Mit dem GPS-Gerät auf Spurensuche

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Auf der Suche nach Spuren jüdischer Geschichte in Laupheim landete SZ-Testerin Janina Arnold mit ihrem GPS-Gerät natürlich auch (Foto: Schick)

Wer Laupheims Straßen und Häuser einmal aus einem anderen Blickwinkel sehen und spielerisch etwas über die jüdische Geschichte der Stadt erfahren möchte, für den hat sich die Klasse 9c der Friedrich-Adler-Realschule etwas einfallen lassen. Die Schüler haben drei Educaches (Bedeutung siehe Extra-Kasten) entworfen, mit deren Hilfe man auf den Spuren jüdischer Persönlichkeiten in Laupheim wandeln kann. SZ-Mitarbeiterin Janina Arnold und Christine Hessner haben das Educache „Auf Gretel Bergmanns Spuren“ ausprobiert.

Für die Entdeckungstour durch Laupheim braucht man nur zwei Hilfsmittel: Das Aufgabenblatt aus dem Internet mit den vorgegebenen Stationen und zugehörigen Rätseln und ein GPS-Navigationsgerät, das die Richtung der eingegebenen Koordinaten anzeigt. Dann kann es auch schon losgehen: In das Navigationsgerät werden die Startkoordinaten eingegeben, die zur ersten geschichtlichen Station führen. Beim Educache zu Gretel Bergmann handelt es sich dabei um ihr Elternhaus. Immer dem Pfeil des Gerätes folgend, kann es ganz schön schwierig werden, den richtigen Kurs zu halten. Denn der Wegweiser gibt nur die richtige Himmelsrichtung an, erkennt aber keine im Weg stehenden Mauern oder Häuser.

Wenn man am richtigen Ort angelangt ist, wartet schon mal die eine oder andere Überraschung. So würde man in dem unauffälligen alten Haus an der Ecke nicht unbedingt Gretel Bergmanns Elternhaus vermuten. Im Aufgabenblatt können geschichtliche Details und Hintergrundwissen zum Standort nachgelesen werden. Außerdem ist ein Zahlenrätsel zu lösen, um die Koordinaten für die nächste Station zu erhalten. Hierzu müssen Gegenstände wie Fenster, Dachgauben oder Lichtschalter an der aktuellen Station abzählt werden, so dass man die nächsten Koordinaten nur erhält, wenn man auch tatsächlich am richtigen Ort ist.

Leider sorgen die Zahlenrätsel nicht immer für genügend Aufschluss, da bei der Fragestellung ein gewisser Interpretationsspielraum bleibt und zu Abweichungen bei den nächsten Koordinaten führt. Zur Not hilft da nur der Griff zum Handy: Ein Anruf zu Hause, und bald gibt’s die Lösung aus dem Internet…

Schließlich führt die Tour zur Villa Bergmann, zur Haarfabrik, zum Wohnhaus von Max und Hans Bergmann und natürlich auch auf den jüdischen Friedhof. Das Ziel der Route ist das Museum zur Geschichte von Christen und Juden, wo sich jeder Interessierte noch genauer informieren kann.

Zwei weitere Educaches

Neben dem Educache über Gretel Bergmann dachte sich die Schulklasse mit Unterstützung ihres Klassenlehrers Karl Neidlinger und des Museumsleiters Dr. Michael Niemetz zwei weitere Educaches mit jeweils sechs Stationen aus: „Der Laupheimer Einstein-Marathon“ und „Friedrich Adler und seine Familie“. Die Idee ist Teil des Projekts „Community 2.1 − kein Platz für Vorurteile“, das dem Bundesprogramm „Toleranz fördern – Kompetenz stärken“ angehört. „Wir hoffen, dass mit den Caches Geschichte lebendig und zeitgemäß vermittelt werden kann“, sagt Schulsozialarbeiterin Birgit Gutmann, die das Projekt zusammen mit der Jugendstiftung Baden-Württemberg initiierte.

Das Fazit der beiden SZ-Testerinnen Janina Arnold und Christine Hessner lautet: Wer auf der Suche nach einem bestimmten Gebäude durch die Laupheimer Straßen geht oder auf dem jüdischen Friedhof nach einem Grabstein sucht, betrachtet die Umgebung mit ihrer jüdischen Vergangenheit mit anderen Augen und erkennt Dinge, die ihm bis dahin nicht aufgefallen sind.

Koordinaten weisen den Weg

Educaching – hinter diesem Begriff verbirgt sich eine Kombination aus den Worten Education (Unterricht) und Geocaching. Letzteres ist eine Art elektronische Schnitzeljagd oder Schatzsuche. Die Verstecke (englisch: Caches, genauer übersetzt „geheimes Lager“) werden anhand geografischer Koordinaten im Internet veröffentlicht und können anschließend mithilfe eines GPS-Geräts gesucht werden. Die Neuntklässler der Friedrich-Adler-Realschule haben die Koordinaten bedeutender jüdischer Stätten in Laupheim ausfindig gemacht und daraus ihre Educaches erstellt. Diese sind auf der Projekthomepage unter der Adresse www.menschenrechte.jugendnetz.de/index.php?id=344 zu finden.

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