Obama und Michelle tanzten in den Morgen

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Deutsche Presse-Agentur

„Change“, einen Wandel, hat der neue Präsident Barack Obama versprochen. Und er hielt Wort: Obama feiert lieber und länger als sein Vorgänger George W. Bush.

Es war schon nach halb eins am Mittwochmorgen, als sich der frischgebackene mächtigste Mann der Welt mit seiner First Lady zum letzten Mal auf dem Tanzboden drehte. Zu diesen Zeitpunkt hatte vor vier Jahren Bush nach seiner Vereidigung längst erschöpft im Bett gelegen. Ganz anders die Obamas: Sichtlich müde, aber wacker tanzte sich das neue „Erste Paar“ zum Abschluss eines langen anstrengenden Tages von Ball zu Ball. Zehn Veranstaltungen waren es insgesamt, auf denen sich der Präsident und seine Frau Michelle in dieser Nacht der Nächte die Ehre gaben.

„Heute wird gefeiert, morgen fängt die Arbeit an“, gab Obama als Losung für den Ball-Marathon aus, der ihm nur ein paar Schlummer-Stunden vor seinem ersten vollen Tag im Oval Office bescherte. Der Präsident sah blendend aus im Smoking mit weißem Schlips, aber das interessierte die Tausenden von Gästen und Abertausenden von Zuschauern daheim vor dem Fernseher nur am Rande. Aller Augen ruhten auf Michelle. Nicht ein Wörtchen war zuvor über die Ballrobe der 45-Jährigen verlautet, die Erwartungen waren hoch, insbesondere nach acht Jahren einer modisch äußerst braven und traditionellen First Lady Laura Bush. Michelle hatte dagegen schon im langen Wahlkampf mit ihren modischen Outfits Appetit gemacht.

Und dann war es so weit: Kurz nach 20 Uhr am Vereidigungsabend führte Obama seine Michelle auf das erste Parkett, gehüllt in eine perlenbestückte Chiffon-Seiden-Kreation in Elfenbein mit kleinen blütenartigen Verzierungen. Und nur einen einzigen Träger gab es, an der rechten Schulter, die linke war ganz frei - und nicht zu übersehen das Muskel-Ergebnis vieler Schwitzstunden im Fitnessstudio.

„Zuerst, sieht meine Frau nicht gut aus?“, fragte der frischgekürte 47-Jährige das begeistert applaudierende Publikum. Während im Internet Blogger die Nacht über darüber stritten, ob das Kleid für die doch recht stabile, athletisch gebaute Michelle nicht vielleicht etwas zu verspielt gewesen sei, waren US-Modeexperten eher entzückt. Denn anstatt auf berühmte italienische oder - noch schlimmer für viele Amerikaner - auf französische Designer zurückzugreifen, hatte sich Michelle bei der Auswahl ihrer Robe für einen amerikanischen Newcomer entschieden, den erst 26-jährigen Jason Wu. Er bescherte der Nation den Anblick einer First Lady in einem Kleid, das der „Washington Post“ zufolge das freizügigste bei Vereidigungsfestivitäten war, seit Nancy Reagan in einer James-Galanos-Robe für Schlagzeilen sorgte.

Als Zeichen eines erfrischenden Bruchs mit Traditionen werteten Modekritiker das Abendoutfit von Michelle, die schon zuvor bei der offiziellen Vereidigungszeremonie in einem goldgelben Mantel-Kleid- Ensemble geglänzt hatte. Auch hier vertraute sie einer Amerikanerin, Isabel Toledo, und bestand damit ihre erste große Mode-Feuerprobe mit fliegenden Fahnen: Fröhlichkeit und Aufbruchstimmung habe sie mit der sonnigen Kreation ausgestrahlt, ein wichtiges Signal in schwierigen wirtschaftlichen Zeiten, schwärmten die Modekritiker.

Auch Obama war sichtlich stolz auf seine funkelnde Michelle, wenn ihm auch die kleine Schleppe an ihrer Ballrobe abends beim Tanzen wiederholt Probleme bereitete. Ohnehin hatte er vorher in einem Interview offenbart, dass er etwas nervös sei, nachdem sich seine Frau wiederholt über seine Tanzkünste lustig gemacht habe: „Sie wird mich gnadenlos aufziehen, wenn ich ihr auf die Zehen trete.“

Tatsächlich wirkten die Beiden etwas verlegen und unbeholfen, als sie zu dem von Beyoncé gesungenen „At Last“ ihren ersten Tanz des Abends absolvierten. Aber ob gute Tänzer oder lausig, wie George W. Bush einst seine Kapazitäten auf diese Gebiet beschrieb, es machte nichts. Mit einem Lächeln, Charme, manchmal sich selbst auf die Schippe nehmend, dann wieder umschlungen wie ein frisch verliebtes Paar schwangen die Obamas das Tanzbein.

Zumeist waren es nur wenige Minuten, gepaart mit einer kurzen Ansprache, bevor der frischgebackene Präsident und die First Lady an diesem Abend weiterzogen. Und am Ende ließ sich der Präsident nicht lumpen: Wiederholt vom Publikum zu einem „Küsschen, Küsschen“ aufgefordert, gab er seiner Frau schließlich den gewünschten Schmatzer auf die Wange - ein Dankeschön wohl auch für Michelles lange Stunden in qualvoll-modisch spitzen Schuhen.

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