Obama und Michelle tanzten in den Morgen

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Deutsche Presse-Agentur

„Change“, einen Wandel, hat der neue Präsident Barack Obama versprochen, und er wurde bereits am Abend der Vereidigungsfeierlichkeiten in Washington sichtbar.

Obamas Vorgänger George W. Bush hatte vor vier Jahren längst erschöpft im Weißen Haus im Bett gelegen, als Obama und die frischgebackene First Lady Michelle in der Nacht zum Mittwoch noch auf diversen Bällen die Runde machten. Es zwar zweifellos müde, das neue „Erste Paar“, aber es tanzte sich wacker von Veranstaltung zu Veranstaltung, zehn offizielle Bälle waren es insgesamt, die es für Obama und seine Frau zu besuchen galt - am Ende einer langen Serie von Festivitäten und am Vorabend eines harten ersten Arbeitstages für den neuen Präsidenten.

Als seinen „Felsen“ hat Obama Michelle immer wieder bezeichnet, als eine Frau, die ihn auf dem Boden der Tatsachen hält. Auf zahlreichen Veranstaltungen, vor und nach der Wahl, sah man sie zusammen, sie umarmten sich, klopften sich auf die Schulter, aber tanzend, in einer wirklich intimeren zarten Pose - so hatte sie der Großteil der Bevölkerung bisher selten erlebt. Am Dienstagabend war es so weit.

„Zuerst, sieht meine Frau nicht gut aus?“ fragte der 47-jährige Obama, als er bei einem „Nachbarschaftsball“, einem Bürgerball mit Zugang nicht nur für die Reichen, seine zwei Jahre jüngere Michelle auf das Parkett führte. Nach einem eleganten goldgelben funkelnden Mantel-Kleid-Ensemble während der offiziellen Vereidigungsfeierlichkeiten trug seine Frau eine Robe in elfenbein Weiß, aus Chiffon mit spielerischen kleinen Ornamenten, schulterfrei auf der linken Seite.

Etwas verlegen und unbeholfen schienen die beiden, als sie zu dem von Star Beyoncé gesungenen langsamen Chanson „At Last“ ihren ersten Tanz des Abends absolvierten. Aber sind sie gute Tänzer oder lausig, wie George W. Bush einst seine Kapazitäten auf diese Gebiet beschrieb - es machte nichts. Mit einem Lächeln, Charme, manchmal sich selbst auf die Schippe nehmend, dann wieder umschlungen wie ein frisch verliebtes Paar schwangen die Obamas ihre Tanzbeine. Zumeist waren es nur wenige Minuten, gepaart mit einer kurzen Ansprache, bevor der frischgebackene Präsident und die First Lady an diesem Abend weiterzogen. Aber für die zahlenden Ballgäste und die zahllosen Fernsehzuschauer, die Ausschnitte aus den Veranstaltungen zu sehen bekamen, waren sie Gold wert - ganz zu schweigen von den Modekritikern, die seit Wochen gerätselt hatten, was Michelle am Tag der Tage auf ihrer Haut tragen würde.

Zu den offiziellen Vereidigungsfeierlichkeiten auf dem Kapitol hatte sie mit ihrem von der amerikanischen Designerin Isabel Toledo entworfenen Outfit großes Lob eingeheimst. Modisch, chic, geschmackvoll, lautete das Urteil von Experten über die Mantel-Kleid- Kreation mit einer schlicht geschnittenen Linie, genau das Richtige für eine athletisch gebaute Frau wie Michelle. Und sogar eine politische Botschaft witterten sie dahinter: Das Goldgelb vermittle Frohsinn, Zuversicht in einer Zeit wirtschaftlicher und anderer Krisen.

Was die Abend-Robe der First Lady vermittelte, darüber waren sich die Experten zunächst noch im Unklaren. Deutlich wurde indessen beim fünften Ball-Besuch des Abends, dass auch die Energie der Obamas irgendwann ihre Grenzen erreicht. „Die Zeit des Wandels hat begonnen“, sagte der neue Präsident, nachdem er seine Frau erneut zu einem Tanz auf der Bühne vor aller Augen in die Arme genommen und etwas linkisch um die Achse gedreht hatte. Das war bereits gegen Mitternacht und klang ein wenig kraftlos - kein Wunder angesichts der Perspektive von fünf weiteren bevorstehenden Ballfreuden oder - leiden.

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