Narren aufgepasst: „Wildpinkeln“ kann teuer werden

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Deutsche Presse-Agentur

Unanständig und unangenehm: Wenn tausende Narren feiernd durch die Gassen ziehen, glaubt leider mancher, sich mal schnell in einer Ecke erleichtern zu können. Doch aufgepasst: „Wildpinkeln“ kann etwa so teuer werden wie zehn Glas Bier.

Im Schnitt verlangen die Kommunen für das Urinieren in der Öffentlichkeit eine Buße von 35 Euro, wie eine Umfrage in größeren Städten und Narrenhochburgen ergab. Doch die Kommunen verteilen großzügig Streicheleinheiten an die Narren im Südwesten. Denn fast überall heißt es wie in Mannheim: „Für die Fastnachtszeit sind keine erhöhten Fallzahlen festzustellen“, wie Klaus Eberle vom Kommunalen Ordnungsdienst weiß. In der Fasnachtshochburg Rottenburg lobt das Ordnungsamt: „Wir hatten noch nie Probleme mit Wildpinklern.“ Es gibt beim Umzug Toilettenwagen, außerdem könnten die Narren die Toiletten aller Gaststätten benutzen. „Das hat sich über Jahrzehnte so eingespielt“, sagt Ordnungsamtschef Eduard Bomm. In Freiburg sagen die Behörden, bei einem Heimspiel des Zweitligisten SC ist die Pinkel-Problematik viel schlimmer als in der Fastnacht.

Deshalb gibt es nirgendwo eine spezielle „Pinkel-Polizei“ während der Fastnacht. Denn „Verstöße gibt es das ganze Jahr“, wie Stadtsprecherin Heike Dießelberg in Heidelberg sagt. In Konstanz, wo es in den Altstadtgassen besonders am „Schmotzigen Dunschtig“ hoch hergeht, wird es aber gemeinsame Zivilstreifen von Polizei und städtischem Ordnungsdienst geben. Das „Wildpinkeln“ spielt dabei aber nicht die Hauptrolle - „das hat sich in Grenzen gehalten“, sagt Erich Böhler vom Bürgeramt. Vielmehr machen die zerdepperten Flaschen und die Scherben den Konstanzern Kummer. Die Narren sind gespannt, ob die Zivilstreifen auch kostümiert sein werden.

Genaue Zahlen über die Bußen für das Urinieren in der Öffentlichkeit gibt es nur wenige; in Mannheim etwa wurden 2007 insgesamt 63 Fälle angezeigt, im Vorjahr waren es 60. Seit Dezember 2008 ist dort das Bußgeld von zehn auf 35 Euro angehoben worden. Zwischen 30 und 35 Euro lautet der Tarif auch in Karlsruhe, Konstanz, Villingen-Schwenningen oder Heidelberg; dort gab es übrigens voriges Jahr 121 Anzeigen oder Verwarnungen.

In Furtwangen (Schwarzwald-Baar-Kreis) sind nicht nur die Winter besonders streng. Hier sollte sich jeder gut überlegen, ob er mal eben um die Ecke huschen will. Hauptamtsleiterin Angela Klein listet nämlich eine imposante Rechnung auf: Zur Geldbuße von 50 Euro kommen noch 20 Euro Gebühren und 3,50 Euro Verwaltungskosten - macht zusammen 73,50 Euro für ein durchaus vermeidbares Geschäft.

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