat sich völlig überhebt, wenn er jetzt glaubt, erfolgreich Automobilmanager zu werden.“

Rüttgers forderte die Politik auf, die Rettung von Opel nicht durch das voreilige Ausschließen staatlicher Hilfen zu gefährden. „Diese Debatten helfen nicht weiter“, sagte er dem „Handelsblatt“ (Freitag). Opel Europe müsse zunächst die Chance gegeben werden, einen Zukunftsplan zu entwerfen.

General Motors hatte angekündigt, weltweit 47 000 Stellen abbauen zu wollen, davon 26 000 außerhalb der USA. Das entspricht etwa jedem fünften Arbeitsplatz im Konzern. Insgesamt werde eine Aufstockung der Staatshilfen auf bis zu 30 Milliarden Dollar benötigt. Sechs Milliarden Dollar sollen zudem außerhalb der USA zusammengetragen werden, unter anderem in Deutschland. Wagoner hatte Einsparungen von 1,2 Milliarden Dollar in Europa verlangt. Mit der Bundesregierung verhandelt Opel wegen der GM-Schieflage über eine Bürgschaft von bis zu 1,8 Milliarden Euro.

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