Musik-Portale: Abgesang auf Kopierschutz beginnt

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Deutsche Presse-Agentur

„Brennen: 5x, Kopieren: 5x“. So abschreckend kennzeichneten Download-Portale für Musik bislang ihre angebotenen Dateien - und bevormundeten den Käufer bei der Nutzung der bezahlten Songs per digitalem Rechtemanagement (DRM).

Zur diesjährigen CeBIT (3. bis 8. März) gerät dieses Instrument, mit dem die Musikindustrie jahrelang glaubte, digitale Privatkopien unter Kontrolle halten zu können, ins Wanken. Ein Musik-Portal nach dem anderen räumt nun seinen Kunden die volle Kopierfreiheit ein.

Damit trägt das Angebot der Nachfrage Rechnung. Kaufmusik aus dem Internet war vielen wegen der Einschränkungen bisher zu unflexibel. Verbraucher wollen ihre Musik auf mehreren Geräten speichern und Privatkopien ihrer Songs weitergeben - auch online. „Wir sagen, dass das Web inzwischen in jedem Lebensbereich eine Rolle spielt“, sagt Anne Kathrin-Seibt, Pressesprecherin beim CeBIT-Veranstalter Deutschen Messe in Hannover. Webciety - zu Deutsch Netzgesellschaft - lautet deshalb in diesem Jahr auch das Motto der CeBIT. Eine Konferenz und viele Redebeiträge tragen das Oberthema „Mobile Communication, Media & Entertainment - How everything is changing“.

Apple hat Anfang Januar angekündigt, alle zehn Millionen Songs im iTunes-Shop von der Leine zu lassen. Von April an soll es nur noch sogenannte iTunes Plus-Songs geben, die in einer Qualität von 256 Kilobit in der Sekunde (KBit/s) codiert sind - allerdings weiterhin im AAC-Format, das noch nicht so weit verbreitet ist wie der Konkurrent MP3, und Apples Standard-Codec für iPod, iPhone und Co.. Für 30 Cent pro Titel oder 30 Prozent des Kaufpreises bei einem Album können Kunden ihre Musik-Bibliothek aktualisieren lassen.

Hier gilt allerdings das Prinzip alles oder nichts. „Sie können die zu aktualisierenden Titel, Musikvideos oder Alben jedoch nicht einzeln auswählen“, stellt Apple klar. Lehnt der Verbraucher das Gesamt-Upgrade ab, lassen sich die alten Songs auch weiterhin nur fünf Mal kopieren oder sieben Mal auf CD brennen.

„Rechte: unbegrenzt kopieren, unbegrenzt brennen, unbegrenzt abspielen“ soll es ab April auch für alle 6,5 Millionen Songs der Telekom-Tochter Musicload heißen. Aktuell stehen auf der Plattform bereits drei Millionen Songs ohne DRM zum Download bereit. Künftig sollen Songs nicht mehr in Microsofts WMA-Format, sondern als MP3-Dateien in Qualitäten von 256 und 320 KBit/s angeboten werden.

Ganz umsonst gibt es die neue Kopierfreiheit allerdings nicht: Während die geschützten Titel bisher meist 0,99 Euro kosteten, schlagen die freien Musikdateien bei Apple oder Musicload in den meisten Fällen mit 1,29 Euro zu Buche. Angesichts der Preiserhöhungen bleibt abzuwarten, ob die DRM-Befreiung den Online-Verkauf tatsächlich beflügeln wird.

Zwar wuchsen die Umsätze mit Digitalmusik aus dem Internet im Jahr 2008 zum sechsten Mal in Folge. Nach Angaben des Weltverbandes der Phonoindustrie (IFPI) wurden in Deutschland 34,7 Millionen Singles (plus 22 Prozent) und 4,4 Millionen Alben (plus 57 Prozent) verkauft. Nach IFPI-Schätzungen stehen aber den weltweit 1,4 Milliarden legalen Musik-Downloads immer noch 40 Milliarden illegale gegenüber.

Auch die Metro-Tochter Media Markt bietet alle vier Millionen Titel in ihrem Musik-Download-Shop bereits ohne DRM an. Mindestens die Hälfte der Songs liege in einer Qualität von 320 KBit/s vor, sagt Eva Simmelbauer von der Media-Saturn-Holding. „Bei Saturn wird es auch noch umgestellt.“

Weitere Infos zur Messe: www.cebit.de

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