Nach Amoklauf: Eltern sollten mit ihren Kindern reden

Lesedauer: 4 Min
Deutsche Presse-Agentur

Eltern sollten mit ihren Kindern offen und ehrlich über Schreckenstaten wie den Amoklauf in Winnenden sprechen. In erster Linie sei es hilfreich, die Betroffenheit über diese Tat mit den Kindern zu teilen.

Das sagte Heinz Thiery von der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung (bke) in Fürth am Donnerstag (12. März). „Eltern können durchaus zugeben, dass sie dafür selbst keine Erklärung haben. Sie sollten auch zum Ausdruck bringen, wie froh sie sind, dass den eigenen Kindern nichts passiert ist.“ Am Mittwoch (11. März) hatte ein 17-Jähriger Amokläufer in Winnenden bei Stuttgart in seiner ehemaligen Schule und auf seiner anschließenden Flucht 15 Menschen und sich selbst erschossen.

Auf gar keinen Fall dürfe eine solche Tat verharmlost dargestellt werden, sagt Thiery. „Zu sagen, das sei alles gar nicht so schlimm, ist falsch. Je ehrlicher, desto besser.“ Eine Altersgrenze für die Thematisierung eines Amoklaufs gebe es nicht. „In dem Moment, wo die Kinder fragen, sollten auch Erklärungen folgen“, so der Pädagoge. Bei Grundschulkindern gehe es aber vor allem um beruhigende Maßnahmen. Ihnen könne man erklären, dass die Fernsehbilder nicht den Alltag abbilden, sondern einen Ausnahmezustand.

Hat das Kind Angst, in die Schule zu gehen, könne es von den Eltern in den ersten Tagen dorthin begleitet werden. „Auch die Lehrer sollten präsenter sein als sonst. Das Kind muss das Gefühl haben, dass der Weg in die Klasse abgesichert ist“, sagt Thiery.

Ab etwa neun Jahren sollten die Gespräche im Elternhaus und in der Schule über die einfache Beruhigung hinaus gehen. Zwar sei es schwer, Erklärungen zu finden. „Man kann den Kindern aber durchaus bewusst machen, dass Waffen ein ernstes Problem darstellen und man dagegen etwas tun kann.“ Wenn die Kinder sich aktiv mit dem Thema auseinandersetzen, verlieren sie nach Angaben des Experten das Gefühl der Ohnmacht.

Heinz Thiery rät Eltern daher, ihren Kindern bewusst zu machen, dass eine Waffe kein Alltagsgegenstand ist. „Verherrlicht ein Mitschüler Waffen, sollte das Kind mit seinen Eltern oder Lehrern darüber sprechen. Man muss ihnen nur vorher klar machen, dass sie dann nicht als Petze gelten.“ Denn der Spaß höre dort auf, wo er zur Realität wird.

Bundeskonferenz für Erziehungsberatung: www.bke-beratung.de

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen