Nazi-Jäger zweifeln Berichte über Heim an

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Deutsche Presse-Agentur

Die angeblichen Beweise für den Tod des meistgesuchten NS-Verbrechers Aribert Heim sind bei Fahndern und Nazi-Jägern auf große Skepsis gestoßen.

Es sei zweifelhaft, ob der als „Dr. Tod“ bekannte Arzt vor mehr als 16 Jahren in Ägypten gestorben sei, sagte der Leiter des Simon-Wiesenthal-Zentrums, Ephraim Zuroff, am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur dpa. „Wir haben kein Grab, wir haben keine Leiche, wir haben keine DNA.“

Dagegen vermutet die zuständige Polizei in Baden-Württemberg, dass Heim seit mehr als 16 Jahren tot ist. Es lägen „ernstzunehmende Informationen“ vor, wonach Heim 1992 in Kairo beerdigt worden sei, sagte ein Sprecher des Landeskriminalamts (LKA) in Stuttgart. Heim habe sich seit 1963 in Ägypten aufgehalten.

Der Nazi-Jäger Zuroff und die weltweit größte Fahndungsstelle für NS-Verbrechen in Ludwigsburg forderten eine detaillierte Untersuchung. Der stellvertretende Leiter der Ludwigsburger Behörde, Joachim Riedel, zeigte sich noch nicht überzeugt vom Wahrheitsgehalt der Berichte von ZDF und „New York Times“, denen zufolge Heim am 10. August 1992 im Alter von 78 Jahren in Kairo an Krebs gestorben ist. „Es kann gut sein, dass da jemand an der Nase herumgeführt werden soll.“ Behörden-Chef Kurt Schrimm hatte den NS-Verbrecher zuletzt lebend in Südamerika oder Spanien vermutet.

Zuroff sagte, es mache „absolut keinen Sinn, was hier gerade passiert“. Er hegt den Verdacht, der in Heims früherem Haus in Baden-Baden lebende Sohn Rüdiger habe die ganze Sache orchestriert und die Informationen an die Medien gegeben. Vor fünf Monaten habe Rüdiger Heim noch gesagt, er habe keinen Kontakt zu seinem Vater gehabt. „Entweder hat er damals gelogen oder er lügt heute“, sagte Zuroff.

Der Vorsitzende Richter des zuständigen Landgerichts Baden-Baden, Hein Heister, sprach zwar von einer „absolut hilfreichen und sorgfältig recherchierten Spur“. Er betonte allerdings auch: „Es gibt unterschiedliche Interessenlagen. Und selbst wenn das genannte Material authentisch ist, wäre es kein ausreichender Beweis für den Tod Heims.“

Das LKA will die neuen Hinweise überprüfen. „Für einen 100-prozentigen Beweis brauchen wir die sterblichen Überreste des Toten“, sagte ein Sprecher. Es seien bereits in den 1960er Jahren Hinweise eingegangen, dass Heim in Ägypten gearbeitet haben soll. „Die Überprüfungen der ägyptischen Behörden konnten dies aber nicht bestätigen.“ Laut ZDF war Heim zu seiner Tarnung Anfang der 80er Jahre zum Islam konvertiert und trug den Namen Tarek Farid Hussein.

Heim wurde 1914 im österreichischen Radkersburg geboren. Wegen seiner extremen Grausamkeit wurde er in Nazi-Konzentrationslagern „Dr. Tod“ genannt. Heim praktizierte nach dem Krieg als Frauenarzt in Bad Nauheim und Baden-Baden. Nach Angaben des Wiesenthal-Zentrums gelang es ihm 1962, nach einem Tipp vor der Festnahme zu fliehen. Er wurde aufgrund eines Haftbefehls des Landgerichts Baden-Baden international gesucht. Mehrere hunderttausend Euro waren als Belohnung für seine Ergreifung ausgesetzt.

Auch das österreichische Justizministerium prüft die Berichte über den Tod des KZ-Arztes. „Wir müssen zunächst einmal die Faktenlage prüfen, bevor wir weitere Entscheidungen treffen“, sagte eine Sprecherin. Bei der Staatsanwaltschaft in Wien laufe noch ein Strafverfahren gegen Heim.

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