Regionalverband reduziert die Vorrangflächen für Windkraft im Kreisgebiet auf fünf Standorte. (Foto: dpa)
Schwäbische Zeitung

Von ursprünglich einmal 220 möglichen Windkraftanlagen im Gebiet des Regionalverbands Bodensee-Oberschwaben sind nach intensiver Prüfung und der Berücksichtung von insgesamt 12000 Stellungnahmen nur noch 50 übrig geblieben. 39 von ihnen liegen im Landkreis Sigmaringen (siehe Grafik). Der Bodenseekreis geht komplett leer aus, im Kreis Ravensburg liegen drei Gebiete. Mit Ausnahme der sechs Grünen stimmten die Mitglieder der Verbandsversammlung gestern in Pfullendorf für den Vorschlag, lediglich acht Vorranggebiete für Windenergie auszuweisen.

Wie es zu dieser Reduzierung gekommen ist, erklärten Verbandsdirektor Wilfried Franke und sein Stellvertreter Harald Winkelhausen. So hätten sich im Verlauf der vergangenen zweieinhalb Jahre nicht nur einige Rahmenbedingungen geändert, sondern auch Kriterien herauskristallisiert, die besonders berücksichtigt werden müssten. Das habe sich dann wiederum auf die infrage kommenden Standorte für Windkraftanlagen ausgewirkt.

Neben einer Windstärken-Untergrenze von 5,5 Metern pro Sekunde soll nun auch ein Mindestabstand zu Siedlungen von 700 Metern (im Einzelfall 1000 Metern) gelten. In der Konsequenz entfallen acht der bisherigen Vorranggebiete, unter anderem das Gebiet „Höchsten Ost“. Andere Gebiete werden zwar verkleinert, haben aber noch genug Raum für mindestens drei Windanlagen.

Die Hubschrauber der Bundeswehr fliegen zu tief über den Gemeinden Bingen und Vilsingen. „Das sind Maschinen der Flugausbildung aus Laupheim und vom Truppenübungsplatz“, sagt Winkelhausen. „Die müssen in der Planung berücksichtigt werden.“ Und weil die militärischen Belange viel wiegen, wird es in beiden Gemeinden keine Vorrangflächen geben, obwohl sich die Bevölkerung in Bingen positiv gegenüber möglichen Windrädern geäußert hat.

Außerdem soll das Landschaftsbild des Oberen Donautals, das als kulturell schützenswert eingestuft wird, gewahrt werden, Beuron wird nicht als Vorranggebiet ausgewiesen. Das Kriterium Artenschutz greift im Gebiet „Hilpensberg/Rickertsreute“, das damit ebenfalls von der Vorrangliste verschwindet.

Schützenswerte Vogelarten sind übrigens auch im Bereich „Meßkirch/Leibertingen“ und „Rohrdorf Nord“ anzutreffen. Außerdem gibt es aus Gründen des Denkmalschutzes (Schloss Meßkirch) große Bedenken. Auch bei der Berücksichtigung dieser Kriterien bleibe aber noch mehr als genug Platz insgesamt 26 Windräder. „Das Gebiet bei Leibertingen und Meßkirch ist ein äußerst attraktiver Standort“, sagt Winkelhausen. „Der Windpark kann vielleicht schon nächstes oder übernächstes Jahr ans Netz gehen.“

Ein weiterer potenzieller Standort hat sich jetzt im Raum Gammertingen, Hettingen und Veringenstadt ergeben. „Durch geänderte Nachttiefflugbedingungen gibt es 300 Fuß mehr Luft und es könnten bis zu 20 weitere Anlagen realisiert werden“, sagt Wilfried Franke. Im Bereich Kettenacker hat sich ebenfalls eine neue Situation ergeben. Außerdem erwarte der Regionalverband etwa 20 Anlagen, die durch kommunale Planungen ans Netz gehen. Möglich macht dies das geänderte Landesplanungsgesetz, das seit Anfang des Jahres gilt.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen