Neue Mietwohnungen bringen zu wenig

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 Geschäftsführer Michael Dobe erteilt dem Wunsch nach neuen Wohnungen ein Absage.
Geschäftsführer Michael Dobe erteilt dem Wunsch nach neuen Wohnungen ein Absage. (Foto: ck)
Christoph Klawitter

Bad Saulgau – Die Baugenossenschaft Bad Saulgau wird auch weiterhin keine neuen Wohnungen bauen. Das hat Michael Dobe, Vorstandsmitglied der Genossenschaft, in der Mitgliederversammlung am Montagabend bekannt gegeben und auch begründet: Der erzielbare Mietpreis beim Bau von kostengünstigen, öffentlich geförderten Wohnungen sei im Landkreis Sigmaringen nicht kostendeckend.

Bevor Michael Dobe den Blick nach Bad Saulgau richtete, sprach er zunächst übergreifend über die derzeitige Wohnungsbaulage. „Die Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank ist ursächlich, dass immer mehr Kapital in den Immobilienmarkt fließt“, stellte er fest. Die sinkenden Zinskosten seien zwar auf den ersten Blick positiv, würden mittlerweile jedoch durch stärker gestiegene Grundstücks- und Baukosten „überkompensiert“. Ein Übriges erledigten stetig verschärfte Bauvorschriften. „Enden wird diese Spirale erst, wenn die Mieter die steigenden Preise nicht mehr bezahlen können. Dann wird auch der Neubau zum Erliegen kommen, da die Nachfrage der Kapitalanleger, die keine Mieter zu rentablen Konditionen mehr finden, einbrechen wird.“

Die gängige Wohnungsbauförderung hält Michael Dobe für ineffizient: Sie fördere die Herstellung des Wohnraums, aber nicht dessen Nutzung. Wenn Mieter nämlich zum Zeitpunkt des Einzugs die Einkommensvoraussetzungen des Gesetzes erfüllten, so könnten sie die Wohnung zeitlich fortan unbegrenzt nutzen, erläuterte Dobe. Er erklärte dann die Gründe, warum die Baugenossenschaft auch weiterhin keine neuen Wohnungen baut. „Der erzielbare Mietpreis im Landkreis Sigmaringen für geförderten Wohnungsbau ist schlicht nicht kostendeckend“, so Dobe. Bei Baupreisen um 2800 Euro pro Quadratmeter sei je nach Ertragserwartung eine Kaltmiete zwischen sieben Euro bis 10,50 Euro pro Quadratmeter erforderlich für neu gebaute Wohnungen. „Wir gehen von einer erforderlichen Miete um die zehn Euro pro Quadratmeter aus und befinden uns damit eindeutig nicht mehr im Bereich des preiswerten Wohnraums“, resümierte er mit Blick auf die Baugenossenschaft Bad Saulgau. Innerhalb der Genossenschaft beträgt die durchschnittliche Kaltmiete pro Quadratmeter und Monat derzeit laut Dobe 5,04 Euro. Die Baugenossenschaft hat einen Eigenbestand an 449 Mietwohnungen, vier gewerbliche Einheiten und 14 Pachtwohnungen. Die Objekte befinden sich hauptsächlich in Bad Saulgau.

Kritisch sieht Dobe gesetzliche Verschärfungen der sogenannten Mietpreisbremse. Er verwies auf den Entwurf eines neuen Gesetzes, das regele, dass künftig die Miete von neu gebauten Wohnungen nur noch für einen Zeitraum von fünf Jahren verhandelbar sein soll. „Im Klartext: Die Mietpreisbremse soll mit dem Strafrecht nochmals erheblich verschärft und auf den gesamten Wohnungsbaubestand ausgeweitet werden“, warnte Dobe. Die Wiedervermietbarkeit zum Neupreis nach fünf Jahren sei mehr als gefährdet, „und damit die Kalkulationsgrundlage für Investoren zerstört“. Von einem pauschalen „Mietendeckel“ wie in Berlin geplant und auch von baden-württembergischen Jusos – die Jugendorganisation der SPD – gefordert, hält Dobe nichts. Wohin das führe, sehe man am Beispiel DDR, meinte er.

Zwei Prozent Dividende

Michael Dobe stellte die wichtigsten Zahlen vor. Die Bilanzsumme der Baugenossenschaft betrug demnach zu Ende vergangenen Jahres rund 16,4 Millionen Euro und ist damit um 750 000 Euro zurückgegangen. Für 2018 gibt es einen Jahresüberschuss von 330 000 Euro zu verbuchen. Der Bilanzgewinn beläuft sich auf rund 248 700 Euro. Die anwesenden Mitglieder beschlossen einstimmig, wie im Vorjahr eine Dividende von zwei Prozent auszuschütten, insgesamt rund 12 400 Euro. Die restlichen rund 236 300 Euro des Gewinns werden auf neue Rechnung vorgetragen.

Die stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende Rimma Appelhans leitete für den Aufsichtsratsvorsitzenden Helmut Kabus die Mitgliederversammlung, er konnte aus gesundheitlichen Gründen diese nicht leiten. „Wir können wieder von einer recht guten Weiterentwicklung berichten“, bewertete Rimma Appelhans die vorgestellten Zahlen positiv. Sie selbst stand zur Wiederwahl als Aufsichtsrätin an, sie wurde einstimmig bestätigt.

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