Norah Jones zeigt in sieben Songs verschiedene Seiten

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Norah Jones
Norah Jones hat ihre neuen Songs bei improvisierten Sessions aufgenommen. (Foto: Ennio Leanza/KEYSTONE / DPA)
Deutsche Presse-Agentur
Andrej Sokolow

Norah Jones ist nun wirklich keine Musikerin, die aktuellen Trends hinterherjagt. Aber irgendwie passiert es ausgerechnet ihr schon wieder, dass sie zur Symbolfigur für den Wandel der Musikindustrie wird.

Ihr 2002 erschienenes erstes Album „Come Away With Me“ verkaufte sich schnell mehr als zehn Millionen Mal und machte Jones zur Hoffnungsträgerin der Branche inmitten rapide bröckelnder CD-Verkäufe. Ihr neues Album „Beginn Again“ zeigt nun dagegen exemplarisch, wie das Geschäft heute in der Streaming-Ära läuft.

Die Basis des Albums bilden vier Songs, die Norah Jones (40) im vergangenen Jahr sporadisch veröffentlichte. Jetzt kommen drei weitere Titel dazu - und man hat eine 30-minütige „Sammlung von Singles“, zum Beispiel für Leute, die immer noch CDs kaufen.

Das Album war einst das Fundament des Musikgeschäfts. Der Käufer musste den recht üppigen Verkaufspreis auf einen Schlag bezahlen. Mit Singles wurde noch einmal zusätzlich Geld verdient und Aufmerksamkeit auf das Album gelenkt. Jetzt, mit Abos für den Zugang zu Abermillionen Songs und der Macht der Playlists bei Streaming-Diensten wirken Alben oft wie ein Relikt. Für die Künstler ist es viel wichtiger, regelmäßig einzelne neue Songs herauszubringen und damit bei ihren Fans im Blickfeld zu bleiben.

Bündelt man solche Einzeltitel zu einem Album, fällt schnell auf, wie anders das klingt: Bisherige Jones-Alben hatten durchgängig eine Stilrichtung, eine Stimmung und ein Klangbild. Hier existiert jeder Song für sich. Zu Beginn schwebt in „My Heart Is Full“ Jones' Stimme mit minimalistischer Begleitung über einem pochenden Herzen. „Begin Again“ startet mit Klavierakkorden und Schlagzeug und wird zu einem unverkennbaren Jones-Titel der ruppigeren Art, gefolgt von der weitläufigen souligen Ballade „It Was You“ samt Bläser-Sektion und Hammond-Orgel, die vom Gitarren-Folk von „A Song With No Name“ eingerahmt wird.

Ihrer Musikfirma zufolge nahm Jones die Songs in kurzen improvisierten Sessions mit verschiedenen Freunden auf, ohne Albumkonzept oder Zeitdruck. Die Titel wirken ein wenig auch wie ein Streifzug durch bisherige Phasen der Jones-Musik. So oder anders: „Begin Again“ zeigt, wie Norah Jones unterschiedliche Musik machen und am Ende doch sie selbst bleiben kann. Und das wie immer scheinbar mühelos.

Website Norah Jones

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