Nie alleine losziehen: Trekking-Urlaub in Nepal

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Deutsche Presse-Agentur

Das verheerende Flugzeugunglück in Nepal hat vor allem hierzulande Angst ausgelöst. Bei dem Absturz einer kleinen Maschine auf dem Flughafen Lukla im vergangenen Oktober starben 18 Menschen, darunter 14 Deutsche.

Dennoch reisten im vergangenen Jahr nach Behördenangaben so viele deutsche Touristen in das Land wie seit 30 Jahren nicht mehr. Sie suchten unberührte Natur und den Blick auf die höchsten Gipfel der Welt. Für die Reise benötigen sie nicht nur Fitness. Notwendig ist auch einiges Vorwissen über das Land, das immer noch zu den ärmsten der Welt gehört.

Denn vieles läuft in Nepal nicht so, wie es Mitteleuropäer gewohnt sind. Die Infrastruktur ist schlecht. Wer am Flughafen in Kathmandu auf sein Gepäck wartet, bekommt einen Vorgeschmack davon: Kommt der Koffer nicht, kommt er vielleicht mit der nächsten Maschine - eine übliche Auskunft. Wer das Reisen in armen Regionen Asiens nicht gewohnt ist, bucht daher besser über einen Veranstalter.

„Wer jung, flexibel und mit ein wenig Spontaneität ausgestattet ist, kann sich vor Ort über eine Agentur Führer und Träger suchen“, sagt Stefan Winter, Bergführer im Deutschen Alpenverein in München, der selbst schon in Nepal unterwegs war. Die Deutsche Botschaft habe eine Liste von empfehlenswerten Agenturen am Ort.

„In einsamen Gegenden ist im Fall eines Unfalls und einer Verletzung nicht immer schnell Hilfe zur Stelle“, erklärt Rainer Hörig, der für den Studienkreis für Tourismus und Entwicklung das Heft „Nepal verstehen“ betreut hat. Ein ortskundiger Führer sei daher ratsam - er könne auch besser Kontakt zur Bevölkerung herstellen. „Viele Einheimische sprechen zwar Englisch, aber nicht überall und nicht unbedingt gut“, sagt Winter.

Ein deutscher Veranstalter kann außerdem ein Gefühl von Sicherheit geben. Gerade im Touristenviertel von Kathmandu, in Thamel können Touristen an Geschäftemacher geraten, warnt Ram Thapa, Vorsitzender der Deutsch-Nepalesischen Gesellschaft in Köln und einer von mehreren Honorarkonsuln des Landes in Deutschland.

Es ist außerdem nicht so, dass das Mieten von Begleitern deutsche Reisende schmerzen müsste. Führer und Träger kosten pro Tag zwei bis drei Dollar, sagt Thapa. Ein weiterer Punkt: Für viele Regionen ist eine Trekking-Genehmigung Vorschrift. Ein Führer, ob selbst oder über einen Reiseveranstalter gebucht, erledigt das für Urlauber.

Einige Unwägbarkeiten hält Reisen in Nepal bereit. Zwar ist es ein relativ sicheres Reiseland. „Allerdings kann es täglich zu Behinderungen des Straßenverkehrs, zu Demonstrationen und Streiks kommen. Auch Überlandstraßen können blockiert werden“, warnt Hörig.

„Ob Flug- oder Busreise: Da muss man große Abstriche bei Service und Sicherheitsmanagement machen“, sagt Winter. Insgesamt passiere Touristen aber wenig. Ram Thapa rät, bei allen Planungen einen „Risikotag“ einzurechnen: Wer an einem Mittwoch zurück nach Deutschland fliegen will und sich erst am Dienstag nach Kathmandu aufmacht, kann sonst enttäuscht werden.

Wer zum Beispiel von Kathmandu nach Pokhara will, nutzt laut Thapa am besten die eigens gekennzeichneten Touristenbusse: „Die nehmen keine Einheimischen mit, nur Ausländer.“ Auch das Auswärtige Amt empfiehlt „ausschließlich gekennzeichnete Touristenbusse“. Mietwagen würden zu 99 Prozent ebenfalls nur mit Chauffeur angeboten, aufgrund der schlechten Straßen- und Einkommensverhältnisse.

Selbst Ram Thapa sagt unverhohlen, dass von Flügen mit der staatlichen Fluggesellschaft Nepal Airlines dringend abzuraten sei. Die Einschätzung teilt das Auswärtige Amt in seinen Reisehinweisen. Die anderen Gesellschaften seien aber vergleichsweise okay. Wer die Ratschläge beherzigt, ist im Oktober und November sowie im Frühjahr am besten unterwegs. Am klarsten ist die Sicht auf die Eisgipfel des hohen Himalaya im Oktober und März, sagt Hörig. „Wegen der Luftverschmutzung werden die Tage mit Bergsicht aber immer weniger.“

Reise-Infos über Nepal: www.welcomenepal.com

Deutsch-Nepalische Gesellschaft: www.deutsch-nepal.de

Eine Trekking-Tour sollten Urlauber auch mit Blick auf die Fitness nicht unvorbereitet angehen. „Es ist eine mehrtägige Wanderung. Spätestens zwei Monate vor der Anreise ist ein gezieltes Ausdauertraining Pflicht“, sagt Stefan Winter vom Deutschen Alpenverein in München. Auch wer nicht in die höheren Regionen vorstößt, benötigt eine Basis. „Wer das Bergwandern gewohnt ist, kann in den weniger hohen Regionen entspannt sein. Aber für Einsteiger gilt: Joggen, Radfahren oder bestenfalls Bergwandern zur Vorbereitung.“ Auch erfahrene Wanderer sollten in höheren Regionen Eingewöhnungszeit einplanen: Die Höhenkrankheit trifft Sportler ebenso wie alle anderen. „Und in Nepal ist es schwer, unter 2500 Metern zu bleiben.“

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