Module sind der neue Trend bei Sofas

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Deutsche Presse-Agentur

Ein Zweisitzer, ein Dreisitzer und dazu ein Sessel: So wurde jahrzehntelang im Wohnzimmer Platz genommen. Doch in Zeiten ständigen Wandels sind die Tage von solch statischen Sitzkombinationen gezählt. Heute ist Flexibilität gefragt.

Die Antwort der Designer dazu lautet Modul-Sofas. Ob Breite, Höhe, Farbe oder Material - aus den unterschiedlichsten Einzelelementen pickt sich der Käufer das heraus, was seinen Bedürfnissen entspricht und stellt sich so selbst sein Sofa zusammen.

Diese Individualität sehen Experten als immer entscheidender an: „Auf der einen Seite suchen wir kollektive Erlebnisse wie das Public Viewing. Gleichzeitig wird das eigene Zuhause aber immer individueller“, sagt Ursula Geismann vom Verband der deutschen Möbelindustrie (VDM) in Bad Honnef in Nordrhein-Westfalen.

„Wir wollen schön wohnen und dies nach außen zeigen. Der Wunsch nach dem Besonderen wächst“, so formuliert es Prof. Peter Wippermann vom Trendbüro in Hamburg in einer für die Design-Einrichtungskette Stilwerk erstellten Trendstudie. Individualität und Exklusivität in der Einrichtung steigerten das Selbstwertgefühl und dienten als Mittel zur Selbstinszenierung.

Für die Sofas bedeutet das: Der Käufer darf selbst Designer spielen, zumindest im vorgegebenen Rahmen. Die Hersteller bieten Module in verschiedenen Sitztiefen, Breiten, Höhen sowie mit Lehnen oder ohne an. Dazu kommt meist eine Auswahl unter Dutzenden von Farben und Materialien. „Natürlich besteht da die Gefahr der Überforderung“, gibt Ursula Geismann zu.

Eine Erleichterung dürfte es da sein, dass es optisch einen vergleichsweise einheitlichen Trend gibt: „Die kubische, geradlinige Form allein ist ausgereizt worden“, sagt Roland Meyer-Brühl vom Unternehmen Brühl aus Bad Steben in Bayern. Jetzt würden geschwungene und geradlinige Formen gemischt. Bei Brühl heißt das Ergebnis „Ladybug“, laut Mayer-Brühl eine „Wohnplastik“, bei der sich aus wenigen Elementen zahlreiche Gestaltungsmöglichkeiten ergeben.

Auf ähnliche Weise lässt sich mit den verschiedenen Modulen des Programms „Kelp“ - entworfen vom Designerteam Studio Vertijet für das Unternehmen Cor aus Rheda-Wiedenbrück in Nordrhein-Westfalen - eine Sitzlandschaft errichten. Bei „Domino“ von der niederländischen Firma Montis sagt bereits der Titel alles: Hier werden rechteckige Blöcke zusammengesetzt - mal in einer Reihe, mal über die Ecke oder als Insel. Und bei „Ponton“ von Leolux aus den Niederlanden lassen sich zusätzlich noch die Rückenlehnen verdrehen, so dass immer wieder neue Sitzvarianten geschaffen werden.

Eine Art überdimensionales Puzzle ist „Confluences“ vom französischen Hersteller Ligne Roset: Hohe, niedrige, schmale und breite Teile werden hier ganz nach ergonomischen Bedürfnissen aneinandergefügt. So sollen Nutzer - ob groß oder klein - bequem sitzen können. Beim dänischen Unternehmen Fredericia heißt das Ergebnis der modularen Gestaltungsarbeit „Sercas“. Fünf verschiedene Elemente sorgen für viele Kombinationsmöglichkeiten und dafür, dass das Sofa sowohl in lange und schmale wie auch in quadratische oder verwinkelte Wohnzimmer passt.

Für die lässige Variante steht das Modell „Cable“ des neuen niederländischen Labels Pode. Die weich und kissig anmutenden Sessel und Hocker können zu einer Polsterlandschaft gekoppelt werden - jedes Teil kann aber auch für sich stehen. „Cosmo“ vom Hersteller Rolf Benz aus Nagold in Baden-Württemberg spricht zwar eine ganz andere Zielgruppe an, funktioniert aber nach einem ähnlichen Prinzip: Rund drei Dutzend Module stehen hier zum Kombinieren oder als Solisten bereit.

„Ein Sofa muss heute Spielräume lassen für den, der darauf sitzt“, erklärt Jürgen Hopf von der Rolf-Benz-Pressestelle den Trend zum Modul. Es gebe aber auch ganz praktische Gründe: Mit einem aus einzelnen Elementen bestehenden Sofa sei man einfach wesentlich flexibler als mit einem klassischen Dreisitzer. In Zeiten, in denen häufig umgezogen wird, müsse auch die Couch so wandelbar sein, dass sie in jede neue Wohnung mitgenommen werden kann.

Neben den klaren ausladenden Formen haben die neuen Sofas noch etwas gemeinsam: Ob in Leder oder aus Stoff - Bezüge in kräftigen Farben sind im Kommen. Die Palette reicht von Orange und Rot über Lila bis hin zu Türkisblau. Um Linien zu betonen, werden häufig verschiedene Farben innerhalb eines Moduls kombiniert. Ebenfalls häufig zu sehen sind Materialmixturen: Ein mit Leder bezogenes Element steht beispielsweise neben einem Exemplar mit Filzkleid. Auf Muster wird dagegen weitgehend verzichtet. Schmuckelemente sind höchstens Stickereien, Knöpfe oder Ton-in-Ton-Prägungen.

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