Moralisch schizophren

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Schwäbische Zeitung

Zu unserem Artikel „Kleiner Kater leidet qualvoll“ vom 13. Dezember:

„ Am 13. Dezember berichtete die Ipf- und Jagst-Zeitung über einen grausamen Fall von Tierquälerei, der sich vor einigen Wochen in Adelmannsfelden ereignete. Opfer war ein junger Kater. Was ihm widerfahren ist, ist schrecklich – keine Frage.

Aber die beachtliche Reaktion auf diesen Fall zeigt auch deutlich die Doppelmoral in unserem Umgang mit Tieren. Im letzten Jahr wurden in Deutschland rund vier Millionen Rinder, 59 Millionen Schweine und ein Vielfaches mehr an Geflügel geschlachtet. Nicht nur wird den Tieren, die wir essen, gewaltsam ihr Leben genommen, sie müssen vor ihrem Tod typischerweise auch erhebliche Schmerzen ertragen, manche mehr und manche weniger als der kleine Kater. Und das, obwohl keine Notwendigkeit für den Konsum von Fleisch besteht. Ernährungswissenschaftler sind sich einig, dass ein gesundes Leben ohne Fleisch möglich ist. Zahlreiche Experten halten die vegetarische und die vegane Ernährung gar für die gesünderen Alternativen, die übrigens auch aus Umweltschutzgründen klar zu bevorzugen sind. Ich selbst bin seit 16 Jahren Vegatarier und seit knapp sechs Jahren Veganer und ich hatte in dieser Zeit keine nennenswerten gesundheitlichen Probleme.

Die Katzenquäler haben moralisch verwerflich gehandelt, da sie dem Kater ohne guten Grund erhebliche Schmerzen zugefügt haben. Es ist jedoch seltsam, dass wir die Katzenquäler verurteilen und gleichzeitig dazu beitragen, dass Abermillionen Tiere gequält werden, nur weil wir den Geschmack ihres Fleisches mögen. Vielleicht hatten die Katzenquäler genausoviel Freude an ihrer Tat wie wir am Fleischessen. Dem Kater geht es inzwischen wieder besser, während die Tiere in Intensivtierhaltung weiter leiden.

Wir alle sind Katzenquäler, oder zumindest, wie es der amerikanische Moralphilosoph Gary L. Francione formuliert hat, moralisch schizophren.“

Rainer Ebert, Adelmannsfelden

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