Mit Teenagern über Sexualität sprechen

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Deutsche Presse-Agentur

„Tut Sex weh, wenn man seine Tage noch nicht hat?“ Stellt ein Mädchen ihrer Mutter diese Frage, wundert die sich wahrscheinlich und sagt „Wie kommst du denn darauf?“. Dann ist das Gespräch zu Ende, bevor es richtig begonnen hat.

Denn hinter der Frage stand eigentlich eine ganz andere, etwa: „Ich höre andere darüber reden, aber ich weiß nicht, wann es richtig ist, Sex zu haben“, erklärt die Ärztin Esther Schoonbrood. Die Kommunikation zwischen Eltern und Kindern ist in der Pubertät ohnehin schwierig. Richtig kompliziert wird sie, wenn es um Sexualität geht.

Wann hat man den ersten Samenerguss? Wächst der Penis noch mit 17? Wie merkt man Liebe, und was erwartet ein Junge eigentlich von seiner Freundin? Das sind Fragen, die Teenager besonders beschäftigen, sagt Eckhard Schroll, Leiter der Abteilung Sexualaufklärung bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) in Köln. Gleichzeitig seien das aber die Fragen, die im Sexualkundeunterricht nicht beantwortet werden. „Dort erfahren die Jugendlichen Fakten über Schwangerschaft oder Verhütung.“

Bei anderen Themen gebe es große Lücken, oder es kursierten Mythen - etwa, dass Selbstbefriedigung den Körper schwächt. Die Jugendlichen schnappen solche Informationen auf, können sie aber nicht einordnen. An dieser Stelle werden die Eltern wichtig.

Doch was sagen Eltern am besten, wenn sie vermuten, dass ihre Tochter einen Freund hat und möglicherweise bald erste sexuelle Erfahrungen sammelt? Wie finden sie heraus, ob ihr Sohn Probleme mit seinem Körper hat? „Es reicht nicht zu sagen: 'Wir setzen uns jetzt mal hin und reden darüber'“, sagt Schroll. Wenn in der Familie nie über Körperlichkeit gesprochen wurde, könne man das nicht plötzlich in der Pubertät erzwingen.

Gut sei, wenn Eltern mit ihren Erklärungen der Entwicklung des Kindes ein Stückchen voraus sind, sagt Esther Schoonbrood, die im Auftrag der Ärztlichen Gesellschaft zur Gesundheitsförderung der Frau (ÄGGF) in Essen an Schulen mit Mädchen über die körperliche Entwicklung und Sexualität spricht. So sollte der Tochter von der Menstruation erzählt werden, bevor das erste Mädchen in der Klasse seine Tage bekommt. „Ist das der Fall, wird die Tochter nicht davon überrascht. Deshalb hat sie keine Ängste.“

Gespräche über Sexualität und Liebe könnten sich immer wieder aus dem Alltag heraus ergeben. Ein Beispiel: Gucken Mutter und Tochter einen Film mit einer Liebesszene im Bett, könnte die Mutter sagen: „Na, ob da auch Liebe mit im Spiel ist? Die tun so, als ob man keine Kondome benutzen müsste und gar nicht schwanger werden kann“, rät Schoonbrood. „Dann sieht man die Reaktion der Tochter: Möchte sie mehr darüber reden?“

Feiert der Sohn eine Party und es kommen auch Mädchen, dürfe der Vater nachfragen, ob eine davon interessant oder sogar die Freundin ist, sagt Frederik Luhmer, Sexualberater bei pro familia in Berlin. „Aber man sollte dem Kind die Entscheidung lassen, ob es reden will.“ Möchten Eltern ein Thema von sich aus ansprechen, bleiben sie besser auf der allgemeinen Ebene: „Bei Mädchen wachsen die Brüste ganz unterschiedlich schnell. Manche haben mit 13 noch keine, andere schon große.“ Die Tochter könne diese Information auf sich beziehen, wird aber nicht direkt angesprochen, was es weniger peinlich für sich macht, erklärt Schoonbrood.

Literatur: Esther Schoonbrood, Barbara Dobrick: Erklär mir die Liebe! Worüber Frauen mit Mädchen sprechen sollten, Zabert Sandmann, ISBN: 978-3-898-83225-0, 19,95 Euro.

Informationen: Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) hat zahlreiche Broschüren zum Thema Sexualaufklärung herausgebracht, unter anderem „Wie geht's - wie steht's? Wissenswertes für Jungen und Männer“ und „Aufregende Jahre - Jules Tagebuch“. Sie können kostenlos im Internet bestellt werden unter „bzga.de“ - „Infomaterialien“ - „Sexualaufklärung“.

Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA): www.bzga.de

Gespräche über Liebe und Sexualität sind häufig Sache der Mütter. „Jungs wünschen sich aber ihre Väter als Gesprächspartner“, sagt Eckhard Schroll von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Sie könnten aus ihrer Männerrolle heraus vieles besser erklären. Doch auch für Mädchen seien Gespräche mit Vätern wichtig, um die Männersicht zu bestimmten Themen kennenzulernen.

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