MSC-Präsident hat ein wachsames Auge

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Es ist ein paar Wochen her, da hat ihn der Berliner „Tagesspiegel“ in die Hall of Fame der Sportmäzene gelobt. In illustrer Nachbarschaft mit Software-Milliardär Dietmar Hopp und Filmrechtevermarkter Michael Kölmel. Günter Krivec, Präsident des Moerser SC, Apotheker und Immobilienbesitzer, hat sich i bundesweit einen Namen gemacht.

Doch wer ist dieser Mann, der von Kritikern immer noch als egozentrisch und bisweilen gar als selbstverliebt charakterisiert wird?

Günter Krivec lehnt sich in seinem Bürosessel zurück, denkt kurz nach und richtet sich pfeilschnell wieder auf. „Wissen Sie“, sagt der 68-Jährige, „mein Vater hat mir immer gesagt: Wenn es brennt, laufe nicht wie alle anderen zum Notausgang. Dort wirst du erdrückt – also suche dir besser einen anderen Weg.“ Kaum einer in der Volleyball-Szene hat wohl mehr Wege zu erkunden versucht als der Moerser Geschäftsmann. Mit der ihm eigenen Art hat Günter Krivec den Moerser SC in seiner jetzt 25-jährigen Vereinsgeschichte in der Bundesliga etabliert. Mal über den Umweg 2. Liga, aber dennoch immer zielorientiert. „Ich wollte zeigen, dass man in dieser Region, im Niemandsland Leistung bringen kann“, erklärt Krivec. Moers ist national und auch international präsent. „Mit dem schönen Nebeneffekt, über den Sport auch den Namen der Adler-Apotheke bekannt gemacht zu haben.“

Aus den „Riesen“, die für Krivec immer den Hauch des „Tolpatschigen“ innehatten, machte man ganz offiziell dank eines einstimmigen Mitgliederbeschlusses die „Adler“. Neben den Volleyballern firmiert nun auch der komplette Moerser Handball-Nachwuchs unter dem Vereinssignet mit dem König der Lüfte. „Eine bessere Publicity als diese gibt’s nicht“, schmunzelt der Apotheker, der in der Innenstadt gerade erst ein großes Ärztehaus gebaut hat.

Klar, für einen Unternehmer wie Krivec thront der Kosten-Nutzen-Effekt über allem – besonders über dem Sport. Auch wenn es bisweilen ein Alleingang war, auch wenn sich bei den verschiedenen Moerser Modellen rund 200 Spieler die Klinke in die Hand gegeben haben dürften. So nahm der Verein mal junge deutsche Spieler, mal niederländische Stars wie Blange und Zoodsma, mal ein europäisches Multi-Kulti-Team in die Verantwortung. „Das war immer der speziellen Situation, den wirtschaftlichen Gegebenheiten geschuldet“, erklärt Günter Krivec den regelmäßigen Tapetenwechsel.

„Die Vereine haben kein gutes Haar am MSC gelassen“, erinnert sich der gebürtige Moerser. „Wir passen einfach nicht in die Linie der angepassten Vereine. Und wir sind keine Kopfnicker.“ Allerdings sei er stolz darauf, es geschafft zu haben, einen anderen Weg zu gehen. Einen ganz anderen als beispielsweise der VfB. „Moculescu ist ein guter Trainer, der allerdings immer mit sehr gut ausgebildeten Spielern ausgestattet war – und vor allem mit viel Geld. Die bessere Qualität ist eine Sache des Geldes.“ Zum Thema Grozer will sich Krivec nicht mehr äußern. Wohl auch aus Enttäuschung darüber, dass ein Rechtsanwalt die sportlich-menschliche Beziehung zu Grozer Senior und junior beenden musste. Letzterer schmettert bekanntlich in Polen, während der Vater in der Nachbarstadt Neukirchen-Vluyn eine Beachvolleyball-Arena bauen will.

Eigentlich ist Günter Krivec ein Gegner des Profitums. „Gerade im Volleyball darf man nicht nur auf die Karte Sport setzen“, meint der MSC-Präsident. „Man darf die jungen Leute nicht dazu verführen, diesen Lebensweg zu gehen. Denn was kommt, wenn man 30 ist?“ Immer müsse man sein Augenmerk auch auf Studium oder Ausbildung legen. Deshalb sei es auch nicht weiter schlimm, wenn wie in Moers das Trainingspensum wegen mangelnder Hallenzeiten nicht so hoch sei.

Spieler werden katalogisiert

Überraschend hart geht der 68-Jährige (Hobbies: Architektur, technisches Zeichnen und Skifahren) dann mit seiner Sportart ins Gericht. 90 Prozent der Volleyballer seien keine echten Sportler, sondern nur „große Menschen mit einseitiger Begabung.“ Die Spieler würden katalogisiert das machen, was die Trainer sagen, anstatt an sich selbst zu arbeiten. „Annahme, Zuspiel und dann drauf – das ist sehr schematisch und hat nicht viel Spielwitz.“ Anders als etwa Basketball oder Leichtathletik, für die sich der ehemalige Dreispringer und Olympia-Teilnehmer von 1964 immer noch begeistern kann. Aber warum ausgerechnet Volleyball? „Etwas zu versuchen, wovon man keine Ahnung hat – das war eine Herausforderung.“

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