Nasse Füße? Schuhe im Winter richtig pflegen

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Deutsche Presse-Agentur

Vor allem im Herbst und Winter brauchen Schuhe regelmäßig eine Generalüberholung. Dazu bietet es sich an, zum Beispiel Stiefel gegen Regen, Schnee und Matsch wasserdicht zu pflegen.

Auftakt einer guten Schuhpflege ist ein kleiner Wissenstest: Aus welchem Material bestehen die Schuhe überhaupt? Einige in der Industrie gebräuchliche Symbole helfen weiter: So steht ein stilisiertes Tierfell für echtes Leder, eine Raute im Fell für beschichtetes Leder. Ein Webmuster deutet auf Textilmaterial hin. „Und eine einzelne Raute steht für sonstige Materialien, unter die auch sogenannte Hightech-Materialien fallen“, zählt Claudia Schulz vom Schuhinstitut in Offenbach auf.

Der zweite Schritt ist die Auswahl des richtigen Pflegemittels. Benjamin Klemann, der in Hamburg in einer eigenen Manufaktur hochwertige Lederschuhe fertigt, hat eine grobe Faustregel: „Für feinere Leder nimmt man am besten ein wachshaltiges Produkt, für gröbere Leder reicht eine Fettcreme.“ Ob ein gefärbtes Pflegemittel verwendet wird oder nicht, hänge vom persönlichen Gusto ab. „Manche Leder verlieren ihre Farbe und werden grau, dann empfiehlt sich ein Mittel mit Farbpigmenten“, rät Klemann.

Ob ölbasiert oder wasserhaltig: Große Qualitätsunterschiede gebe es bei den im Fachhandel erhältlichen Markenprodukten im Allgemeinen nicht, erläutert Bernd Glassl vom Industrieverband Körperpflege und Waschmittel (IKW) in Frankfurt/Main. Bevor aber überhaupt das erste Mal nach dem Kauf ein Pflegemittel angewendet wird, sollten Schuhe gründlich imprägniert und damit wasserabstoßend gemacht werden. „Bei nassem Wetter muss die Imprägnierung dann regelmäßig wiederholt werden, empfiehlt Schulz.

Schuh ist aber nicht gleich Schuh - und so liest sich das ABC der perfekten Pflege für jedes Material ein bisschen anders. Glattleder beispielsweise wird am besten zunächst mit einer weichen Bürste vom Schmutz befreit und danach mit einem - bei Bedarf auch farbigen - Pflegemittel eingerieben. Zu dick sollen die Schichten aber nicht sein, sonst kommt der umgekehrte Effekt zustande: „Es kommt zwar kein Wasser mehr rein, aber auch keine Luft mehr raus. Der Fuß fängt also an zu schwitzen“, erläutert Glassl.

Rauleder wie Velours oder Nubuk wiederum sind „durchgefärbt“ und brauchen damit nicht unbedingt neue Farbschichten. „Andererseits sind sie sehr feuchtigkeitsanfällig“, sagt Schulz. Daher sollte zunächst mit einer Bürste der Schmutz abgerieben und danach unbedingt imprägniert werden. Anschließend kann die Oberfläche mit einer speziellen Drahtbürste wieder aufgeraut werden.

Zum Reinigen von Lackleder reicht meist ein feuchtes Tuch oder ein Schwamm. Damit er wieder schön glänzt, kann der Schuh auch ab und zu mit Lackleder-Öl eingefettet werden. Werden die Schuhe doch einmal nass und es bilden sich danach weiße Ränder, gibt es ein paar einfache Tricks: „Die Schuhe komplett anfeuchten und die Stellen vorsichtig mit etwas Essigessenz einreiben“, empfiehlt Schulz. „Danach gut mit Zeitung ausstopfen.“

Weil die Füße täglich etwa ein Schnaps-Gläschen voll Schweiß absondern, sollten Schuhe nicht nur gepflegt werden. Sie müssen auch regelmäßig gewechselt werden. „Es gibt eine Jahrhunderte alte Hygieneregel. Und die lautet: einen Tag tragen, zwei Tage stehenlassen“, sagt der Schuhmacher Benjamin Klemann aus Hamburg. So trocknen Bakterien und Sporen wieder aus, die sich in den Schuhen abgelagert haben.

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