OP bei Grauem Star ist extrem erfolgreich

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Deutsche Presse-Agentur

Wenn die Blendungsempfindlichkeit zunimmt, das Sehvermögen langsam schwächer wird, die Sehschärfe nachlässt und die Umgebung verschwommen wahrgenommen wird: Dann sind das Symptome von Katarakt, umgangssprachlich Grauer Star genannt.

Diese Trübung der Augenlinse kann in jedem Lebensalter auftreten, ist jedoch im Alter besonders häufig. „Eine gesicherte medikamentöse Therapie gibt es bislang nicht“, sagt Prof. Gisbert Richard, Direktor der Universitäts-Augenklinik in Hamburg-Eppendorf. „Die einzige Behandlungsmöglichkeit ist der mikrochirurgische Eingriff, bei dem die getrübte Linse entfernt und durch eine Kunstlinse ersetzt wird.“

Deutschlandweit werden mittlerweile mehr als 500 000 Operationen im Jahr durchgeführt. „Der Eingriff ist extrem erfolgreich und sehr sicher: In Zentren wie unserem liegt die Komplikationsrate unter einem Prozent“, sagt Richard. Sie erhöhe sich allerdings, wenn man zu lange wartet.

Gleichzeitig beeinträchtigt das nachlassende Sehvermögen die Lebensqualität und den Umgang mit anderen Menschen erheblich. Jeder Patient muss hier selbst beurteilen, inwieweit das für ihn zumutbar ist. „Als Faustregel kann man sagen: Wenn die Sehschärfe auf 50 bis 60 Prozent abfällt, ist eine Operation anzuraten“, erläutert Georg Eckert, Sprecher des Berufsverbandes der Augenärzte Deutschlands in Düsseldorf.

Standard ist heute die ambulante Operation. Ein stationärer Aufenthalt in der Augenklinik wird in Betracht gezogen, wenn etwa ein Patient außerdem unter Allgemeinerkrankungen leidet oder eine zusätzliche Überwachung nach der Operation notwendig ist. In der Regel wird der Eingriff unter örtlicher Betäubung durchgeführt. Dabei verliert das Auge seine Beweglichkeit und das Schmerzempfinden.

„Der Zugang in das Augeninnere erfolgt über einen wenige Millimeter kleinen, präzisen Schnitt in der Hornhaut oder in der Lederhaut“, erklärt Richard. Durch die Öffnung wird die gesamte Linse entfernt. Übrig bleibt der sogenannte Kapselsack. In ihn wird nun eine Kunstlinse wie in eine leere Tasche eingesetzt.

Eine künstliche Linse besteht aus Kunststoffen oder Silikon, hat einen Durchmesser von fünf bis sieben Millimeter und wiegt weniger als ein Gramm. Sie wird in gefaltetem Zustand in das Augeninnere eingeführt und entfaltet sich erst dort. Am Rand befestigte, elastische Bügel sorgen für einen sicheren Sitz.

Mittlerweile gibt es zwei Kategorien von Kunstlinsen. „In schätzungsweise 90 Prozent aller Fälle wird eine Monofokallinse eingesetzt, die über eine einzige Brennweite verfügt“, sagt Ingolf Dürr von der Herstellervereinigung Initiative Grauer Star in Marburg. Mit einer solchen Linse könne das Auge nicht mehr auf verschiedene Distanzen scharf einstellen. Der Patient muss also vor der Operation entscheiden, ob er lieber ohne Fernbrille, aber mit einer Lesebrille leben möchte oder umgekehrt. „Die meisten entscheiden sich für eine Brennweite, mit welcher sie in der Ferne scharf sehen.“

In den vergangenen Jahren wird zunehmend an Linsen geforscht, die eine gewisse Anpassungsfähigkeit des Auges erhalten sollen: Die sogenannten Multifokalen Intraokularlinsen sollen die Möglichkeit bieten, ein Leben ohne Brille zu führen. „Das Problem hierbei ist weniger die Technik der Linse, sondern vielmehr die Gewöhnung daran: Eine solche Linse funktioniert wie eine Gleitsichtbrille. Und mit der kommt auch nicht jeder Patient zurecht“, sagt Dürr. Anders als die Brille lässt sich eine multifokale Linse nicht einfach ausprobieren.

Auch in punkto Kosten unterscheiden sich die beiden Kunstlinsenkategorien. „Der Einsatz von monofokalen Linsen wird vollständig von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen. Den Einsatz von multifokalen Linsen hingegen - sowohl Material als auch Operationskosten - muss der Patient selbst tragen“, sagt Eckert.

Die Operation dauert etwa eine Viertelstunde. Dann wird das Auge zunächst mit einem Salbenverband abgedeckt, der meist bereits am Folgetag entfernt wird. „Üblicherweise werden für etwa zwei Wochen antibiotische und entzündungshemmende Augentropfen angewendet. Danach - in Ausnahmefällen auch bereits während dieser Zeit - kann das zweite Auge in Angriff genommen werden“, erläutert Richard.

Vier bis sechs Wochen später können dann Brillengläser angepasst werden. Für die Übergangszeit wird oft eine vorläufige Brille verordnet. In Fällen, in denen es nach der Operation zu einer Trübung und damit zu einer Sehverschlechterung kommt, hilft eine ambulante Laserbehandlung: Die Trübung lässt sich damit schmerzfrei beseitigen.

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