Meisterliche Himmelsstürmer aus Hoffenheim

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Deutsche Presse-Agentur

Nach dem 11. Spieltag der Fußball-Bundesliga hat selbst Uli Hoeneß 1899 Hoffenheim auf den Favoritenschild gehoben. „Die werden bis zum Ende oben mitspielen, sicher auch um die Meisterschaft“, sagte der Manager von Rekord-Titelträger Bayern München.

Schließlich markierte das 4:1 gegen den Karlsruher SC bereits den achten Sieg der Kraichgauer. „Mich freut, dass er das sagt“, entgegnete Hoffenheims Chefcoach Ralf Rangnick. „Wir haben in dieser Saison keine Erwartung, nur die, einen guten Abstand zu den Abstiegsplätzen zu halten.“

Aus dem Tabellen-Keller heraus wollen die Westclubs VfL Bochum und Borussia Mönchengladbach, für die es um wichtige Zähler ging: Bochum verpasste beim 1:1 (1:1) im Revierderby bei Borussia Dortmund zwar den Befreiungsschlag, konnte sich nach Toren von Thomas Zdebel (27.) und Mohamed Zidan (44.) aber immerhin über einen am Ende glücklichen Auswärtspunkt freuen und die Abstiegsränge verlassen. Schlimmer kam es für die Gladbacher, die nach dem 1:2 (1:1) gegen Eintracht Frankfurt weiter Platz 17 belegen. Nach dem Eigentor von Marco Russ (12.) stellten Martin Fenin (16.) und Michael Fink (52.) den zweiten Auswärtssieg der Eintracht sicher.

Hoffenheims Mäzen Dietmar Hopp hält trotz des Höhenflugs selbst einen Europacup-Platz für nicht realistisch. „Ich glaube zwischenzeitlich an einen einstelligen Tabellenplatz“, sagte der Milliardär. Nüchtern urteilte auch Fußball-Experte Günter Netzer über die Himmelsstürmer aus der Provinz. „Die Meisterschaft ist äußerst unrealistisch bis ausgeschlossen“, schrieb er in einer Kolumne der „Bild am Sonntag“. Nur wenn die Etablierten weiter schwer in Tritt kämen, würde er einen Platz unter den ersten Fünf für Hoffenheim für möglich halten.

Allerdings kommen die Großen der Liga immer besser in Fahrt. Der Titelverteidiger aus München setzte die Aufholjagd mit einem 3:1 gegen Arminia Bielefeld erfolgreich fort und lauert nun hinter Hoffenheim (25 Punkte) sowie Bayer 04 Leverkusen (2:0 gegen Wolfsburg) mit vier Zählern Rückstand auf Platz drei. „Wir werden punkten, punkten und noch mal punkten“, forderte Bayern-Trainer Jürgen Klinsmann, „und dann werden wir sehen, wo wir stehen.“

Dies möchte endlich auch Nationalstürmer Lukas Podolski wissen, der erst auf der Bank schmorte, dann ein Tor für Franck Ribéry vorbereitete, einen Elfmeter verwandelte und am Ende aufmuckte. „Es ist nachvollziehbar, dass ich mir bis zur Winterpause Gedanken mache, wie es weiter geht“, offenbarte er Abwanderungsgedanken.

Wie man die Kehrtwende schafft, demonstrierte Werder Bremen eindrucksvoll. Mit einer 5:1-Gala beendeten die Hanseaten gegen Hertha BSC die seit vier Spieltagen anhaltende Talfahrt. „Ich hoffe, dass es das Ende der Krise war“, sagte der zweimalige Bremer Torschütze Claudio Pizzaro. „Jetzt haben wir es allen gezeigt. Das war Werder Bremen, wie wir es kennen“, meinte Torwart Tim Wiese. Nach einem Zwischenhoch ist dagegen bei Hertha wieder Ernüchterung eingekehrt. „Ich kenne die Möglichkeiten meiner Mannschaft“, meinte Berlins Trainer Lucien Favre knapp.

Viel mehr für möglich gehalten hat der Hamburger SV nach einem starken Saisonstart. „Wir sind auf dem Boden gelandet“, stellte HSV- Kapitän David Jarolim nach dem 0:3 bei Hannover 96 - der dritten 0:3- Auswärtspleite in dieser Saison - fest. Auf dem Prüfstand steht nun der Hurra-Stil von Trainer Martin Jol mit vier Offensivspielern. „Das ist kein Normalzustand, wenn man in sechs Spielen 0:2 zurückliegt“, kritisierte HSV-Sportchef Dietmar Beiersdorfer.

Wieder besser läuft es bei Jols niederländischem Kollegen Fred Rutten beim FC Schalke 04, der auch in Unterzahl ein 2:0 beim Tabellenletzten Energie Cottbus schaffte. „Oranje“-Nationalspieler Orlando Engelaar musste nach einem „Vogel“ in Richtung Referee- Assistent den Rasen verlassen. „Auf dem Platz hat sich die Mannschaft gesagt: Jetzt erst recht“, berichtete Jermaine Jones nach dem siebten Pflichtspiel der Schalker ohne Niederlage. Während die „Königsblauen“ als Vierte wieder oben mitmischen, wird es nach 175 Tagen ohne Heimsieg für das Schlusslicht aus Cottbus immer düsterer.

Strahlen konnte dagegen Christoph Daum, der mit dem 1. FC Köln 3:1 bei seinem Ex-Club VfB Stuttgart gewann. „Dies sind Zusatzpunkte, die uns helfen, das Ziel Klassenerhalt zu realisieren“, sagte der Trainer, der 1992 mit den Schwaben den Titel geholt hatte. Gegen Köln waren die Stuttgarter weit von einer meisterlichen Form entfernt. „Irgendetwas werden wir verändern, wir werden sicher nicht zur Tagesordnung übergehen“, kündigte VfB-Sportdirektor Horst Heldt an.

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