Marcel Rein: Voll Integriert im Baumarktteam

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 Vollwertiges Mitglied im OBI-Team mit unbefristetem Arbeitsvertrag: Marcel Rein mit Janine Flörchinger und Fatma Tokalakoglu.
Vollwertiges Mitglied im OBI-Team mit unbefristetem Arbeitsvertrag: Marcel Rein mit Janine Flörchinger und Fatma Tokalakoglu. (Foto: Stiftung Liebenau)
Schwäbische Zeitung

Für Marcel Rein wird 2020 ein ganz besonderes Jahr, schreibt die Stiftung Liebenau in einer Pressemitteilung: Er hat einen unbefristeten Arbeitsvertrag bei OBI in Ravensburg erhalten. Schon im November war ihm damit der Sprung auf den sogenannten ersten Arbeitsmarkt gelungen, nach einem Praktikum und eineinhalb Jahren an einem betriebsintegrierten Arbeitsplatz, der formal einem Arbeitsplatz in der Werkstatt für Menschen mit Behinderung (WfbM) entspricht. Begleitet wurde der 33-Jährige auf diesem Weg vom Jobcoaching der Liebenauer Arbeitswelten (Stiftung Liebenau).

Von der kleinen Schraube bis zum Laminatboden, ist es Marcel Reins Aufgabe, die Artikel in die Regale einzuräumen. „Braucht ein Kunde Hilfe beim Einladen ins Auto, helfe ich ihm dabei“, berichtet der junge Mann von seinen Tätigkeiten in dem Baumarkt. Er ist im ganzen Geschäft unterwegs, hilft bei Umbauarbeiten, gibt vorbestellte Ware an die Kunden aus und weiß genau, wo welcher Handgriff gefordert ist. Ihm gefällt, dass er bei der Arbeit viel Abwechslung hat. Auch die mobile Dispositionseinheit ist für Marcel Rein längst kein Buch mit sieben Siegeln mehr. „Damit scanne ich die Ware direkt beim Einräumen und überprüfe sie auf Qualität und Menge.“

Voll des Lobes ist Janine Flörchinger, die bei seinem Arbeitgeber unter anderem für die Ausbildung zuständig ist. „Marcel Rein hat Freude an der Arbeit, er ist pünktlich und motiviert“, lobt Flörchinger. Außerdem habe er sich sehr gut ins Team integriert.

Von Anfang an war Fatma Tokalakoglu vom Jobcoaching der Liebenauer Arbeitswelten als Ansprechpartnerin für Marcel Rein und seinen Arbeitgeber tätig. Gemeinsam formulierten sie nach dem Praktikum Zielvereinbarungen, damit der Schritt auf den ersten Arbeitsmarkt gelingen konnte. Wichtig sei die 18-monatige Übergangszeit mit betriebsintegriertem Arbeitsplatz gewesen, in der der Arbeitgeber deutlich geringere Lohnkosten zu tragen habe, berichtet Janine Flörchinger. „In dieser Zeit konnten wir erproben, ob er die volle Arbeitszeit leisten kann und ob der Schichtdienst gelingt.“ Fatma Tokalakoglus Arbeit mit Marcel Rein endete mit der Unterzeichnung des festen Arbeitsvertrags. Begleitet wird der junge Mann, der 2016 von Thüringen nach Ravensburg gezogen ist, nun vom Integrationsfachdienst. Die nächsten Ziele hat er bereits im Blick: Den Staplerschein und eine eigene Wohnung.

Aktuell absolvieren 35 Menschen Praktika oder haben bereits einen betriebsintegrierten Arbeitsplatz in der Gastronomie, im Einzelhandel, als Stationshilfe, in der Bäckerei, auf dem Pferdehof und in vielen anderen Branchen. Drei Teilnehmer stehen im Moment an der Schwelle zur Integration in den ersten Arbeitsmarkt, dem Ziel des Jobcoachings. Stellt jemand fest, dass die Arbeit in einer herkömmlichen Werkstatt für Menschen mit Behinderungen doch besser zu ihm passt, ist das völlig in Ordnung.

Als niederschwelliges Angebot im Sinne des Wunsch- und Wahlrechts sollen die Menschen Gelegenheit haben, sich zu orientieren und verschiedene Dinge auszuprobieren.

Für Menschen mit Behinderungen eignen sich besonders einfache und zeitintensive Routineaufgaben, die die anderen Mitarbeiter entlasten. Findet ein Mensch einen betriebsintegrierten Arbeitsplatz wird er, ebenso wie das Unternehmen, von Jobcoaches der Liebenauer Arbeitswelten unterstützt. Die Bezahlung erfolgt nach Leistung. Gemeinsam werden individuelle Lösungen ausgearbeitet.

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