Mini statt Maxi: Kleinwagen kommen groß raus

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Deutsche Presse-Agentur

Klimasorgen, CO2-Besteuerung, Finanzkrise und Wirtschaftsflaute: Angesichts dieser Schlagworte kann Autokäufern die Lust auf einen neuen Wagen schon mal vergehen.

„Und wenn es partout Ersatzbedarf gibt, dann doch bitte eher einen kleineren. 'Am besten einen Kleinwagen', denken sich viele Kunden, weil der wenig Sprit braucht, einen geringen CO2-Ausstoß hat und obendrein nicht so viel kostet“, fasst Nick Margetts vom Marktbeobachter Jato Dynamics in Limburg die Gemütslage bei vielen Deutschen zusammen.

Nicht zuletzt deshalb haben die Autohersteller ihre Modellpalette teilweise entsprechend umgebaut: „Das sogenannte Downsizing, also das Verkleinern bei unverändertem Inhalt, gilt in diesen Tagen nicht nur als Devise für die Motoren, die mit weniger Hubraum mehr Leistung bieten, sondern auch für ganze Autos“, sagt Margetts mit Blick auf eine Flotte von Kleinwagen nach der „Minimax-Strategie“.

Denn im Windschatten der im Herbst auf dem Pariser Autosalon vorgestellten „Großstadtflöhe“ wie dem Toyota iQ, dem Ford Ka, dem Suzuki Alto oder Nissan Pixo mit drei oder vier Sitzplätzen und genügend Stauraum starten in diesem Frühjahr auch eine ganze Reihe von ausgewachsenen Minis. Während die zum Teil deutlich unter 10 000 Euro angesiedelten Stadtflitzer allenfalls für Singles oder als Zweitwagen taugen, gehen diese anderen Modelle zur Not auch als Familienauto oder einziges Fahrzeug im Haushalt durch.

Die wichtigste Premiere kommt dabei aus Wolfsburg. Zum Genfer Autosalon im März wird die nächste Generation des VW Polo erwartet. Sie bekommt dem Vernehmen nach eine neue Plattform, die bereits unter dem Seat Ibiza getestet wird, und soll sich im Design am Scirocco orientieren. So bleibt es zwar beim Drei- und Fünftürer und einer Länge von rund vier Metern. Doch soll der Wagen sportlicher werden und mehr Platz bieten. Zu Motoren und Technik gibt es noch keine Angaben. Aber Fachmagazine berichten bereits vom Einsatz der neuen Common-Rail-Diesel und einer sparsamen Bluemotion-Variante, die mit Start-Stopp-Technik und einem 55 kW/75 PS starken 1,2-Liter-Diesel auf einen Verbrauch von 3,5 Litern (CO2-Ausstoß: 89 g/km) kommen soll. Die Preise sollen bei etwa 12 000 Euro beginnen.

Ebenfalls für 12 000 Euro startet der Hyundai i20. Den in Länge und Breite gewachsenen Nachfolger des Getz gibt es zunächst als Fünftürer. Im April reichen die Koreaner den Dreitürer nach. Zur Serienausstattung zählen immer sechs Airbags und der Schleuderschutz ESP. In den gehobenen Varianten gibt es unter anderem Klimaautomatik und ein gekühltes Handschuhfach.

Für den Antrieb des 3,94 Meter langen Steilhecks stehen Hyundai zufolge drei Benziner mit 1,2, 1,4 und 1,6 Litern Hubraum und 57 kW/78 PS bis 93 kW/126 PS zur Wahl. Außerdem gibt es einen Diesel mit 1,6 Litern Hubraum und 85 kW/116 PS. Damit verbraucht der sparsamste i20 4,4 Liter Diesel (117 g/km). Später im Jahr soll es eine i-Blue genannte Sparversion geben, deren 66 kW/90 PS starker Dieselmotor dank Start-Stopp-Automatik, aerodynamischem Feinschliff und speziellen Leichtlaufreifen nur noch 3,75 Liter verbraucht (99 g/km).

Auch die Konzernschwester Kia hat ein neues Angebot im Segment der Kleinwagen. Dort kommt im Februar der 4,11 Meter lange Soul zu den Händlern. Der Fünftürer sieht aus wie ein Kasten auf Rädern und soll gleichermaßen Kleinwagen, Minivan und Geländemodell sein. Dabei ist er innen wie außen bunt eingefärbt und auf den Verkehr in der Stadt zugeschnitten. Wahlweise angetrieben von einem 1,6-Liter-Benziner mit 93 kW/126 PS oder einem gleich großen Diesel mit 94 kW/128 PS, sprengt der Soul aber auch auf der Preisliste die Konventionen seiner Klasse: Denn mit einem Grundpreis von 14 980 Euro kostet er so viel wie ein Auto aus dem Segment darüber.

Das „Downsizing“ bei der Wahl der Autos ist für viele Experten allerdings nicht nur eine Reaktion auf die hohen Benzinpreise, die Sorgen ums Klima und die schlechte Wirtschaftslage. Sie ist auch eine Notwendigkeit der Zukunftssicherung. Davon zumindest ist François Bancon überzeugt, der die Vorausentwicklung des japanischen Herstellers Nissan leitet: „Wenn wir nicht ganz gehörig aufpassen, droht der Menschheit ein globaler Verkehrskollaps.“

Schon in wenigen Jahren werde mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung in Städten wohnen. Millionenmetropolen schössen wie Pilze aus dem Boden, und für viele Stunden des Tages komme der Verkehr zum Erliegen: „Wenn nicht bald etwas geschieht, wird das Ideal der 'persönlichen Mobilität' durch diese Entwicklung ad absurdum geführt“, sagt Bancon und fordert „intelligente Kleinwagen“, die außen kompakter sind als innen und obendrein Spaß statt Dreck machen. „Natürlich wird es noch ein paar Jahre dauern, bis wir soweit sind“, bremst Marktforscher Margetts die Euphorie. „Doch mit den neuen Kleinwagen ist zumindest ein Anfang gemacht.“

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