Merkel und Papst sprechen sich aus

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Deutsche Presse-Agentur

„Es war ein gutes und konstruktives Gespräch, getragen von dem gemeinsamen tiefen Anliegen der immerwährenden Mahnung der Schoah für die Menschheit“, teilten Vatikan-Sprecher Pater Federico Lombardi und der Sprecher der Bundesregierung, Ulrich Wilhelm, am Sonntag in einer gemeinsamen Presseerklärung mit. Der Papst und die Kanzlerin hätten in „großem gegenseitigen Respekt“ ihre Haltungen ausgetauscht. Das Gespräch habe Merkel angeregt.

Zu Verstimmungen war es gekommen, nachdem Merkel eine klare Haltung des Vatikans im Fall des Holocaust-Leugners Bischof Richard Williamson gefordert hatte. Unionspolitiker und Kirchenvertreter sprachen von einer nicht akzeptablen Einmischung in Kirchenangelegenheiten.

Am Mittwoch verlangte der Papst von Williamson einen Widerruf. Merkel begrüßte daraufhin die Haltung des Vatikans als „wichtiges und gutes Signal“. Der Vatikansprecher und der Sprecher der Bundesregierung verwiesen jetzt noch einmal auf die Erklärung des Heiligen Vaters vom Mittwoch und der Bundeskanzlerin vom Donnerstag.

Williamson selbst will seine Thesen zum Mord an den Juden vorerst nicht widerrufen. Der Brite sagte dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“, er wolle zunächst die historischen Beweise prüfen. „Und wenn ich diese Beweise finde, dann werde ich mich korrigieren. Aber das wird Zeit brauchen“, sagte Williamson in seiner ersten öffentlichen Äußerung zu dem Streit. Er missachtete damit die Aufforderung des Vatikans, die Holocaust-Äußerungen zu widerrufen.

Williamson war vor kurzem mit drei anderen exkommunizierten Bischöfen der erzkonservativen Piusbruderschaft durch den Papst wieder in die Kirche aufgenommen worden. Nach Darstellung des Vatikans hat der Pontifex von der Holocaust-Leugnung Williamsons nichts gewusst.

Die Pius-Bruderschaft schloss unterdessen einen Priester in Italien wegen seiner Äußerungen zum Holocaust aus. Floriano Abrahamowicz hatte nach Angaben der italienischen Nachrichtenagentur Ansa gesagt, dass die Gaskammern in den Konzentrationslagern der Nationalsozialisten zur Desinfektion genutzt worden seien. Ob Menschen darin auch umgebracht wurden, könne er nicht sagen.

Die Priesterbruderschaft St. Pius X. in Deutschland betrachtet Williamson bislang als ihren Glaubensbruder, hatte sich aber von dessen Leugnung des Holocaust distanziert.

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