„Muss nicht im Rampenlicht stehen“

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Wichtige Rolle in der Landesregierung: Tanja Gönner hat als Umwelt- und Verkehrsministerin mehr Kompetenz. Stefan Mappus (rechts
Wichtige Rolle in der Landesregierung: Tanja Gönner hat als Umwelt- und Verkehrsministerin mehr Kompetenz. Stefan Mappus (rechts
Schwäbische Zeitung

Tanja Gönner ist von Ministerpräsident Mappus zur Verkehrsministerin befördert worden und damit eine Gewinnerin der gestern verkündeten Umbildung der Landesregierung. Zusätzlich zum Umweltschutz ist die 40-jährige CDU-Kreisvorsitzende künftig für die Verkehrspolitik und den Naturschutz zuständig. SZ-Redakteur Michael Hescheler hat mit der aus Bingen stammenden Ministerin telefoniert.

SZ: Sind Sie zufrieden mit Ihrer Beförderung?

Tanja Gönner: Das ist eine große Herausforderung, über die ich mich freue. Man darf aber nicht vergessen, dass dies auch ein Zuwachs an Verantwortung bedingt.

SZ: Als Verkehrsministerin werden Sie künftig öfter den Spaten schwingen müssen. Sind Sie schon in Übung?

Gönner: Ich kann Sie beruhigen, auch als Umweltministerin ist man in diesen Dingen geübt. Wenn der Hochwasserschutz verbessert wird, nahm ich bislang schon den Spaten zur Hand, noch lieber fahr ich mit dem Bagger.

SZ: Ihr Ministerium bekommt jetzt denselben Zuschnitt, den es unter Ihrem Vorgänger Stefan Mappus bereits hatte..

Gönner: Nicht ganz. Es kommt der Bereich Naturschutz hinzu, der bislang dem Ministerium Ländlicher Raum zugeordnet war.

SZ: Umweltschutz und Straßenbau sind zwei Bereiche mit völlig gegensätzlichen Strömungen. Was spricht dafür diese Felder in einem Ministerium zu vereinen?

Gönner: Es werden damit einige Schnittstellen behoben. Straßenbau funktioniert nicht ohne den Schutz von Umwelt und Natur. Diese Bereiche mussten schon bisher eng zusammenarbeiten. In einem Ministerium ist dies besser gewährleistet. Wir versprechen uns gute Synergieeffekte. Mehr und mehr wird uns außerdem eine nachhaltige Mobilität beschäftigen, die vor allem die Ballungsräume betrifft. Auch hier sind beide Bereiche gefordert.

SZ: Der frühere Innenminister Schlee war ebenfalls für diese Bereiche verantwortlich. Sie führen also eine Sigmaringer Tradition fort..

Gönner: …und doch haben sich die Zeiten geändert. Die Vielfalt in der Mobilität hat ebenso zugenommen wie die Vorstellungen und Wünsche der Menschen gewachsen sind und die Anforderungen des Umweltschutzes gestiegen sind. Der Rückgang vor allem der Bundesmittel für den Verkehrsbereich macht es außerdem noch mehr notwendig, sorgfältig abzuwägen. Nicht alles, was wünschenswert ist, kann auch sofort realisiert werden.

SZ: Gestern erklärte der Ministerpräsident die Kabinettsumbildung in der Sitzung der CDU-Fraktion. Wie haben die Abgeordneten reagiert?

Gönner: Mit der neuen Kultusministerin ist ein Überraschungscoup gelungen, der positiv aufgenommen wurde. Gelobt wurde auch die Zusammenlegung von Umwelt- und Verkehrsressort.

SZ: Bislang ging es meistens um Sie, als über das neue Kabinett spekuliert wurde. Gestern stand Marion Schick, die neue Kultusministerin, im Blickpunkt. Stört Sie das?

Gönner: Frau Schick ist eine tolle Frau. Sie hatte einen überzeugenden tollen Auftritt. Ich muss nicht immer im Rampenlicht stehen. Ehre, wem Ehre gebührt.

SZ: Man sagt Ihnen und Herrn Mappus ein enges politisches Verhältnis nach. Seit wann wussten Sie, was er mit Ihnen vorhat?

Gönner: Ich wusste frühzeitig, was auf mich zukommt.

SZ: Was sagen Sie einem Bürgermeister, der sich beklagt, dass für Stuttgart 21 Milliarden verbaut werden, für eine Umgehungsstraße auf der B 311 aber kein Geld da ist?

Gönner: Ich werbe dafür, dass nicht gegeneinander argumentiert wird. Stuttgart 21 bringt die Regionen schneller an Stuttgart heran. Davon profitiert die Region, auch wenn es um die Frage der Elektrifizierung von Bahnstrecken geht, deren Stellenwert dadurch wächst.

SZ: Sie haben jetzt ein größeres Ministerium, aber immer noch kein Landtagsmandat. Wann wollen Sie diesen Zustand ändern und das Amt übernehmen?

Gönner: Ich bin da in einem guten Gespräch mit meinem Kollegen Ernst Behringer. Im Übrigen findet am 23. April in Sigmaringen die Nominierung der Kandidaten für die Landtagswahl 2011 statt.

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