Nachsorgeklinik rechnet mit hohem Verlust

Lesedauer: 5 Min
Die Nachsorgeklinik am Rande von Tannheim hat wieder geöffnet.
Die Nachsorgeklinik am Rande von Tannheim hat wieder geöffnet. (Foto: sbo)
sbo und Simone Neß

Nach dem heftigen Schlag im März, bei dem der Vater eines Kindes über seinen Besuch in einem Risikogebiet die Nachsorgeklinik Tannheim angelogen hatte, hatte die Klinik bis auf Weiteres geschlossen. Die Wiedereröffnung Anfang Mai trifft nun auf große Erleichterung. Allerdings machen die Finanzen Probleme.

„Am 2. Mai haben wir mit der Mai-Reha begonnen, um unserem Versorgungsauftrag gerecht zu werden“, berichten die beiden Geschäftsführer Thomas Müller und Roland Wehrle im Gespräch mit unsrer Zeitung. Dabei sei die Klinik auch vonseiten der Träger enorm gestärkt worden.

Sofort zur Normalität zurückzukehren ist allerdings nicht möglich. Im Zuge der Corona-Pandemie hat sich die Klinik umstrukturieren müssen und Alternativen einfallen lassen. Anstelle von eigentlich rund 170 Patienten werden derzeit nur knapp 100 Patienten in Tannheim betreut.

Auch die Abstandsregelung wird – so gut es geht – eingehalten. Kinder ab sechs Jahren müssen einen Mundschutz tragen. Die Angebote, die normalerweise sehr gruppenorientiert sind, wurden umgestaltet. Die Klinik setzt vorerst auf kleinere und Familiengruppen. Auch im Speisesaal gibt es neue Regeln. Die Familien müssen jeweils an einem eigenen Tisch sitzen, ein Salatbuffet gibt es vorerst nicht.

„Am Anreisetag wurde von jedem Patient ein Abstrich genommen“, berichtet Müller von den neuen Gegebenheiten. Er sei dafür persönlich nach Ravensburg zu einem Labor gefahren, um die Proben abzugeben. Das Ergebnis seit gut ausgefallen: alle negativ. Zur Sicherheit wurde am 11. Mai ein weiterer Abstrich gemacht, da stehe das Ergebnis noch aus. Das Personal messe außerdem zur Sicherheit jeden Morgen an sich selbst und den Patienten Fieber, erklärt Müller.

Insgesamt habe die Klinik einen enormen Aufwand betrieben, um die Gesundheit der Patienten nicht zu gefährden. Auch wenn das Tragen des Mundschutzes teilweise belastend sei, werden die neuen Regelungen von den Patienten gut angenommen.

Die Tatsache, dass die Klinik wieder offen ist, stößt von allen Seiten auf „hohe Zufriedenheit“, erklären die Geschäftsführer. Denn die Reha-Termine stünden schon von langer Hand fest, die Reservierungen reichen bis zu einem Jahr zurück. Die Patienten die eigentlich im März und April zur Reha gekommen wären, versucht die Klinik jetzt in den kommenden Monaten unterzubringen, sofern andere Patienten kurzfristig abspringen sollten.

Ein großes Kompliment macht Wehrle den Kostenträgern. Deren Handeln sei schnell und unkompliziert erfolgt. „Die Unterstützung seitens der Rentenversicherung und der Krankenkassen ist toll und schnell gewesen“, freut sich Wehrle. Dennoch decke diese Unterstützung nur einen Teil der Kosten.

Bis Juni erwartet die Klinik, einen Verlust von 700 000 Euro bis zu einer Million Euro verzeichnen zu müssen. „Es wird dieses Jahr ein schwieriges Jahr“, gibt Müller zu. „Wir hoffen, dass wir mit einem blauen Auge davonkommen.“

Gerade deshalb seien Spenden momentan wichtiger denn je. Durch den allgemeinen Aufruf und den Schlag im März habe die Klinik allerdings inzwischen viel Unterstützung erreicht. Auch der prominente Schlagersänger Matthias Reim hat ein Projekt zur Unterstützung der Klinik gestartet.

Mit einem neuen Song will der Künstler eine Summe im Wert einer goldenen Schallplatte erreichen, die dann der Nachsorgeklinik zugute kommen soll.

Die Geschäftsführer der Klinik hoffen, dass das Lied im November beim Fest zum 30-jährigen Bestehen der Stiftung in Stuttgart gespielt werden kann.

Die Kommentarfunktion ist für Sie aktuell gesperrt. Bitte wenden Sie sich an unseren Kundenservice für weitere Infos.
Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen