Mario Gomez: „Natürlich haben die Pfiffe wehgetan“

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Deutsche Presse-Agentur

Beim VfB Stuttgart ist Mario Gomez ein Torgarant. Nur in der deutschen Fußball-Nationalmannschaft will dem Stürmer kein Treffer mehr gelingen. Seit 643 Minuten wartet er auf ein Tor.

Nach einigen unglücklichen Aktionen beim 4:0 gegen Liechtenstein wurde der 23-Jährige von den eigenen Fans ausgepfiffen. „Ich weiß nicht, ob ich irgendetwas angestellt habe. Ich war mir sehr sicher, dass ich ein Tor mache, es sollte nicht sein. Wenn Du nicht die innere Sicherheit hast, ist es schwer“, sagte Gomez nach dem WM-Qualifikationsspiel in Leipzig.

Wie ist Ihre Gefühlslage nach diesem Spiel und den Pfiffen der eigenen Fans?

„Natürlich haben die Pfiffe wehgetan. Es ist klar, dass so was nicht gut tut. Wenn die mich persönlich auspfeifen, ist das nicht schön. Ich weiß, wie es ist, es wird auch wieder anders, wenn ich treffe, aber dafür muss ich jetzt mal den Ball über die Linie drücken.“

Wie erklären Sie sich Ihre Torflaute im DFB-Trikot?

„Das ist unerklärbar für mich. Ich mache nichts anders als im Verein. Ich trainiere auch hier gut. Ich schieße im Training viele Tore, aber sobald ich hier auf den Platz gehe, ist es ein bisschen verhext.“

Schon nach 17 Sekunden hatten Sie die erste Chance. Hatten Sie schon da ein ungutes Gefühl?

 „Im Gegenteil: Ich habe gedacht, ich bin im Spiel drin und es werden ein paar Gelegenheiten kommen. Es kamen die Gelegenheiten, aber der Ball war nie drin. Das ist bitter.“

Was haben Sie nach dem Abpfiff gedacht.

„Nichts. Leere. Es sollte wieder nicht sein.“

Kapitän Michael Ballack hat Sie nach den Pfiffen getröstet.

„Er hat nur gesagt, 'Komm, weiter, scheiß drauf'. Es ist ja letztlich so. Was soll ich davonlaufen. Das werde ich nicht tun. Ich bin ein Kämpfer und werde auch weiter kämpfen.“

Hat die Krise mit der vergebenen Großchance bei der EM gegen Österreich zu tun?

 „Das ist längst vorbei. Es hat halt seinen Lauf genommen. Es ist schwierig im Moment. Ich hatte ja die Möglichkeiten, treffe halt nicht.“

Sie haben praktisch eine Einsatzgarantie für das Wales-Spiel. Was werden sie für dieses Spiel ändern?

„Ich werde nichts anders machen als sonst. Ich weiß, dass ich es kann. Ich bin relativ ruhig, so lange ich sehe, dass ich noch Chancen habe.“

Von den Kollegen kommt Trost. Auch der Bundestrainer gibt Ihnen öffentlich Zuspruch.

 „Er hat mir gesagt, dass ich gegen Wales mein Tor mache. Die fühlen alle mit mir. Wir haben gewonnen eigentlich, wir können glücklich sein, doch bei mir ist eine Situation, die nicht glücklich macht. An was es liegt, kann ich mir nicht erklären.“

Aufgezeichnet von Arne Richter, dpa

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