Neue Dämmstoffe machen sich schlank

Lesedauer: 6 Min
Deutsche Presse-Agentur

Der Heizwärmebedarf von Neubauten ist in den vergangenen Jahren deutlich reduziert worden. Nun soll er durch die verschärften Energieeinsparverordnungen EnEV 2009 und 2012 noch einmal um jeweils 30 Prozent gesenkt werden.

Die Folge: Moderne Energiesparhäuser haben als Wärmeschutz extrem dicke Außenmauern - was unter optischen Gesichtspunkten oft ungünstig wirkt. „In Skandinavien wird bereits über Dämmschichten an Außenwänden von mehr als 50 Zentimetern nachgedacht“, sagt Ulrich Heinemann vom Bayerischen Zentrum für Angewandte Energieforschung (ZAE) in Würzburg. Solche Außenmauern - dick wie bei einer Burg - brauchen viel Platz und stören den architektonischen Eindruck etwa durch Fenster, die durch die enorme Wandstärke „Schießscharten“-Wirkung hätten.

Um besser bauen zu können, arbeiten Hersteller und Wissenschaftler an einer Verbesserung der Dämmeigenschaften konventioneller Dämmstoffe und an innovativen Systemen: Als Fortentwicklung des Styropors wurde zum Beispiel bei der BASF in Ludwigshafen Neopor entwickelt. Das schwarze Kunststoffgranulat auf Basis von Polystyrol werde zu silbergrauen Dämmplatten aufgeschäumt, heißt es bei BASF. Platten aus dem neuen Material könnten bis zu 20 Prozent dünner sein und dämmten trotzdem genauso gut wie bisher verwendete Platten. Denn das weiterentwickelte Granulat enthält spezielle Graphit-Teilchen: Diese reflektieren wie ein Spiegel die Wärmestrahlung und verringern so den Wärmeverlust im Haus.

Besonders in Norddeutschland ist zweischaliges Mauerwerk weit verbreitet. „Speziell für diese Art der Dämmung ist die neue Dämmplatte 'Kernrock' entwickelt worden“, sagt Wolfgang Schreiber vom Unternehmen Rockwool in Gladbeck. Die Kerndämmplatten seien durch ein neues Verfahren auch unkaschiert wasserabweisend. Weder Regenwasser noch Nebelnässe könnten in den Dämmstoffquerschnitt eintreten.

Um Energie einzusparen, braucht ein gut isoliertes Haus künftig auch nicht mehr kompliziert aufgebaute Wandsysteme. Denn einige Ziegelhersteller bieten mit Dämmstoffen gefüllte Bausteine an. Mit ihnen können hochgedämmte Außenwände einschalig - im Fachbegriff monolithisch genannt - hergestellt werden.

Als Weiterentwicklung hat etwa der Ziegelhersteller Schlagmann Poroton aus Berlin den - nach eigenen Angaben - „wärmedämmendsten Ziegel der Welt“ auf den Markt gebracht. Mit dem weiterentwickelten Ziegel können Außenwände erstellt werden, die sogar monolithisch gebaute Passivhäuser problemlos ermöglichen.

In zweijähriger Forschung habe man zusammen mit renommierten Hochschulen die Naturprodukte Ton und Vulkangestein (Perlit) so optimiert, dass ein rein mineralischer Baustoff entstanden ist, so Manfred Bauer, Laborleiter bei Schlagmann. Aufgrund seiner Kombination biete der Stein nicht nur verbesserten Wärmeschutz, sondern decke auch alle anderen bauphysikalischen Aspekte ab.

„Schlanke Mauern lassen sich auch mit Vakuum-Isolations-Paneelen (VIP) bauen, die mittlerweile von vier Herstellern angeboten werden und auch eine bauliche Zulassung haben“, erläutert Ulrich Heinemann. „VIPs bestehen aus einem mikroporösen Kernmaterial, das in eine gasdichte Hülle - vergleichbar mit einem Kaffeepaket - eingeschweißt ist“, erklärt der Experte.

Der Luftdruck im Paneel sei so tief, dass keinerlei Kälte- oder Wärme-Leitung über die Luft mehr gegeben sei. Aus diesem Grund sei die Dämmleistung von VIPs fünf bis zehn Mal besser als bei herkömmlichen Dämmmaterialien wie etwa Polystyrol, Polyurethan, Glas- oder Mineralwolle. Bei gleicher Dämmwirkung könne die Dämmschicht mit VIPs daher besonders dünn ausgeführt werden.

„Im Vergleich zu einer konventionellen Wärmedämmung ist die Vakuumdämmung deutlich teurer“, sagt Ulrich Heinemann vom Bayerischen Zentrum für Angewandte Energieforschung (ZAE) in Würzburg. Die VIP genannten Vakuumdämmsysteme werden daher insbesondere dort eingesetzt, wo ihre spezifischen Vorteile zum Einsatz kommen. VIPs lohnen sich etwa bei Fassaden, die mit konventioneller Dämmung zu weit auf den Bürgersteig herausragen würden. Der Einsatz rechne sich auch, wenn konventionelle, dicke Dämmungen hohe Kosten etwa durch Veränderungen des Dachüberstandes mit sich brächten. Auch in Ballungsgebieten, in denen Grundstücke und Wohnraum knapp und teuer sind, seien VIPs sinnvoll.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen