Ein voller Efgolg: das Dreierkonzert der Musikvereine im Deggenhausertal. (Foto: mw)

Geografisch zählt das Deggenhausertal zum „Hinterland“ des Bodensees. Aber nur geografisch. Musikalisch spielt die gleichnamige Gemeinde in der ersten Liga. Das bewiesen mehr als 180 aktive Mitglieder der drei ortsansässigen Musikvereine bei ihrem Gemeinschaftskonzert in der Alfons-Schmidmeister Halle.

Die war an diesem Abend fast bis zum letzten Platz gefüllt. Denn die Veranstaltung setzte gleichzeitig den musikalischen Schlusspunkt zu den Feierlichkeiten zum 40. Geburtstag der Gemeinde Deggenhausertal. Die aus sechs Ortsteilen bestehende Kommune entstand 1972 durch einen freiwilligen Zusammenschluss. Die Tradition der Gemeinschaftskonzerte reicht in das Jahr 1980 zurück. Bei rund 4200 Einwohnern von denen sich rund fünf Prozent in vier Orchestern engagieren, kann die Kommune durchaus als musikbegeistert bezeichnet werden.

Dieses Engagement habe mit zum Zusammenwachsen der Menschen beigetragen, lobte Bürgermeister Knut Simon in seiner Begrüßung. Ein Miteinander bedeute nicht Einheitsbrei sondern „Individualismus unter einem Dach“. Dass dies hier gelungen sei, zeige die erstmalige Mitwirkung der Jugendkapelle Deggenhausertal, deren Mitglieder aus allen Ortsteilen kommen.

Otto Kopp, Vorsitzender der Musikkapelle Deggenhausen-Lellwangen, begrüßte im Namen der Vereine die Zuhörer und Ehrengäste. Er stellte die provokante Frage: Können Sie sich vorstellen, dass es in der Gemeinde keine Kapellen mehr gibt? „Um diesem musikalischen Notstand vorzubeugen, bat er das Publikum: „Unterstützen Sie unsere Kapellen das ganze Jahr und begeistern Sie Kinder und Jugendliche für unsere Vereine, damit es so bleibt!“ Als Motto für den Abend gab er den Gästen ein Zitat mit auf den Weg: „Musik ist Balsam für die Seele und Erholung für den Geist“.

Den musikalischen Reigen eröffnete die Jugendkapelle Deggenhausertal unter Leitung von Benjamin Ludwig. Das 1998 gegründete Nachwuchsorchester begann schwungvoll mit dem bekannten Stück „Anchors Aweigh“ und zeigte mit „Songs of Wales“, dass es auch die leisen Töne beherrscht. Es folgten Alexander Borodins Andante und als Zugabe Concerto d´Amore. Insgesamt eine sehr gediegene Auswahl an Stücken.

Unter dem aus Moskau stammenden Dirigenten Mikhail Protsenko präsentierten die Mitglieder des 1924 gegründeten Musikvereins Homberg-Limpach ein Feuerwerk an brillant vorgetragenen Melodien. Die Bandbreite reichte von Kees Vlaks Concert Fanfare über die anspruchsvollen Stücke „Contrasts of Life“ und „Adventure“ bis zu Smetanas Moldau. Den krönenden Abschluss bot der von Dirigent Protsenko selbst arrangierte mitreißende altrussischen Marsch „Toska po Rodine“.

Der Musikverein Deggenhausen-Lellwangen, der vergangenes Jahr sein 125-jähriges Bestehen feiern konnte, setzte an diesem Abend auf Tanz- und Unterhaltungsmusik. Unter Leitung von Rainer Geister startete das Orchester mit „Bigband Specials“ gefolgt von einem „Rock-Medley“. Daran schloss sich mit „Once upon a Time in the West“ eine anspruchsvolle Filmmusik an, die das Orchester mitunter an seine Grenzen führte. Den Abschluss bildete mit „Selections from Starlight Express” ein Ausflug in die Welt des Musicals.

Den Schluss, aber beileibe nicht das Schlusslicht des „musikalischen Quartetts“, bildete der Musikverein Roggenbeuren. Dessen Mitglieder präsentierten unter ihrem Dirigenten Herbert Mayer ein mitreißendes Programm. Der hatte mit seinem Orchester zum Auftakt die beschwingten Stücke „Welcome to the Music“ und „The new Village“ einstudiert. Letzteres überzeugte besonders durch seine perfekt gespielten Tempowechsel. Furios präsentiert, der „Piratentanz“. Das offizielle Schlussstück vor der Zugabe bildete „Marcia Augustana“.

Blieben beim Publikum was die Musik betraf keine Wünsche offen, wären beim kulinarischen Programm – das sich auf Saitenwürste und Fischbrötchen beschränkte - vielleicht noch ein paar Steigerungen möglich gewesen.

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