Markus Babbel: Auf dem Platz will ich gewinnen

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Deutsche Presse-Agentur

Mit dem Südschlager gegen seinen Ex-Verein Bayern München und dem letzten UEFA-Cup-Gruppenspiel gegen Standard Lüttich endet für Markus Babbel die Fünf-Spiele-Bewährungsfrist als neuer Teamchef des VfB Stuttgart.

„So ein Wechsel ist erst einmal auch ein Aha-Effekt“, sagte der vor knapp drei Wochen zum Nachfolger von Armin Veh beförderte Babbel im Interview der Deutschen Presse- Agentur dpa. Nach zwei Siegen in zwei Spielen in der Fußball- Bundesliga will sich der Trainer-Neuling auch beim Wiedersehen mit dem FC Bayern nicht vom Erfolgskurs abbringen lassen.

Welche Unterschiede sehen Sie zwischen den Bayern und dem VfB?

„Viele Titel. Das ist einfach der Anspruch des FC Bayern, den er sich über Jahrzehnte angeeignet hat. Dieser Anspruch wird immer wieder auch an die Spieler weitergegeben. Stuttgart hat eben seinen eigenen Stil, seinen eigenen Charme. Bayern ist da einfach voraus. Die können Transfers stemmen, wie wir es nicht können, und haben auch den Mut dazu.“

Was bedeutet Ihnen die Zeit beim FC Bayern?

„Das sind tolle Erinnerungen. Ich habe ja insgesamt 16 Jahre dort gespielt. Das ist schon eine prägende Zeit für mich gewesen mit vielen Erlebnissen, positiv wie negativ. Da war alles dabei.“

Woran denken Sie dabei besonders gern?

„Höhepunkte waren natürlich die deutschen Meisterschaften mit Ottmar Hitzfeld, die Pokalsiege, das Champions-League-Finale, das wir leider verloren haben. Negativ war die Pizza-Affäre um Mario Basler und Sven Scheuer, die auch der Mannschaft wehgetan hat. Als die zwei Spieler entlassen wurden, war das eher keine schöne Zeit.“

Haben Sie noch Kontakt zu Bayern-Trainer Jürgen Klinsmann, mit dem sie einst zwei Jahre in München zusammen spielten?

„Er hat mir eine SMS geschickt, als ich als Teamchef angefangen habe, und hat mir dazu gratuliert. Letzte Woche haben wir mal telefoniert und einige Dinge locker-leicht besprochen. Es ist einfach schön zu sehen, dass er auch über den Tellerrand hinausschaut.“

Klinsmann gilt als Reformer. Wie würden Sie Ihre Arbeitsweise beschreiben?

„Das ist ein Mix aus Neu und Alt. Man darf das Alte nicht grundsätzlich ablehnen. Wie es Felix Magath schon richtig gesagt hat, ist es oft auch eine Verkaufssache. Neues hört sich besser an, aber der Medizinball hat oft dieselbe Wirkung. Ich habe die Ohren immer offen für etwas Neues, aber man darf das Alte nicht schlechtreden. Ich stehe für einen Mix aus beidem.“

Mit welchem Rezept haben Sie die schnelle Trendwende beim VfB bewirkt?

„Wir haben versucht, den Jungs wieder klar zu machen, warum sie beim VfB Stuttgart sind: Weil sie sehr, sehr viel Qualität haben. Über unser Training wollten wir wieder ein Wir-Gefühl entfachen. So ein Wechsel ist erst einmal auch ein Aha-Effekt. Ich wollte andere Reize setzen, um aus dem anderen Trott herauszukommen.“

Mit welcher Vorgabe gehen Sie ins Heimspiel gegen den FC Bayern?

„Wenn ich auf den Platz gehe, will ich gewinnen. Nur weil der Gegner Bayern München heißt, gehe ich nicht raus und will nur einen Punkt holen. Das will ich den Jungs klar machen. Mit dieser Einstellung, mit diesem Selbstvertrauen muss ich einfach rangehen. Die Jungs sind gut, die haben Qualität und die müssen sie in die Mannschaft einbringen. Wir müssen es schaffen, als Mannschaft zu agieren und nicht vor dem großen Namen in Ehrfurcht zu erstarren.“

Inwiefern beschäftigen Sie sich mit der Frage, ob Sie als Teamchef beim VfB auch ohne den nötigen Trainerschein hinaus nach dieser Saison eine Zukunft haben?

„Überhaupt nicht. Ich konzentriere mich jetzt total auf die Spiele gegen Bayern München und Standard Lüttich. Das sind zwei unheimlich wichtige Spiele. Alles andere habe ich jetzt absolut beiseite gelegt, weil es mich nicht interessiert.“

Interview: Christian Hollmann, dpa

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