Neuwagen und Sondermodell? Autokauf in Krisenzeiten

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Deutsche Presse-Agentur

Die Finanzkrise und drohende Rezession haben dafür gesorgt, dass sich Neuwagen-Interessenten so stark zurückhalten wie seit Jahren nicht. Allerdings birgt der Autokauf in Krisenzeiten auch Chancen auf Schnäppchen.

So hat der Automobilforscher Prof. Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen für November errechnet, dass das durchschnittliche Rabatt-Niveau für Neuwagen in Deutschland bei 16,5 Prozent lag. Mit einzelnen Sonderaktionen griffen die Marken sogar noch zu höheren Nachlässen. Bis zu gut 30 Prozent waren drin. Für 2009 wird weiter mit hohen Rabatten gerechnet, das vorläufige Höchstniveau dürfte im Frühjahr 2009 erreicht werden.

Ein Thema sind in diesem Zusammenhang die Tageszulassungen. „So eine Tageszulassung ist heute ein nicht unübliches Mittel der Verkaufsförderung bei den Autohändlern“, sagt Arnulf Thiemel vom ADAC-Technikzentrum in Landsberg (Bayern). „Der Begriff Tageszulassung ist so definiert, dass es sich um ein Fahrzeug handelt, das einen Tag zugelassen war“, sagt Sabine Götz, Sprecherin des Automobilclubs von Deutschland (AvD) in Frankfurt/Main. „War das Auto länger zugelassen und hat dazu noch mehr als zehn Kilometer absolviert, dann gilt es als Vorführwagen.“

Grundsätzlich werden Tageszulassungen dazu eingesetzt, höhere Nachlässe gewähren zu können. Doch in Krisenzeiten kämpfen die Hersteller auch auf statistischer Seite gegeneinander - ein hoher Platz in der Zulassungsstatistik gilt als Indiz für Erfolg. Und Menschen kaufen gern dort, wo sie erfolgreiche Modelle vermuten. Eine Folge: Laut Dudenhöffer hatten solche Eigenzulassungen der Hersteller und Händler im Oktober einen Anteil von 26,2 Prozent an den Neuzulassungen.

Doch bei Tageszulassungen ist noch etwas zu beachten: „Eine Neuwagengarantie läuft ab dem Tag der Erstzulassung“, so Sabine Götz. Das eigentlich neue Auto ist nicht nur bereits ein Gebrauchtwagen - wenn es einige Zeit auf Käufer warten muss, kann auch nicht mehr die komplette Laufzeit der Neuwagengarantie erwartet werden.

Ein anderes Beispiel für die Ankurbelung der Verkäufe sind Sondermodelle: Ein Fahrzeugtyp wird mit Sonderausstattungen aufgepäppelt und zu vergleichsweise günstigen Preis angeboten - oft mit dem Zusatz, dass es eine Einsparung von mehreren Tausend Euro gegenüber einem „vergleichbar ausgestatteten Serienmodell“ bietet. Aber nicht jeder Kunde will jedes verbaute Extra wirklich haben.

Und dann ist da noch der echte Neuwagen. Am frischesten ist ein Modell einer neu eingeführten Generation, das gerade erst in die Schauräume gekommen ist. Rainer Hillgärtner vom Auto Club Europa (ACE) in Stuttgart weist jedoch darauf hin, dass dort oft noch Auslaufmodelle stehen: Neuwagen jener Modellgeneration, die gerade abgelöst worden ist. Sie sind oft mit besonders günstigen Preisen ausgezeichnet. Doch Auslaufmodelle seien in der Regel auch „Ladenhüter“ und nur deshalb günstig im Preis, so Hillgärtner.

Oft nämlich ist so ein Vorgänger noch mit älterer Technik ausgerüstet, erfüllt geringere Abgasnormen und verbraucht mehr. Was zu einem weiteren wichtigen Punkt beim Autokauf führt: Um günstig zu kaufen, sollte laut Arnulf Thiemel nicht nur der Preis an sich beachtet werden - sondern auch Wartung, Unterhalts- oder Versicherungskosten. Im Endeffekt kann es nämlich dazu kommen, dass ein Schnäppchen sich später als wahrer Geldfresser erweist.

Ein Auto verliert im Laufe der Zeit an Wert. Allerdings gibt es beim Wertverlust zwischen typischem Neuwagen, Sondermodell oder Tageszulassung keine großen Unterschiede. Laut dem Marktbeobachter Deutsche Automobil Treuhand (DAT) in Ostfildern sind nach drei Jahren nur Differenzen von etwa zwei Prozent zu erwarten, nach sieben Jahren ließen sich kaum noch Unterschiede feststellen.

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