NATO-Horchposten in Bayern wird Touristenzentrum

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Deutsche Presse-Agentur

Wo einst Soldaten mit Hightech in den Ostblock lauschten, sollen künftig Touristen beim Kaffeetrinken auf die Wipfel des Bayerischen Waldes blicken. Ein Unternehmer will den ehemaligen NATO-Horchposten auf dem Hohen Bogen in ein Erlebniszentrum umbauen.

Der Gastronom Michael Schreiner aus Neukirchen beim Heiligen Blut plant dafür auf der rund 1080 Meter hohen Bergkette eine Jugendherberge, ein Museum und ein Panoramacafé, bereits 2010 werden die ersten Gäste erwartet. „Wir wollten ein Konzept, das eine Gesamtnutzung der Anlage ermöglicht“, erklärt Schreiner die Idee.

Bis zum Fall des Eisernen Vorhangs saßen Soldaten aus Frankreich, den USA und Deutschland in den beiden Türmen des „Fernmeldesektors F“. Sie belauschten von der Oberpfalz aus die Funksprüche des „Klassenfeindes“ im Osten. So versuchte die NATO beispielsweise bei der Niederschlagung des Prager Frühlings 1968 Informationen aus erster Hand zu erhalten. Vor fünf Jahren zog die Bundeswehr endgültig von dem Gelände ab, anschließend kaufte Schreiner die ehemalige Militäranlage. Wieviel er dafür investiert hat, will der neue Besitzer allerdings nicht sagen. Auch über die weiteren Kosten für den geplanten Umbau äußert er sich nicht.

In einem ersten Schritt hat Schreiner mit dem Umbau des künftigen Museums mit dem Café begonnen, danach soll die Jugendherberge folgen. „Auf dem französischen Areal soll eine moderne Unterbringung mit rund 80 Betten entstehen“, sagt Schreiner. In dem Museum soll es um die wechselhafte Geschichte der Region in unmittelbarer Grenznähe zur ehemaligen Tschechoslowakei gehen. „Das Konzept soll die Geschichte respektieren, aber auch den europäischen Gedanken wiedergeben“, betont der Bauherr. „An dem Ort, der den zurückliegenden Konflikt repräsentiert, soll nun ein Symbol gegen die Teilung entstehen.“

Die Ausstellungsstücke werden zum Teil vom „Traditionsverein Hohenbogen-Kaserne“ kommen, einem Verein, der an die Geschichte der ehemaligen Lauschstation erinnern will. So soll im Museum Empfangs- und Aufzeichnungstechnik zu sehen sein, insgesamt mehrere hundert Geräte. „Die Exponate stammen vor allem aus der Auflösung des Turms, aber auch aus vielen anderen Sammlungen“, erklärt der Vereinsvorsitzende Franz Treml. Vor allem für Technikfreunde werde die Ausstellung interessant, verspricht Treml.

Zudem wird ein Teil des Museums auch der Kunst gewidmet. „Im amerikanischen Bereich soll der vollzogene Wandel dargestellt werden. Dort sollen Künstler der ehemaligen Konfliktparteien gemeinsam ihre Werke ausstellen“, sagt Schreiner. Nach dem Museumsbesuch wird dann künftig das Panoramacafé im 83 Meter hohen Hauptturm locken. Im benachbarten Rimbach sehen die Politiker schon einen neuen Publikumsmagneten: „Wir hoffen, dass das einmalige Projekt sich auf die gesamte Region auswirkt und noch mehr Touristen in unsere Gemeinde lockt“, sagt Bürgermeister Theo Amberger (CSU).

Angelockt werden sollen neben Tagesbesuchern vor allem Schulklassen. „Es gibt kaum Museen, die sich mit dieser Thematik beschäftigen, da die meisten anderen Anlagen bereits demontiert sind“, betont Schreiner. Bis die Bauarbeiten abgeschlossen sind, bietet der Unternehmer den Interessierten schon einmal Führungen durch die Militäranlage inklusive „Besteigung des Hauptturms“ an. Für 50 Euro können Gruppen dabei für eineinhalb Stunden noch einmal den Hauch des Kalten Krieges spüren.

Informationen zum Vorhaben: http://panorama-resort.org

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