Mercedes E-Klasse: Willkommen in der Wohlfühlzone

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Firmenfahrer und Familienväter mit großzügigem Budget aufgepasst: Der Stuttgarter Autobauer Mercedes bringt Ende März die neue E-Klasse an den Start.

„Das beste Auto seiner Klasse“

Der Anspruch an die Limousine mit dem eckiger gewordenen Vier-Augen-Gesicht und dem kantigen Charakter-Design ist ebenso schlicht wie hoch: „Wir wollen das beste Auto seiner Klasse“, sagt Entwicklungsvorstand Thomas Weber. Dafür haben die Schwaben tief in die Trickkiste gegriffen, viele neue Sicherheits- und Assistenzsysteme eingebaut, die Motoren auf Diät gesetzt und den Innenraum zur Wohlfühlzone erklärt.

Umfangreiche und üppige Preisliste

Allerdings hat das seinen Preis. Nominell ist das Basismodell für 41 590 Euro zwar in etwa so teuer wie früher. Doch verschlägt einem die über 40 Seiten starke Preisliste den Atem. Selbst für Aschenbecher und Cupholder verlangt Mercedes jetzt wieder Aufpreis. Dabei ist die E-Klasse eigentlich ein Blutdrucksenker durch und durch. Denn sobald die Türen schwer ins Schloss fallen, man tief in die bequemen Sessel sinkt und der Blick über die noble Inneneinrichtung streift, wähnt man sich in einem Refugium der Ruhe und wartet auf die Begrüßung „Willkommen zu Hause“.

Perfekte Reiselimousine

Diese Stärke spielt die E-Klasse vor allem auf langen Strecken aus. Als perfekte Reiselimousine ist sie ein eleganter Kilometerfresser mit viel Platz auf allen Plätzen, aus der man auch nach Stunden noch entspannt und gelassen aussteigt. Das liegt zum einen an der guten Balance des Fahrwerks, der Ambientebeleuchtung, der schmucken Materialauswahl und dem gedämpften Geräuschniveau. Aber es liegt vor allem auch am Heer der Helfer, das dem Fahrer fast jeden Handgriff abnimmt. Wer genügend Kreuzchen im Bestellheft macht, muss eigentlich nur noch das Lenkrad halten - alles andere erledigen die Assistenzsysteme: Sie halten den Abstand zum Vordermann, wachen über die Ideallinie, regeln Beleuchtung und Klima und kneten einem auf der Langstrecke sogar den Rücken - das ist Wellness im Wagen.

Ein Auto, das sieht, hört und nachts zur Eule wird

Besonders eindrucksvoll ist das Sicherheitspaket, für das Mercedes zum Teil allerdings ebenfalls üppige Aufpreise verlangt. Für rund 10 000 bis 15 000 Euro kann der Luxusliner auch sehen und verstehen. Er kontrolliert den Toten Winkel, erkennt Tempobegrenzungen, warnt vor Gefahren und steigt bei einem unvermeidbaren Auffahrunfall als erstes Auto mit voller Kraft in die Eisen. Außerdem wird er zum Helden der Nachtfahrer: Die Infrarot-Kamera erkennt und markiert nun auch Fußgänger und die Schweinwerfer bieten in jeder Situation die maximale Ausleuchtung. Und wer mit dem Sandmann kämpft, bekommt nun einen Warnhinweis, bevor ihm vor Müdigkeit die Augen zufallen.

Bergstraßen mag die E-Klasse nicht

So nimmersatt die E-Klasse auf der Autobahn die Kilometer frisst, so schwer tut sie sich auf einer kurvigen Landpartie oder gar im steilen Gebirge. Zwar ist der Wagen spürbar leichtfüßiger als sein Vorgänger. Doch so präzise und behände wie ein Audi oder BMW will der Luxusliner partout nicht um die Kurven schnellen.

Motoren auf magerem Kurs

Viel getan hat Mercedes an den Motoren. Deren Verbrauch wurde mit kleinen Hubräumen, Direkteinspritzung und Aufladung („Downsizing“) sowie durch aerodynamischen Feinschliff und bedarfsgerecht gesteuerte Nebenaggregate um bis zu 23 Prozent gesenkt. Effizienzmeister in der Palette von vorerst vier Dieseln und vier Benzinern mit bis zu 285 kW/388 PS ist das vorläufige Basismodell E 220 CDI. Zumindest auf dem Prüfstand ist es mit 5,3 Litern (CO2-Ausstoß: 139 g/km) zufrieden. Selbst wenn der Bordcomputer bei der ersten Ausfahrt mit dem 125 kW/170 PS starken Vierzylinder knapp zwei Liter mehr anzeigt, ist das ein respektables Ergebnis.

Kein Wundermotor

Wunder darf man von dem Motor zwar nicht erwarten. Doch reichen 400 Newtonmeter allemal für einen spontanen Antritt. Wer es darauf anlegt und alle Schalthinweise im Kombiinstrument ignoriert, bringt den 1,8-Tonner immerhin in neun Sekunden auf Tempo 100 und kann mit einer Höchstgeschwindigkeit von 231 km/h durchaus einen Stammplatz auf der Überholspur erobern. Die 1100 Kilometer Reichweite kann man dann allerdings vergessen.

Zwar stehen nicht alle Motoren so gut da wie die kleinen Diesel und die neuen aufgeladenen Vierzylinder-Benziner. Und die Limousine wurde auch eher für schnelle als für schöne Strecken entwickelt. Dennoch ist sie nicht nur die beste E-Klasse aller Zeiten. Sie legt auch den Maßstab in der Klasse höher. Allerdings ist das Auto so weit entwickelt und auf einen so breiten Geschmack ausgelegt, dass es schon wieder emotionslos wird und als VW Golf des reichen Mannes durchgeht - eben perfektionierte Beständigkeit auf höchstem Niveau.

DATENBLATT: Mercedes E 220 CDI Motor und Antrieb: Vierzylinder-Common-Rail-Diesel Hubraum: 2143 ccm Max. Leistung: 125 kW/170 PS bei 3000-4200 U/min Max. Drehmoment: 400 Nm bei 1400-2800 U/min Antrieb: Heckantrieb Getriebe: Sechsgang-Schaltgetriebe

Maße und Gewichte: Länge: 4868 mm Breite: 1854 mm Höhe: 1464 mm Radstand: 2874 mm Leergewicht: 1735 kg Zuladung: 535 kg Kofferraumvolumen: 540 Liter

Fahrdaten: Höchstgeschwindigkeit: 231 km/h Beschleunigung 0-100 km/h: 9,2 s Durchschnittsverbrauch: 5,3 Liter/100 km Reichweite: 1100 km CO2-Emission: 139 g/km Kraftstoff: Diesel Schadstoffklasse: EU5

Kosten: Basispreis der Modellreihe: 41 590 Euro Grundpreis des E 220 CDI: 41 590 Euro Typklassen: KH 21/VK 24/TK 27 Kfz-Steuer pro Jahr: 339 Euro/Jahr alle Daten laut Hersteller, GDV, Schwacke

Wichtige Serienausstattung: Sicherheit: ESP, Front-, Seiten- und Vorhang-Airbags, Knie-Airbag, Müdigkeitserkennung Komfort: Klimaanlage, elektrische Fensterheber, Zentralverriegelung

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