Nach Debakel ist Aufstieg der Razorbacks in weite Ferne gerückt

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 Stuttgarts Tightend Jakob Johnson (links) war einer der Scorpions-Spieler, mit denen die Ravensburg Razorbacks (Sascha Brändle
Stuttgarts Tightend Jakob Johnson (links) war einer der Scorpions-Spieler, mit denen die Ravensburg Razorbacks (Sascha Brändle) größte Probleme hatten. (Foto: Florian Wolf)
Sportredakteur

Die Ravensburg Razorbacks müssen sich auf eine weitere Saison in der German Football League 2 Süd einstellen. So viel steht schon nach dem Relegationshinspiel fest. Beim Tabellenletzten der GFL Süd, den Stuttgart Scorpions, sah es in der ersten Halbzeit ganz schlecht aus. Nach der Pause betrieben die Razorbacks immerhin noch etwas Schadensbegrenzung. Doch die Ausgangsposition nach der 34:72-Niederlage ist fürs Rückspiel dürftig. Und auch personell gab es Nackenschläge.

Razorbacks werden vorgeführt

Ravensburg war im Gazi-Stadion am Stuttgarter Fernsehturm in der ersten Halbzeit absolut chancenlos. Teilweise hatten die Razorbacks den Scorpions vor knapp 2000 Zuschauern so gut wie nichts entgegenzusetzen. Das hatte mehrere Gründe. Zum einen fehlte den American Footballern des TSB Ravensburg in Malik Norman der beste Offensivspieler. Der US-amerikanische Running Back ist wegen einer Knieverletzung in die Heimat zurückgeflogen. Dazu verletzten sich im Verlaufe der ersten Halbzeit auch noch Jevonte Alexander, Topverteidiger und ebenfalls starker Running Back, sowie Quarterback Garrett Dellechiaie. Das konnte Ravensburg nicht kompensieren.

Zum anderen zeigten die Stuttgarter im „wichtigsten Spiel für uns seit 20 Jahren“, wie es der Stadionsprecher nannte, die wohl beste Saisonleistung. Quarterback Michael Eubank fand quasi in jedem Angriff seine Receiver – teils auch in höchster Bedrängnis. Ravensburgs Verteidiger David Martin und Christian Steffani sahen im ersten Viertel kein Land gegen Fabian Weigel und Richard Samuel. Schon nach den ersten zwölf Minuten stand es 0:21. Im zweiten Viertel wurde es nicht besser. Ravensburg kam kaum einmal in drei Versuchen zehn Yards weit und musste den Ball immer wieder ganz schnell abgeben. „Offensiv und defensiv haben wir nicht ins Spiel gefunden“, haderte Cheftrainer John Gilligan.

Interception von Hans Stecher

Eubank, 2,07 Meter groß und 130 Kilogramm schwer, führte seine Offensive dagegen in schöner Regelmäßigkeit in die Endzone. Dazu leistete sich Dellechiaie gegen Hans Stecher auch noch eine Interception, die ebenfalls mit einem Touchdown bestraft wurde. Giacomo de Pauli erhöhte auf 34:0, ehe sogar ein Onside-Kick, also ein kurz ausgeführter Kick der Stuttgarter, erfolgreich war. „Stuttgart war bereit, wir nicht“, musste Gilligan anerkennen.

Die Scorpions führten die Razorbacks teilweise fast vor. So eine Dominanz des Gegners haben die Footballer des TSB und deren Fans lange nicht mehr erlebt. Vor zwei Jahren gingen die Razorbacks gegen Ingolstadt und Kirchdorf ähnlich hoch unter. Das 47:0 zur Halbzeit war absolut verdient für die Scorpions. Es war ein Debakel für Ravensburg. Die Razorbacks mussten und wollten jetzt versuchen, es zumindest einigermaßen im Rahmen zu halten. Der Start war ein kleiner Hoffnungsschimmer. Stuttgart war noch nicht richtig auf dem Feld, da fand Dellechiaie mit einem Pass Michael Mayer, der über 30 Yards in die Endzone lief. Sascha Brändle traf den Extrakick zum 7:47. Diese kleine Nachlässigkeit konnten sich die Scorpions aber locker leisten.

Ravensburg kämpft

Fast schon locker leicht lief Jakob Johnson in die Ravensburger Endzone zum 53:7. Gut 50 Razorbacks-Fans neben der Haupttribüne trommelten und klatschten unbeirrt weiter – sie unterstützten ihre Mannschaft auch in dieser aussichtslosen Situation. Dellechiaie konnte zwar kaum noch laufen, aufgeben kam aber nicht infrage. Und Mayer fand er auch so zum zweiten Touchdown und zum 14:53. Eubank verlor im folgenden Angriff den Ball, Tyler Clifton sicherte ihn sich für die Razorbacks. Stuttgart spielte unkonzentriert, hatte im Vergleich zur ersten Halbzeit jetzt total nachgelassen. Das nutzte Ravensburg – Alexander und Brändle verkürzten auf 21:53.

Ging da noch was? Nein, denn Samuel lief kurz vor Ende des dritten Viertels noch übers halbe Feld in die Endzone. Beim Stand von 60:21 vor dem letzten Viertel war die Entscheidung damit natürlich gefallen. Steffani und Andreas Lo Meo-Englbrecht auf der einen und de Pauli sowie Johnson auf der anderen erzielten noch weitere Touchdowns. Viel bitterer für die Razorbacks als die 34:72-Niederlage war aber, dass sich auch noch Alexander am rechten Bein verletzte und nicht mehr weiterspielen konnte. Alles in allem keine guten Voraussetzungen für das Rückspiel in Weingarten am 7. Oktober. „Wir werden kämpfen“, versprach Gilligan. „Noch ist nichts verloren.“

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