Meerrettich – das „bayrische Penicillin“

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 Eine Meerrettich-Wurzel treibt Blätter aus.
Eine Meerrettich-Wurzel treibt Blätter aus. (Foto: Archiv: Judith Engst)
Schwäbische Zeitung

Spaichingen - In der Serie „Heilsame Natur“ stellt Heilpraktiker Helmut Gruner diesmal eine Heilpflanze vor, die die meisten vor allem als scharfes Würzmittel kennen

Wer Meerrettich zerschneidet oder raspelt kennt die Wirkungen: die Augen tränen, die Nase läuft, die Wangen röten sich. Schuld daran sind die Scharfstoffe der Wurzel, die vielen Speisen erst das nötige Etwas geben. Auch wenn Meerrettich in erster Linie an ein Küchengewürz oder eine Beigabe zu Fleisch und Fisch denken lässt, hat er auch in der Medizin eine lange Tradition.

Die Kommission E hat die Wirkung bei Katarrhen der Luftwege und bei leichten Infekten der Harnwegevoll anerkannt. Das reizende Öl aus dem Meerrettich hilft bei leichten Muskelschmerzen und Krämpfen. Auch eine träge Verdauung bringt man mit Meerrettich wieder auf Trab.

Meerrettich ist seit der Antike als Heilpflanze und später auch als Küchengewürz bekannt. Sein japanischer Verwandter mit dem Namen Wasabi wird in der asiatischen Küche häufiger verwendet, weil er noch schärfer ist als sein europäisches Gegenstück.

Seine verschiedenen Namen wie Kren, Fleischwurzel, Pferderadi, Bauernsenf, Rachenputzer oder Scharfwurz weisen auf seine mannigfaltige Verwendung hin. Die Inhaltsstoffe wie Glycosinolate, Senföle, Aminosäuren, Aspargen und Arginin und brennbares ätherisches Öl erweitern sein Wirkungsspektrum. In der kalten Jahreszeit sind seine Cumarine und die Vitamine C, B1, B2, B6, Flavonoide (Quercetin) und Mineralstoffe sowie Asparagin und Glutamin, organisch fixierter Schwefel und die Meerrettich-Peroxidase äußerst wichtig, um uns gesund zu erhalten.

Die Inhaltsstoffe Vitamin C und Kalium, Kalzium, Magnesium, Eisen und Phosphor sowie die ätherischen Öle und die Enzyme helfen mit, uns in der kalten Jahreszeit gesund zu erhalten.

Durch den scharfen Geschmack kommt es zur Anregung von Magensaft, Gallensäure und einer appetitsteigernden Wirkung. Nachgewiesen ist eine direkte krampflösende Wirkung auf die glatte Muskulatur der inneren Organe. Die Senföle sind fettlöslich und werden gut im Dünndarm aufgenommen. Im Blutkreislauf werden sie dann durch Bindung an Proteine transportiert, bis sie in Harnwegen und Lungen ihre volle Wirkung entfalten können. Dort wirken sie antibakteriell, indem sie Enzyme der Bakterien hemmen, die den Stoffwechsel von Mikroorganismen stören.

Da die Senföle bereits im Dünndarm resorbiert werden, im Gegensatz zu Antibiotika, bleibt die Dickdarmflora unbeeinflusst. Auch die Flavonoide haben eine antibiotische Wirkung gegen Viren und Pilze (Candida albicans).

Äußerlich angewendet fördert die Meerrettichwurzel die Durchblutung des Muskelgewebes

Im Tierversuch ließ sich eine direkte spasmolitische (krampflösende) Wirkung , z.B. im Magen-Darm-Trakt, an Gefäßen und Bronchien nachweisen.

Ebenso ließen sich in Tierversuchen die Glucosinulate und deren Abbauverbindungen gegen Speiseröhren-, Magen-, Leber-, Brust- und Lungenkrebs nachweisen. Diese Tierversuche sind jedoch zum jetzigen Zeitpunkt ungeeignet und bedürfen einer weiteren Erforschung.

Für die menschliche Behandlung soll dies niemals ein Ersatz der Schulmedizinischen Behandlung sein, sondern lediglich ein Ansatz auf naturheilkundlicher Basis.

Die Wirkungen machte man sich zunutze und hat in hochkonzentrierter Form Tabletten hergestellt, die bei Blasenentzündung und Atemwegsbeschwerden sehr hilfreich sind.

Nach dem Verzehr von 10 – 25 g Wurzel waren nach 1-3 Stunden Substanzen im Harn nachweisbar, die das Wachstum von Bakterien im Darm und in der Blase verhindern können.

Die Verwendung von Meerrettich pflegten unsere Vorfahren schon seit mehr als 1000 Jahren. Hildegard von Bingen schrieb zu ihrer Zeit: „ So du Schmerzen an der Lunge und am Herzen hast, nehme nach dem Essen das Pulver von getrockneten Blättern und gleichen Teilen Galgant. Tue dies über längere Zeit mit warmem Wein oder warmem Wasser. Trinke es bis Du geheilt bist“.

Im Mittelalter gab es eine ganze Liste von Krankheiten, gegen die der Kren verabreicht wurde, wie z.B. Vergiftungen, Ohrenweh und Dreitage-Fieber. Heutzutage wird Meerrettich verwendet, um die Abwehrkräfte zu stärken und uns vor Erkältungskrankheiten zu schützen. Besonders im Herbst, wo Grippe und Harnwegsinfektionen um sich greifen wirkt er zusätzlich anregend auf den Blutkreislauf, hustenlösend. Ein Breiumschlag kann bei Rheuma, Gicht und Ischias, sowie Nervenschmerzen angewendet. Auch bei Kopfschmerzen kann es helfen.

In der TCM (traditionelle chinesische Medizin) ist die thermische Zuordnung heiß, die zugeordneten Organe sind Herz, Lunge und Magen. Kren nährt das Yang und vertreibt feuchte Kälte in Lunge und Dickdarm, auch im unteren Erwärmer. Er aktiviert das Qi, besonders hilfreich bei Asthma, Bronchitis, Neuralgien und Müdigkeit.

Der Meerrettich enthält auch schwefelhaltige Substanzen, welche auch im Knoblauch vorkommen, wie z.B. Allicin und Sinigrin. Dies sind ebenfalls probate Mittel bei Rheuma und Gicht.

Neben dem geriebenen Meerrettich zu kalten Speisen wie Räucherfisch oder auch Wurstplatten, findet in Franken die Meerrettichsoße zum gekochten Rindfleisch ihren Platz. Auch zum gedünsteten Fisch passt eine Meerrettichcreme, die den Genuss verstärkt , das Immunsystem fit macht, Erkältungen vorbeugt und sich hustenlösend in der kälteren Jahreszeit bemerkbar macht.

Meerrettichwurzel kann man im Kühlschrank in einem Glasbehälter bis zu 1 Jahre (bei hoher Luftfeuchtigkeit) aufbewahren.

Alte Hausrezepte:

Bei Verstopfung nimmt man ½ Teelöffel geriebenen Meerrettich in warmer Milch ein.

Bei Blasenentzündung und Husten die frische Wurzel fein reiben und mit der gleichen Menge Honig versetzen. Davon nimmt man 3 x täglich einen Teelöffel .

Rezepte für die Gesundheit:

Krentinktur:

Eine kleingeschnittene Wurzel mit ¼ l reinem Alkohol ansetzen. 8 Tage stehen lassen, abfiltern und tropfenweise auf Zucker einnehmen. Das ist eine Anregung für die Arbeit der Verdauungsorgane. Wenn man diese Tinktur äußerlich anwenden möchte, dann muss man sie im Verhältnis 1:2 mit Wasser verdünnen.

Krenwein:

2 Esslöffel geriebener Kren werden mit 0,75 gutem Weißwein angesetzt und 8 Tage stehen gelassen. Danach abfiltern und den Wein nach fetten Mahlzeiten Esslöffelweise zu sich nehmen.

Meerrettich in Essig:

Mehrere größere Wurzeln waschen, schälen und im Mixer zerkleinern oder mit der Küchenmaschine reiben. Den geriebenen Meerrettich in kleinere Schraubgläser lose einfüllen, jeweils ¼ l Essig mit 1 Teelöffel Salz verrühren, bis das Salz sich aufgelöst hat. Den gesalzenen Essig über den Meerrettich gießen und darauf achten, dass alles gut bedeckt ist. Die Gläser verschließen und bis zum Gebraucht mindestens 4 Wochen warten. Eine bekannte Beilage zu Geselchtem, Speck, gebratenem Fleisch, jedoch auch zu fettem Fisch.

Wohl bekomms…

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