Nicht nur Deko: Wie Pflanzen jahrelang blühen

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Deutsche Presse-Agentur

Wenn Pflanzen weggeworfen werden, spielen meist Ungeduld und oft auch Unkenntnis eine Rolle. „Der Rittersporn im Kübel war doch verblüht“, heißt es dann. Oder: „Der Mini-Granatapfel hatte alle Blätter abgeworfen“.

Nun wandern beide und alljährlich Millionen weitere mit ihnen auf den Müll. Schade, denn Rittersporn und Granatapfel hätten noch viele Jahre nachhaltig blühen können. Schließlich waren sie weder krank noch an ihrem Lebensende, sie sind nur ihrem natürlichen Lebensrhythmus gefolgt.

Ein bisschen sind die Beet- und Balkonblumen schuld. Sie blühen unermüdlich den ganzen Sommer hindurch. Diese Erwartung stellen viele Menschen auch an anderen Pflanzen. Aber das klappt nicht. Ausdauernd blühende Beet- und Balkonpflanzen sind zum einen Einjahrsblumen wie Leberbalsam oder Studentenblumen. Wird Abgeblühtes regelmäßig ausgeputzt, blühen sie immer weiter, um noch Nachkommen in die Welt setzen zu können. Die anderen wie Fleißige Lieschen oder Drachenflügelbegonie stammen aus warmen Regionen ohne harten Winter. Stimmen Wärme und Feuchtigkeit, blühen auch sie unermüdlich.

Für die winterharten Stauden und Gehölze wäre so etwas fatal. Nur diejenigen, die ihre Triebe rechtzeitig ausreifen lassen, sobald die Tage kürzer werden, die früh genug einziehen und in die Winterruhe gehen, haben eine Chance zu überleben. Die ausgeprägten Jahreszeiten zwingen ihnen einen klaren Lebensrhythmus auf - so deutlich, dass sich die Jahreszeiten an bestimmten Pflanzen wie Tulpen, Maiglöckchen, Astern und Chrysanthemen festmachen lassen.

Diese Erfahrung auf die nicht ganz so vertrauten Pflanzen zu übertragen, gelingt nicht immer. Daher wird das Leben des Minigranatapfels vorzeitig beendet, obwohl er doch nur einen kühlen, noch nicht einmal hellen Platz zum Überwintern gebraucht hätte. Rechtzeitig im Frühjahr ans Licht geholt, treibt er wieder aus und entwickelt bald erste Knospen. In zehn Jahren wäre ein markantes kleines Bäumchen aus ihm geworden. Der Rittersporn hätte auch in den nächsten fünf bis zehn Jahren noch Blütenkerzen aufgesteckt. Rückschnitt unmittelbar nach der Blüte veranlasst ihn sogar zu einem erneuten Flor im Spätsommer.

Besonders häufig werden Zimmerpflanzen mit Jahresrhythmus lange vor ihrem wirklichen Ende weggeworfen. Das Buntblatt (Caladium) zieht im Herbst ein. „Sie lebt nicht mehr“, lautet der vorschnelle Schluss. Dabei signalisieren kräftige Knollen in der Erde, dass sie nur ruht. So übersteht sie in ihrer Heimat Trockenzeiten.

Die Medinilla trägt von Februar bis August prächtige rosa Blüten. Dann stellt sie sich auf ihre winterliche Ruhepause um. Zwei bis drei Monate braucht sie wenig Wasser und keinen Dünger. Wird sie trotzdem gedüngt und gegossen, geht sie ein. Also lieber noch mal den Gärtner fragen oder in einem Pflanzen-Ratgeber nachschlagen, dann wird klar, was es mit dem Verhalten der Pflanze auf sich hat.

Zurückhaltung ist auch im Frühjahr ein guter Rat, wenn die ersten Beet- und Balkonpflanzen in Gartencentern und Supermärkten auftauchen. Warme Tage Anfang April rufen Sommergefühle hervor. Aber dann wird es doch wieder kalt und die sommerliche Pracht aus Geranien, Strauchmargeriten, Fuchsien und Co. fällt zusammen. Also lieber noch ein bisschen warten. Dann bleibt die Freude über die bunten Sommerblumen umso länger.

Am größten ist die Gefahr eines vorzeitigen Endes ausdauernder Pflanzen natürlich bei Spontan-Käufen. Zugegeben, es fällt schwer, dem Orchideen-Sonderangebot, den üppigen Alpenveilchen oder der Kamelie zu widerstehen.

Aber richtige Freude kommt später doch nicht auf, wenn die Kamelie im warmen Zimmer ihre Knospen abwirft, das Alpenveilchen auf der Fensterbank über der Heizung auseinander fällt und die Orchideenblätter am Sonnenfenster verbrennen. Also lieber noch mal die Standortbedingungen in der Wohnung, auf dem Balkon oder im Garten überdenken, bevor das pflanzliche Schnäppchen im Einkaufwagen landet.

Beim Kauf unbekannter Pflanzen sollte immer nachgefragt werden:

- Sind sie einjährig oder mehrjährige Stauden oder Gehölze?

- Ziehen sie irgendwann ein oder werfen sie die Blätter ab?

- Haben sie eine bestimmte Blütezeit oder zählen sie zu den Dauerblühern?

- Wie winterhart sind sie?

- Müssen sie reingeholt werden, brauchen sie Winterschutz vor Kälte oder vor Winternässe?

- Welchen Standort verlangen sie: Sonne, Schatten, Wärme, Kühle?

- Sind sie pflegeaufwändig oder pflegearm?

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