Mit Schnurrbart und Zigarillo: Stepanovic wird 60

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Deutsche Presse-Agentur

Dragoslav Stepanovic ist sich immer treugeblieben. Auch heute klopft der Kulttrainer Sprüche wie in alten Zeiten. Beispiel gefällig? „Zigarillos rauche ich nicht mehr - ich bin dicker geworden, deshalb rauche ich jetzt auch dicke Zigarren.“ Typisch Stepanovic.

Am 30. August wird der ehemalige Bundesliga-Coach von Eintracht Frankfurt und Bayer Leverkusen 60 Jahre alt. Gedanken ans Aufhören weist er weit von sich. „Ich wünsche mir keine Rente - so lange ich gehen kann, so lange ich nicht verkalkt bin, mache ich weiter“, sagte „Stepi“ der Deutschen Presse-Agentur dpa.

Anfang der 90er Jahre zählte der Zigarillo paffende Schnurrbart-Träger zu den beliebtesten Trainern in Deutschland. Mit Frankfurt verpasste er 1992 ganz knapp die Meisterschaft, mit Leverkusen holte er 1993 den DFB-Pokal. Mittlerweile trainiert Stepanovic den FK Cukaricki Stankom in Belgrad. Für eine Feier zu seinem 60. bleibt ihm kaum Zeit. Sein Team trifft tags darauf auf den Spitzenclub Vojvodina. „Arbeit geht vor, aber wenn meine Frau im nächsten Jahr 60 wird, dann feiern wir zusammen - einmal in Serbien und einmal in Deutschland.“ Noch immer hat er viele Freunde in Frankfurt, sein Sohn lebt in Berlin, seine Tochter in München.

Erstmals kam der Serbe 1976 nach Deutschland, als Eintracht Frankfurt den Nationalspieler der damaligen jugoslawischen Auswahl verpflichtete. Zwei Jahre spielte er für die „Diva vom Main“ und trat später auch noch für Wormatia Worms gegen den Ball. Nach seinem Karriereende trainierte „Stepi“ in den 80er Jahren nur Clubs in unterklassigen Ligen, ehe er 1991 als Nachfolger von Cheftrainer Jörg Berger überraschend bei der Eintracht präsentiert wurde.

In der Saison 1991/92 führte er mit den Hessen 19 Spieltage lang die Tabelle der Bundesliga an: „Die Saison mit dieser Mannschaft und mit diesen tollen Spielen - das ist eine Erinnerung, die ich nie vergessen werde. Das war die schönste Zeit.“ Erst am letzten Spieltag rutschte der Club nach einer 1:2-Niederlage gegen Hansa Rostock auf den dritten Rang ab. Meister wurde der VfB Stuttgart mit Trainer Christoph Daum. „Stepi“ kommentierte den für die Eintracht tragischen Saisonverlauf mit seinem legendären Spruch „Lebbe geht weider.“

Schon im darauffolgenden Jahr schmiss Stepanovic nach dem Halbfinal-Aus der Frankfurter im DFB-Pokal gegen Leverkusen seinen Job hin. Dabei stand sein Team in der Liga auf einem UEFA-Cup-Rang. Stepanovic wechselte kurz vor Saisonende zu Bayer und gewann doch noch den DFB-Pokal. Nach einem kurzen Gastspiel bei Athletic Bilbao in Spanien kehrte „Stepi“ 1996 zur Eintracht zurück. Den drohenden Abstieg konnte er nicht verhindern. Am Jahresende war endgültig Schluss in Frankfurt. Was folgte, waren viele kurze Gastspiele - einige davon im Ausland. 2006 versuchte sich Stepanovic als Manager beim TuS Koblenz, die Zusammenarbeit endete aber nach drei Monaten.

Im vergangenen Sommer kehrte er in seiner Heimat auf den Trainingsplatz zurück. Mit Erstliga-Aufsteiger Cukaricki landete er auf dem sechsten Platz. „Jetzt wollen wir unter die ersten Fünf“, sagt Stepanovic. Die Arbeit in Belgrad macht ihm Freude, „ich trainiere jeden Tag dreimal, es geht mir sehr gut“. Doch nach den vielen kurzen Engagements will er noch einmal ein Team in Deutschland coachen: „Um mich richtig zu verabschieden.“

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