Neun Buslinien rollen künftig im Takt durch den Kreis

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Schwäbische Zeitung

Nach einem Jahr Vorarbeit hat der Schweizer Verkehrsplaner Peter Schoop jetzt den Kreisräten im Wirtschaftsausschuss den künftigen Nahverkehrsplan für den Landkreis Lindau vorgestellt. Wichtig sind dem Verkehrsfachmann dabei das Zusammenwirken von Bus und Bahn, „starke Achsen“ im Busliniennetz, ein Angebot für viele statt „Maßanzüge“ etwa nur für Schüler und vor allem – ein konsequenter Taktfahrplan. Das soll die Menschen im Kreis Lindau, ähnlich wie in Vorarlberg, verstärkt in den öffentlichen Nahverkehr bringen. Schoop zeigte sich optimistisch: „Mit gutem Willen lässt sich das machen.“

Dieser Nahverkehrsplan, der im Dezember 2020 starten soll, ist nach Ansicht Schoops ganz klar „ein Paradigmenwechsel“. Denn sind die Buslinien im Kreis Lindau bisher oftmals auf Unterrichtszeiten abgestimmt, so sollen künftig auch Schüler (bis auf wenige Zusatzfahrten) mit Bussen im regulären Stundentakt unterwegs sein – und auch mal zehn Minuten zur nächsten Bushaltestelle laufen müssen. Der Schweizer Verkehrsplaner hält das für zumutbar.

Sein Konzept, in drei Arbeitskreistreffen auch mit Kreisräten aller Fraktionen erörtert: Die neuen, von A bis L „durchnummerierten“ Buslinien fahren ohne Abweichungen auf einheitlichen Routen und (bis auf den Verkehr nach Gestratz und Isny) verlässlich im Stundentakt. Außerdem haben die Busse gute Anschlüsse an die Bahn (auch die geplanten neuen Bahnhalte, etwa in Schlachters) mit kurzen, aber nach Schoops Worten ausreichenden Umsteigezeiten.

Wichtig dabei auch: Die Regionalbusse steuern ab Ende 2020 nicht mehr den alten Lindauer Hauptbahnhof auf der Insel an, sondern als Wendepunkt den neuen Reutiner Bahnhof. Das trifft auch auf die künftige Seelinie D (heute Linie 21) zu, die als Pilotprojekt schon ab Sommer dieses Jahres im Stundentakt zwischen Wasserburg und Berliner Platz rollen soll. Die Insel könne künftig vom Bahnhof Reutin aus per Zug erreicht werden – der Beitritt Lindaus zum Verkehrsverbund Bodo erlaube ja einen problemlosen Wechsel zwischen Bahn und Bus. Und es müsse auch sicher sein, dass es am neuen Reutiner Bahnhof vier Haltestellen für Regionalbusse gibt, fügte Schoop an.

Linie A rollt künftig durch Vorarlberg

Rückgrat des künftigen Busnetzes soll die neue Linie A werden: Sie bildet eine der von Schoop geforderten „starken Achsen“ im Landkreis Lindau. Denn die Busse auf dieser Linie werden vom Bahnhof Reutin über Hörbranz nach Scheidegg fahren und von dort weiter Lindenberg und Weiler an die Kreisstadt Lindau anbinden. Und das eben im Stundentakt. Wie wichtig eine solche Verbindung ist, hat das vom Landkreis beauftragte Schweizer Verkehrsplanungsbüro Metron AG anhand von Einzugsgebieten und Pendlerströmen ermittelt. Linie A „als wirklich neues Element des Busnetzes“ (Schoop) ist allerdings mit einem „Aber“ behaftet: Sie würde Lindau und Lindenberg mit einer grenzüberschreitenden Fahrt durch Vorarlberg verbinden, teilweise auf der Strecke der Landbus-Linie 14. Das heißt, vor dem Start müssen die Konzessionen von Deutschland und Österreich wie auch verschiedene Tarife abgestimmt werden.

Das neue ÖPNV-Konzept soll dann Arbeiten und Einkaufen per Bus und Bahn genauso möglich machen wie Freizeitfahrten. Das funktioniere aber nur mit einem zuverlässigen Taktfahrplan, ist der Schweizer Verkehrsplaner überzeugt. Dieser Takt und die neuen Verbindungen bringen aber eine höhere Kilometerleistung: Schoop geht von knapp 270 000 Kilometern mehr im Jahr aus. Das bedeutet für den Landkreis, dass der ÖPNV künftig teurer wird: Jährlich soll sich das auf rund 680 000 Euro Mehrkosten summieren.

„Das Ganze nicht zum Nulltarif“

„ÖPNV wird hier neu gedacht“, stellte der Lindauer Landrat Elmar Stegmann nach Schoops Vortrag fest. Bahn und Lindauer Stadtbus hätten im neuen Nahverkehrskonzept eine wichtige Rolle. Dass es „das Ganze nicht zum Nulltarif gibt“, müsse allen Beteiligten klar sein. Der Kreisrat und Landtagsabgeordneter Eberhard Rotter zeigte sich überzeugt, dass „da was sehr Positives geleistet wird“. Ob sich die Ideen und Buslinien alle „eins-zu-eins“ umsetzen lassen, müsse sich aber erst noch zeigen. Die künftigen Taktfahrpläne bezeichnete Kreisrat Walter Matzner als „revolutionär“.

Etwas kontrovers diskutiert wurde die Frage, ob der Wirtschaftsausschuss den Nahverkehrsplan billigen könne oder der gesamte Kreistag diesen beschließen müsse. Letztlich hoben alle Ausschussmitglieder die Hand, um den Bericht als „Handlungsleitfaden“ für die nächsten Jahre zu beschließen und die Verwaltung zu beauftragen, „die einzelnen Umsetzungsmöglichkeiten auszuarbeiten“.

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