Neuer Hauptdarsteller: Button statt Hamilton

Lesedauer: 6 Min
Deutsche Presse-Agentur

Ein Gipfeltreffen der Hauptdarsteller der Vorsaison hatte die Regie des Automobil-Weltverbandes FIA nicht vorgesehen. Bei der ersten offiziellen Pressekonferenz der Formel-1- Saison saß Vize-Weltmeister Felipe Massa in Melbourne ohne Champion Lewis Hamilton auf der Medien-Bühne.

Ein Bild möglicherweise mit Symbolcharakter: Dem Ferrari-Piloten könnte der silberne Rivale in diesem Jahr auch auf der Rennbahn wegen vorübergehender Schwäche abhandenkommen. Dafür ist ein anderer in die Rolle von Massas Herausforderer geschlüpft, der ihm beim Presse- Schauspiel schon im Nacken saß: Jenson Button.

Der Brite, das ewige Versprechen auf eine goldene Formel-1- Zukunft, ist in seinem neunten Karriere-Jahr dank der Stärke von Brawn GP plötzlich zu einem Titelanwärter aufgestiegen. Vorausgesetzt das Honda-Nachfolger-Team wird nicht wegen des Aerodynamik-Streits um den Diffusor noch durch die Verbandsrichter und die protestierende Konkurrenz ausgebremst. „Das ist nichts, das ich unter Kontrolle habe“, meinte der 29-Jährige zu dem kurz vor Saisonstart entbrannten Konflikt.

Ansonsten genießt er seine ungewohnt komfortable Situation nach den erfolgreichen Testfahrten im März. „Es ist schön, mit einem guten Gefühl in die Saison zu gehen. Wir sind besser als alle erwartet haben“, sagte er. Bei den australischen Buchmachern ist Button bei Siegwetten für den Großen Preis von Australien seinen Konkurrenten davongezogen. „Es ist kein Druck, Favorit zu sein“, meinte Button, der nach dem Honda-Ausstieg lange um die Fortsetzung seiner Formel-1-Laufbahn bangen musste.

Angesichts der unerwarteten Schwäche von McLaren-Mercedes hätte der Brasilianer Massa in diesem Jahr ein Solo im Titelrennen spielen können. Das Drama 2008, als er noch im letzten Moment bei seinem Heimat-Grand-Prix die WM-Krone an Hamilton verlor, hat er nach eigener Aussage nicht mehr im Kopf. „Was letztes Jahr in der WM passiert ist, ist vorbei. Jeder startet jetzt von Null“, meinte er.

Hamilton muss sich wohl zumindest bei der Saison-Premiere des Formel-1-Theaters 2009 mit einer Nebenrolle begnügen. Bei den Wintertests kam sein Bolide nicht in Fahrt. Deshalb herrscht bei den Silbernen das Prinzip Hoffnung. „Wir sind im Moment nicht schnell genug“, sagte der 24 Jahre alte Champion. „Wenn ein Team imstande ist, da raus zu kommen, dann ist das McLaren-Mercedes.“

Das Führungspersonal der Silbernen hatte ähnlich wie Hamilton erstaunlich offen die Probleme in der Darbietung der neuen Wagen zugegeben. „Wir sind zu kurz gesprungen. Wir müssen uns anstrengen. Aber ich habe keinen Zweifel, dass unser System das hinkriegt“, sagte Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug. Ein Grund für den Rückstand ist der 2008 betriebene Aufwand für das bis zur letzten Kurve spannende Titeldrama. Haug hofft, dass die Silberpfeile sich mit Beginn der Rennen in Europa wieder in den Vordergrund spielen.

Mehr als nur Statisten wollen in diesem Jahr die fünf deutschen Fahrer sein, auch wenn Nick Heidfeld die Hauptrolle vorerst vergeben sieht. „Meiner Einschätzung nach liegt Brawn GP klar an der Spitze“, sagte der BMW-Sauber-Pilot. Nico Rosberg rechnet sein Team derzeit zum Durchschnitt: „Es kann aber auch in die andere Richtung gehen. Auf jeden Fall sind wir irgendwo im Mittelfeld.“ Der 23-Jährige setzt darauf, dass die Regeländerungen noch viel Entwicklungspotenzial gewähren: „Es gibt genug Möglichkeiten, noch aufzuholen, um dorthin zu kommen, wo wir hinwollen.“ Ziel sind die Punktplätze.

Bei Sebastian Vettel darf es bei Red Bull ein bisschen mehr sein als nur Punkte. Im Visier ist das Podium. Ähnliches hat Timo Glock vor, auch wenn Toyota ebenso wie Brawn GP und Williams zu den Beklagten im Diffusor-Streit zählt. „Die Diskussionen interessieren mich wenig. Ich bin zum Fahren hier. Alles andere kann ich nicht beeinflussen“, meinte der 26-Jährige. Ganz bescheiden gibt sich Adrian Sutil. Der Force-India-Pilot will den ersten Akt bis zum Ende überstehen und durchkommen.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen