Neues Gesetz will die universelle Pflegekraft von morgen schaffen

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Schlaganfallpatient
Ein Gesundheits- und Krankenpfleger überprüft die Messinstrumente bei einem Schlaganfallpatienten. (Foto: Angelika Warmuth/Archiv / DPA)
Agence France-Presse
Die Ausbildung von Pflegefachkräften soll modernisiert und vereinheitlicht werden. Die Verordnung zur Reform der Pflegeausbildung, die das Kabinett am Mittwoch beschloss, sieht eine Zusammenführung der bislang getrennten Ausbildungsgänge für Kranken- und Altenpflege ab 2020 vor. Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sprach von einem „wichtigen Schritt“, um den Pflegeberuf „moderner und attraktiver“ zu machen. Dazu gehöre neben einer Ausbildungsvergütung auch die Abschaffung des Schulgeldes.

Die Verordnung wird nun dem Bundestag zugeleitet. Wenn dieser zustimmt, geht sie dann in den Bundesrat. Die Umsetzung des bereits in der vergangenen Legislaturperiode beschlossenen Pflegeberufegesetzes ist ein wichtiger Baustein für die Bemühungen von Spahn, die Pflege in Deutschland zu stärken. Spahn hatte unter anderem die Schaffung von mindestens 13.000 neuen Stellen in der Altenpflege angekündigt.

Familienministerin Franziska Giffey (SPD) hob am Mittwoch hervor, dass neben der Ausbildungsreform auch für bessere Arbeitsbedingungen gesorgt werden solle. Das werde sie gemeinsam mit Spahn und Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) im Rahmen der Konzertierten Aktion Pflege in Angriff nehmen.

Kern des im vergangenen Sommer beschlossenen Pflegeberufegesetzes ist die Zusammenführung der bislang separat geregelten Ausbildungen in der Alten-, Kranken- und Kinderkrankenpflege. Ab 2020 sollen alle Pflege-Azubis die ersten beiden Jahre gemeinsam lernen. Im dritten Ausbildungsjahr ist dann ein generalistischer Abschluss zur Pflegefachfrau beziehungsweise zum Pflegefachmann, aber auch eine Spezialisierung in der Alten- und Kinderkrankenpflege möglich.

 

Die bislang drei Ausbildungsberufe im Pflegebereich werden künftig zusammengeführt: Das Bundeskabinett beschloss am Mittwoch das neue Pflegeberufsgesetz. Der Start der neuen generalisierten Ausbildung ist für 2020 geplant.

Welche Ausbildungsberufe gibt es bisher?

Derzeit gibt es drei separate Berufsausbildungen im Pflegebereich - Altenpfleger, Gesundheits- und Krankenpfleger sowie Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger. Die Ausbildungen sollen künftig zumindest teilweise zusammengeführt werden - die Berufseinsteiger dürfen sich am Ende je nach Qualifikation Pflegefachmann oder Pflegefachfrau, Altenpfleger sowie Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger nennen.

Warum wird die Pflegeausbildung reformiert?

Die verschiedenen Einsatzmöglichkeiten etwa in der Altenpflege, im klinischen Bereich oder in der Kinderpflege sollen flexibler und der Wechsel einfacher werden. Pflege wird zudem immer komplexer. Pflegekräfte müssen in Altenheimen zunehmend auch chronisch Kranke versorgen, während im Krankenhaus immer mehr Ältere und Demenzkranke behandelt werden. Kurzum: Die Pflegekraft von morgen soll universeller einsetzbar sein.

Angesichts des zunehmenden Mangels an Fachpersonal soll mit der Ausbildungsreform nicht zuletzt die Attraktivität des Berufs steigen. Um mehr Menschen für den Pflegeberuf zu begeistern, braucht es laut Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) „Aufstiegschancen, Motivation und Qualifikation“. Spahn selbst hat unter anderem die Schaffung von mindestens 13.000 neuen Stellen in der Altenpflege angekündigt.

Wie lange dauert die neue Ausbildung?

Alle Auszubildenden erhalten künftig zwei Jahre lang eine gemeinsame Ausbildung mit Unterricht an Pflegeschulen und praktischer Ausbildung bei einem Ausbildungsträger sowie weiteren Einrichtungen. Nach zwei Jahren können sie sich entscheiden, ob sie die generalistische Ausbildung im dritten Jahr fortsetzen oder sich spezialisieren und einen gesonderten Berufsabschluss in der Alten- oder Kinderkrankenpflege machen.

Wie wird die Ausbildung finanziert?

Die Ausbildung ist künftig bundesweit kostenfrei. Bislang wird in manchen Bundesländern noch Schulgeld erhoben. Das fällt dann weg, stattdessen gibt es eine „angemessene Ausbildungsvergütung“. Durch das neue Gesetz entstehen dem Bund zufolge Mehrkosten bei der Ausbildung von jährlich rund 322 Millionen Euro. Die Finanzierung erfolgt über Ausbildungsfonds auf Länderebene, an denen sich alle Akteure über ein bundesweites Umlageverfahren beteiligen.

Was sieht das neue Pflegestudium vor?

Erstmals wird es ergänzend zur beruflichen Ausbildung ein Pflegestudium geben. Entsprechende Modellprojekte laufen schon seit Jahren. Das Pflegestudium umfasst die Inhalte der beruflichen Pflegeausbildung, soll aber darüber hinaus dem immer komplexeren Pflegebedarf Rechnung tragen. Das Studium, das mindestens drei Jahre dauert, soll zugleich neue Zielgruppen ansprechen und neue Karrieremöglichkeiten eröffnen.

An welchen Details hakte es zuletzt noch?

Vor allem Pflege-Arbeitgeber kritisierten die geplante generalistische Altenpflegeausbildung in ihren theoretischen Teilen als „völlig überzogen“. Sie befürchteten, dass dies auf Hauptschüler abschreckend wirken könnte und deren Einstieg in eine Altenpflegeausbildung massiv erschwert würde. Sie könnten dann womöglich nur als Hilfskräfte arbeiten, so die Warnungen. Auch Unionspolitiker verwahrten sich gegen eine „Verwissenschaftlichung“ der Pflegeberufe. Fachpolitiker der Koalition verständigten sich nun darauf, dass die theoretischen Anforderungen nicht so stark angehoben werden wie ursprünglich geplant.

Wie sieht der Zeitplan aus?

Nach dem Kabinett muss der Bundestag der Verordnung zustimmen. Ursprünglich sollte der erste reformierte Ausbildungsgang schon 2018 starten. Wegen der langen Debatte um die Reform verzögerte sich der Start aber - es soll nun Anfang 2020 losgehen. Bis dahin muss unter anderem die Finanzierung neu aufgestellt werden. Sechs Jahre nach Beginn der neuen Ausbildung soll überprüft werden, ob für die gesonderten Abschlüsse Bedarf besteht. 

Die Ausbildung von Pflegefachkräften soll modernisiert und vereinheitlicht werden. Die Verordnung zur Reform der Pflegeausbildung, die das Kabinett am Mittwoch beschloss, sieht eine Zusammenführung der bislang getrennten Ausbildungsgänge für Kranken- und Altenpflege ab 2020 vor. Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sprach von einem „wichtigen Schritt“, um den Pflegeberuf „moderner und attraktiver“ zu machen. Dazu gehöre neben einer Ausbildungsvergütung auch die Abschaffung des Schulgeldes.

Die Verordnung wird nun dem Bundestag zugeleitet. Wenn dieser zustimmt, geht sie dann in den Bundesrat. Die Umsetzung des bereits in der vergangenen Legislaturperiode beschlossenen Pflegeberufegesetzes ist ein wichtiger Baustein für die Bemühungen von Spahn, die Pflege in Deutschland zu stärken. Spahn hatte unter anderem die Schaffung von mindestens 13.000 neuen Stellen in der Altenpflege angekündigt.

Familienministerin Franziska Giffey (SPD) hob am Mittwoch hervor, dass neben der Ausbildungsreform auch für bessere Arbeitsbedingungen gesorgt werden solle. Das werde sie gemeinsam mit Spahn und Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) im Rahmen der Konzertierten Aktion Pflege in Angriff nehmen.

Kern des im vergangenen Sommer beschlossenen Pflegeberufegesetzes ist die Zusammenführung der bislang separat geregelten Ausbildungen in der Alten-, Kranken- und Kinderkrankenpflege. Ab 2020 sollen alle Pflege-Azubis die ersten beiden Jahre gemeinsam lernen. Im dritten Ausbildungsjahr ist dann ein generalistischer Abschluss zur Pflegefachfrau beziehungsweise zum Pflegefachmann, aber auch eine Spezialisierung in der Alten- und Kinderkrankenpflege möglich.

 

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