Neue Arbeitsplätze für Zuhause

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Deutsche Presse-Agentur

Schreibtischarbeit lässt sich selbst aus dem Zuhause heute nicht ganz heraushalten: Am Sonntagnachmittag muss die Präsentation für die kommende Woche fertiggestellt werden, und die Steuererklärung oder der Briefverkehr versalzen manche Abendstunde.

Gerade in der Mietwohnung ist häufig kaum Platz für ein eigenes Büro. Immer mehr Hersteller haben deshalb jetzt moderne Klapplösungen im Programm, mit denen die Arbeitswelt sich dezent verstecken lässt.

Oft gelingt das durch das Hochklappen der Arbeitsfläche und das Verdecken des Innenlebens. Mancher Sekretär tarnt sich da als Wohnmöbel hinter einer Blende aus Holz oder Hochglanz. „Die Wohnräume wachsen zusammen: Bad und Schlafzimmer, die Küche mit dem Wohn- und Essbereich - und der Freizeitbereich eben auch mit dem Arbeitszimmer“, erläutert Elmar Duffner, Präsident des Verbands der deutschen Möbelindustrie (VDM) in Bad Honnef. Wer die Trennung also nicht ganz vollziehen kann oder will -, oder eben keinen Platz für sie hat - verbindet Freizeit und Arbeit.

Die gute Stube werde einerseits zum Salon und Schauplatz geselliger Abende und Koch-Events - aber auch zur Zeugin der im Home Office abgeleisteten Überstunden, so formulierten die Veranstalter der internationalen Möbelmesse „imm cologne“ Ende Januar den Trend. Daher gebe es einen wachsenden Bedarf für moderne Sekretäre und dafür, sich beim Arbeitsplatz mit einer Ecke im Schlafzimmer zu behelfen.

Ein Angebot für solche Bedürfnisse zeigt zum Beispiel das Unternehmen Voglauer aus Abtenau in Österreich in seiner neuen Kollektion. Beim „i-panel“ verschwindet die Arbeitsfläche auf Wunsch hinter einer vertikal verschiebbaren Naturholzplatte - sie lässt sich auf einer Führungsschiene nach oben und unten bewegen. Tastatur- oder Schreibunterlage lassen sich horizontal ein- und ausfahren, Drucker und Papier haben im Hohlraum des Hockers unter der Sitzfläche Platz.

Stauraum bieten Fächer an der rechten Seite. Die Breite eines Computerturms - rund 50 Zentimeter - gibt die Tiefe des Korpus vor. Der Rechner lässt sich seitlich einschieben. Ein Laptop fände leicht im Inneren auf der Arbeitsplatte Platz. „All das ist auch ein gewisser Schutz vor tobenden Kindern - oder wenn in der Wohnung ein Fest gefeiert wird“, sagt Geschäftsführer Peter Grünwald. Kabel lassen sich unsichtbar durch Führungskanäle verlegen.

„Jeder braucht immer wieder einen Arbeitsplatz in der Wohnung. Aber gerade in der Großstadt ist der Platz begrenzt“ - das sei auch die Idee hinter dem „Magic Cube Work“, sagt André Schelbach vom Hersteller Yomei aus dem nordrhein-westfälischen Detmold. Bei dem würfelartigen Schrank verschwindet die Arbeitsfläche hinter zwei seitlichen Regalen, die nach vorn hin eingeklappt werden können. Werden Schreibunterlage und Stauraum gerade nicht benötigt, ist von außen also nur ein Kasten in Hochglanzoptik zu sehen. Eine magnetische Pinnwand hält Notizen, ein nach vorn ausziehbarer Boden wird zur Arbeitsfläche.

Wie ein moderner Synthesizer sieht dagegen der „Magic Desk“ von Yomei im eingeklappten Zustand aus. Auch bei diesem Modell verbindet ein Kabel, das an einer Stelle das Gestell verlässt, den Tisch mit dem Strom. In einer Lade unter der Arbeitsfläche befindet sich ein Mehrfachstecker. „Und hier kommen auch die Trafos unter, die zum Beispiel beim Laptop dabei sind“, sagt Schelbach. Die Einschubhöhe zwischen Arbeitsfläche und Ablage darüber ist für ein Notebook oder auch einen flachen Notebook-Drucker ausgelegt.

Der Sekretär „Flatmate“ des kleinen Labels Rephorm aus Berlin passt sich dagegen unauffällig der Wand an: Er ist im eingeklappten Zustand nur zwölf Zentimeter tief - also gerade so tief, dass von rechts und links seitlich je ein Aktenordner im Korpus untergebracht werden kann, ebenso CDs oder Unterlagen. Der dünne Arbeitsplatz drückt sich auf diese Weise flach an die Wand, und es bleibt mehr Raum für das Wohnen. Die 45 mal 70 Zentimeter messende Arbeitsplatte ist auf die Größe eines Laptops samt Mousepad ausgelegt und lässt sich hochklappen und einrasten.

„Ich hatte selbst mal eine Altbauwohnung mit langen und schmalen Zimmern - da passte kein richtiger Schreibtisch hinein“, erläutert Designer Michael Hilgers. Eine hinter der Arbeitsplatte versenkte Steckdose liefert den Strom, die Fläche darüber ist durchlöchert. Das ermöglicht es, verschiedene kleine Regalböden nach individuellen Vorlieben per Stecksystem zu platzieren. Studenten mit WG-Zimmer sind allerdings nicht die erste Zielgruppe von Hilgers. Unter ihnen werden sich wohl die wenigsten den „Mitbewohner“ leisten können: Er soll den derzeitigen Planungen nach 1200 Euro kosten.

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