„Nichts ist zu teuer für die Bildung“

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Einige Stühle in der Mensa blieben frei, das Interesse an der Bürgerversammlung zum Schulzentrums-Neubau war überschaubar.
Einige Stühle in der Mensa blieben frei, das Interesse an der Bürgerversammlung zum Schulzentrums-Neubau war überschaubar. (Foto: Florian Bührer)
Florian Bührer

Gemessen an der Größe des Bauvorhabens, der im Raum stehenden Summen und der Zahl der betroffenen Familien hat sich am Montagabend nur eine überschaubare Schar an Interessierten in der Mensa eingefunden, wo die Stadtverwaltung mit einer Bürgerversammlung über den bevorstehenden Um- und Neubau des Schulzentrums informierte. Bürgermeister Rainer Magenreuter gestand eingangs ein, dass nichts so schwer sei, wie eine Schule zu bauen. Er versprach den Anwesenden, „die Beeinträchtigungen für die Anwohner werden so gering wie möglich gehalten“. Für Wolfgang Grimm, Leiter der Werkrealschule, ist das anstehende Projekt „knackig“. Einigkeit herrschte aber, dass das Vorhaben „absolut notwendig“ sei.

Für Anwohner begann die Infoveranstaltung um 18 Uhr, die Bürgerversammlung um 20 Uhr. Dort machten Rainer Löhle und Matthias Weiss vom mit der Planung beauftragten Architektenbüro Löhle/Neubauer aus Augsburg den Auftakt, die in den vergangen 20 Jahren rund ein Dutzend Schulen geplant haben.

Folgende Ausgangslage fanden sie Ende 2015 vor: sechs Gebäude, die zwischen 1951 und den 1990er-Jahren entstanden waren, weite Laufwege, zahlreiche Höhensprünge zwischen den Gebäuden. Denkbare schlechte Voraussetzungen seien das gewesen, erinnerte sich Planer Weiss.

Ende Juni 2016 sei dann offiziell gewesen: Die Sanierung wäre nicht wirtschaftlich auszuführen, weil es keine Zuschüsse gegeben hätte, die Sanierung war vom Tisch, ein umfassender Neubau wurde geplant. Nun rollen schon nach Pfingsten die Bagger an, im General-Moser-Weg werden die ersten Leitungen für die Fernwärmeversorgung verlegt.

Diana Hanser von der Stadtbauverwaltung sicherte den Anwohnern zu, dass trotzdem die Zufahrt zu Grundstücken stets gewährleistet sei. Ebenso werde jedes Haus dokumentiert, damit möglicherweise anfallende Schäden oder Veränderungen nachvollzogen werden könnten.

Eine „echte Herausforderung“ sei der Abbruch des Altbestands, unterstrich Bürgermeister Magenreuter. Angefangen werde damit zu Beginn der Sommerferien, und laut Martin Böhm vom Kemptener Ingenieurunternehmen HPC AG würden sich diese Arbeiten bis in den Herbst hinein ziehen. Im Sommer solle Staubbildung mit einer „Wasserbedüsung“ begegnet werden, ein Gebäudetrakt solle zunächst noch als „Puffer“ zu den Anwohnern fungieren.

Während der Bauphase muss der Unterricht weitergehen, Anita Gösele präsentierte seitens der Stadt die Interimslösungen mit Grundschule im alten Schul- und Förderschule im ehemalige Siloah-Verwaltungsgebäude (SZ berichtete).

2021 soll das Schulzentrum fertig sein. Verantwortlich dafür, dass dieses Ziel nicht aus den Augen verloren wird, ist Marc Schade, Geschäftsführer von MSE Architekten Kaufbeuren. Ihm sei besonders wichtig, den Schulbetrieb „komplett und sicher“ zu gewährleisten, die schweren Baustellenwerkzeuge würden deshalb auf Schulgrundstück und Festplatz geparkt, um die Anwohner nicht zusätzlich zu beeinträchtigen. Auch an die Belastung durch schweres Gerät werde gedacht. Der General-Moser-Weg sei zwar für 40 Tonnen ausgelegt, die Situation werde aber sehr genau beobachtet, mittelfristig werde die Straße auch saniert, versprach Bürgermeister Magenreuter.

Die anwesenden Zuhörer zeigten für Um- und Neubau viel Verständnis. Lothar Nissle, ein direkter Anwohner, brachte es auf den Punkt: „Nichts ist zu teuer, wenn es für die Bildung ist“, sagte er gegenüber der „Schwäbischen Zeitung“. Auch die Verkehrsbelastung durch die vielen Baustellenfahrzeuge empfinde er nicht als sonderlich störend – von den Eltern, die ihre Kinder bis vor die Schultüre fahren, seien er und die Nachbarn einiges gewohnt.

Ein Thema beim teuersten Bauprojekt, das die Stadt Isny in ihrer Geschichte stemmt, sind natürlich die Kosten. Nach einer Berechnung von Löhle/Neubauer vom März 2018 würden die Kosten für den Neubau des Schulzentrums bei 31,9 Millionen Euro liegen, für die Interimslösungen seien 1,4 Millionen geplant, der Umbau der bisherigen Realschule, in die Grund- und Förderschule einziehen werden, schlage mit 2,6 Millionen Euro zu Buche. Vom Land Baden-Württemberg werden Zuschüsse in Höhe von rund zwölf Millionen Euro erwartet. Stadtkämmerer Werner Sing führte aus, die Tilgung werde den Haushalt auf 30 Jahre mit 830 000 Euro pro Jahr belasten.

Claudia Mayer, die Elternbeiratsvorsitzende, zeigte sich begeistert vom Kosten-Nutzen-Verhältnis des Neubaus. Wolfgang Grimm, der im alten Gebäude selbst noch zur Schule gegangen war, zeigte sich erfreut, dass die Arbeiten bald losgehen, und er gab unverblümt zu, dass er der alten Architektur keine Träne nachweine. Das neue Schulzentrum sei für Isny richtungsweisend und ein Magnet auch für auswärtige Schüler und deren Eltern.

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