Nicht überall wo Wind bläst, drehen sich Räder

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Fukushima brachte die Wende. Die Energiewende, vorher eher nachlässig gehandhabt, wurde in vielen Gemeinderäten zum Hauptthema. Und nach Solarstrom und Biogasanlagen stand zunehmend die Windenergie im Fokus.

Kein Gemeinderat, der sich vehement gegen die vom Regionalverband mit ausreichender Windhöffigkeit ermittelten Standorte gewehrt hätte. Ein paar, wie Wolfegg-Gaishaus oder Vogt-Grund hat der Regionalverband aus der Liste der potenziellen Vorranggebiete herausgenommen, andere wie Frankenberg-Waldburg oder Vogt-Heißen waren darin gar nicht vorgesehen.

Ziel der Regionalplanung ist es, „bedeutsame Windenergieanlagen“ an jenen Stellen zu konzentrieren, die über ausreichend Windverhältnisse verfügen, aber auch mit anderen Nutzungen nicht in Konflikt geraden. Die sind nach jetzigem Plan folgende sechs Standorte in Gemeinden des Altkreises Ravensburg und zwei im Stadtgebiet Bad Waldsee.

Wilhelmsdorf ist die Gemeinde, in welcher Aeolus am heftigsten bläst und die deshalb auch gleich mit drei Standorten im künftigen Windatlas stehen wird. Bis zu 6,25 Meter durchschnittliche Windgeschwindigkeit werden auf dem Hausberg, dem, Höchsten, erreicht, an dessen Rücken zur Sigmaringer Seite hin sich am Judentenberg bereits drei Windräder drehen. Vorranggebiete sind Höchsten-Ost (29 Hektar) zwischen Zußdorf und Höhreute wo drei Windräder vorgesehen sind, und Höchsten-West direkt hinter der Gemeindegrenze zu Ilmensee mit 81 Hektar und fünf Anlagen. Die Bewertung für beide Standorte lautet „regional gut. Am Standort Esenhausen wird die Windhöffigkeit als grenzwertig bezeichnet, aber in Zusammenhang mit einer Anlage im benachbarten Danketsweiler wäre der Anschluss ans Leitungsnetz der EnBW unproblematisch. Bauen könnte man nahe Esenhausen auf zwei Plätze verteilt insgesamt drei Windanlagen.

Bei Danketsweiler könnten was das Windpotenzial angeht, auf 53 Hektar Fläche der Gemeinden Horgenzell und Fronreute an zwei Standorten insgesamt fünf Windräder aufgestellt werden. Nachteilige Auswirkungen auf die Umwelt sind laut Regionalverband nicht so groß, dass sie eine alternative Energienutzung verbieten würden.

Bei Bergatreute würde sich auf zwei Teilflächen nahe Engenreute Windkraftnutzung anbieten. Vier Windräder könnten dort im Wald an der Gemeindegrenze zu Bad Waldsee gebaut werden.

Generell für tauglich erachtet werden auch die Atzenberger Höhe in der Gemeinde Ebersbach-Musbach , wo der Wind mit bis zu 5,75 m/s zwar nicht übermächtig stark bläst, aber laut Windatlas mit 253 Hektar und zwölf Anlagen eines der größten Windkraftwerke in der Region entstehen könnte.

Auf Gemarkung Bad Waldsee fünf Windräder bei Haisterkirch sowie drei bei Mennisweiler. Dagegen soll in die „Einzigartigkeit des Wurzacher Beckens“, so der Regionalverband, nicht eingegriffen werden; deshalb wird sich auf der Grabenerhöhe bei Osterhofen kein Rad drehen.

Auch Gaishaus bei Wolfegg ist zur Überraschung von Bürgermeister Peter Müller raus: Obwohl windstark, stechen hier die gleichen Argumente wie in Osterhofen: kein Eingriff ins Wurzacher Becken.

Absage auch an Vogt-Grund: Von der Windhöffigkeit her geeignet, aber der Netzanschluss für den Energietransport wäre sehr teuer und die Verkehrserschließung ist schwierig.

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