Maradonas Trainer-Debüt an historischer Stätte

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Deutsche Presse-Agentur

Fast 100 Kicker aus der Bundesliga sind bei den Länderspielen im Einsatz, doch das Trainer-Debüt eines Einzelnen überstrahlt alles: Diego Maradona nimmt in Glasgow erstmals als Nationalcoach Platz Argentiniens Bank - an einer für ihn historischen Sportstätte.

Denn im Hampden Park erzielte der damals 18 Jahre junge Diego Armando am 2. Juni 1979 beim 3:1-Erfolg seinen ersten Länderspiel-Treffer für Argentinien. 33 weitere Tore in 91 Länderspielen sollten folgen und machten die „Gauchos“ mit Maradona als Führungsfigur zu einer der besten Mannschaften der Welt. Als Nachfolger des glücklosen Alfio Basile will er als Trainer mit seinem Team an alte Erfolge anknüpfen.

24 Jahre nach seinem größten Triumph als Spieler will Maradona auch als Trainer mit Argentinien Weltmeister werden. „Mein Ziel ist es, in Südafrika als Erster im Ziel zu sein. Was heißt hier, unter den ersten Vier? Das gefällt mir gar nicht“, sagte der 48-Jährige am Dienstagabend auf seiner ersten Pressekonferenz als Nationaltrainer in Glasgow. „Es wird sehr viele Veränderungen geben“, kündigte Maradona vor seinem Debüt an, sowohl „im Taktischen als auch personell“. Zuerst wolle er „die Herzen der Spieler erreichen“ - bei der WM 2010 in Südafrika will er dann den Titel.

„Wir müssen wieder zeigen: Hier kommt nicht irgendeine Elf dahergelaufen“, hatte der Weltmeister von 1986 schon vor seinem ersten Medienauftritt gefordert. Am Mittwochabend gegen die heimstarken Schotten wäre er „schon zufrieden, wenn ich diesen Mentalitäts- und Gefühlswechsel bei den Spielern sehen würde“, meinte Maradona, dem Auftritte wie das enttäuschende 0:1 gegen Chile überhaupt nicht gefallen haben: „Das entsprach nicht der Geschichte unseres Trikots.“

Aus seiner Aufstellung macht der Nationaltrainer-Novize ein Geheimnis. Fest steht, dass er auf zwei seiner wichtigsten Kräfte verzichten muss. Spielmacher Juan Roman Riquelme, der laut Maradona „in Zukunft meine Nummer 10 tragen wird“, spielt mit den Boca Juniors Buenos Aires um die argentinische Meisterschaft und fehlt ebenso wie Jungstar Lionel Messi. Mit dessen Club FC Barcelona war als Dank für die Olympia-Freistellung in Peking schon lange vereinbart worden, dass Messi eine Länderspiel-Pause erhält.

Ohne beide Asse läutete der einstige Mittelfeldstar im Celtic Stadium die neue Ära ein und leitete erstmals seit seiner Ernennung Ende Oktober eine Trainingseinheit der Argentinier. Anders als sonst in der Öffentlichkeit agierte Maradona sehr zurückhaltend, gab kaum Gesten oder Kommentare und wirkte überaus konzentriert. „Es war nur ein erstes Abtasten mit den Spielern. Natürlich, ich kenne sie, aber ich muss spüren, wie sie drauf sind“, berichtete Maradona.

Weltmeister Italien fordert mit Luca Toni in Piräus Otto Rehhagels Griechen heraus. „Wir wollen einen erfolgreichen Jahresabschluss“, sagte der Torjäger des FC Bayern München, dessen Club-Kollege Franck Ribéry mit Frankreich in Paris Uruguay herausfordert. Europameister Spanien will in Villarreal gegen Chile seinen zwei Jahre und 27 Spiele anhaltenden Nimbus der Unbezwingbarkeit bewahren. Und auch die EM-Gastgeber des Sommers präsentieren sich noch einmal den eigenen Fans: Österreich empfängt in Wien die Türkei und die Schweiz mit Coach Ottmar Hitzfeld trifft in St. Gallen auf Finnland.

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