Neues Outfit für die Wände: Die Tapete ist zurück

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Deutsche Presse-Agentur

In den 70er Jahren ein absolutes Muss, dann in den 90ern mühsam von den Wänden gekratzt, feiert sie nun ein unerwartet fulminantes Comeback: die Tapete.

Großflächig gemustert oder fein gestreift, glatt, beflockt oder gecrusht, dezent pastellig, metallisch glänzend oder in knalligen Farben - die Auswahl an Tapeten war noch nie so groß wie heute.

Der Trend gehe weg von den klaren, reduzierten und kühlen Looks, sagt Katrin Weimann vom Einrichtungsberatungsbüro „Stil & so“ in München. „Großflächiges, Florales und Ornamente sind gefragt. Per Pinselstrich lässt sich das nur schwer machen.“ Also muss die Tapete her, denn die schlägt gleich drei Fliegen mit einer Klappe: Neben Farbe zaubert sie Muster und Struktur an die Wand.

Besonders letzteres sorgt für den echten Kick: 3D-Strukturen, die man nicht nur sehen, sondern auch spüren kann, machen die Tapete zum einzigartigen Styling-Element. Ob beflocktes Papier, bei dem feine Fasern für eine samtige Musterung sorgen, gecrushte Oberflächen oder Tapeten mit echten Naturmaterialien darauf - der Fantasie sind kaum noch Grenzen gesetzt. „Das geht hin bis zu Tapeten mit Gräsern, Bast und Bambus, ganz feinem Holzfurnier oder gar hauchdünnen Sandsteinplatten“, beschreibt Farbdesigner und Tapetenexperte Wolfgang Raith aus dem baden-württembergischen Ditzingen die große Angebotspalette.

Doch auch großflächige Muster, wie sie so mancher noch aus seiner Jugendzeit kennt, dürfen wieder an den Zimmerwänden prangen. „Der ganze Retrotrend hat ja erst das Comeback der Tapete ermöglicht. Und mit ihr kamen zum Teil auch die Muster zurück, die wir aus den 70ern kannten“, so Raith.

Allerdings: Nicht jedes Muster passt an jede Wand. „Man muss beim Tapezieren immer auf die Proportionen des Raumes achten“, warnt Karsten Brandt, Geschäftsführer des Deutschen Tapeten-Instituts in Frankfurt/Main. „Diagonal verlaufende und große Muster lassen einen Raum kleiner erscheinen. Dafür kommt ein Zimmer dem Betrachter größer vor, wenn man helle Tapeten und kleine Muster verwendet.“

Ein Trick, den Liebhaber auffälliger Tapeten auch in kleinen Wohnung anwenden können, ist nur eine Wand oder gar nur einen Teil von ihr zu tapezieren. „Je dominanter die Tapete, desto reduzierter sollte man mit ihr umgehen“, lautet Weimanns Faustregel. Gerade mit einzelnen Musterbahnen, senkrecht oder auch waagerecht geklebt, ließen sich perfekte Akzente setzen, ergänzt Rüdiger von Preen vom Hersteller A.S. Création im nordrhein-westfälischen Gummersbach.

Allerdings wirkt das tatsächlich nur mit Mustern und Ornamenten in großem Maßstab, erläutert die Autorin Elizabeth Wilhide in ihrem Buch „Inspiration! 100 Ideen zum Wohnen mit Farben, Stoffen und Tapeten“: „Mit einer klein gemusterten Tapete funktioniert dieser Trick nicht - dann sieht es nur so aus, als wäre man noch nicht dazu gekommen, den Rest des Zimmers zu tapezieren.“

Überhaupt ist nicht nur in Sachen Muster, sondern auch bei den Farben Mut angesagt: Violett und Magenta seien in der nächsten Saison der Renner, sagt Wolfgang Raith voraus. Wer es etwas kühler, aber nicht weniger dezent mag, greift zu Matt-Glanz-Effekten: Gold-, Silber- und Lackakzente auf matten Fonds sind absolut im Kommen, fügt Karsten Brandt hinzu.

LITERATUR: Elizabeth Wilhide: Inspiration! 100 Ideen zum Wohnen mit Farbe, Stoffen und Tapeten, Callwey Verlag, ISBN 978-3-7667-1686-6, 29,95 Euro; Wolfgang Raith: Wand-Konzepte: Mit innovativen Materialien und Tapeten, Tervehn-Verlag, ISBN 978-3-9354-7007-0, 59 Euro; Sascha Bossinger: Kreative Ideen mit Mustertapeten, Frech-Verlag, ISBN 978-3-7724-6802-5, 12,90 Euro.

Pappender Kleister, aufgequollene Tapeten und schief geklebte Bahnen: Solche Tapezier-Schrecken gehören inzwischen der Vergangenheit an. Seit einigen Jahren gibt es sogenannte Vliestapeten, die auch der Laie problemlos selbst an die Wand bringen kann. Dabei wird der Kleister nicht mehr auf die Tapete, sondern bequem auf die Wand selbst aufgetragen. Lästiges Weichenlassen und das ständige Verziehen der Tapete sind damit passé. Trotzdem sollten die Bahnen natürlich möglichst nahtlos aneinandergeklebt werden. Je aufwändiger das Dessin, desto schwieriger ist das - unter Umständen wird deshalb besser ein Profi damit beauftragt.

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