„Münchner Kindl“ Babbel will Bayern stoppen

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Deutsche Presse-Agentur

„Nur weil der Gegner Bayern München heißt, gehe ich nicht raus und will nur einen Punkt holen“, sagte der Teamchef des VfB Stuttgart vor dem Wiedersehen mit seinem früheren Arbeitgeber am letzten Spieltag der Bundesliga-Hinrunde. Mit bayrischer Siegermentalität hat Armin Vehs Nachfolger die kriselnden Schwaben zurück auf Kurs gebracht. Auch von der Mannschaft seines früheren Münchner Kollegen Jürgen Klinsmann und der Debatte um seinen fehlenden Trainerschein will sich Babbel nicht aus der Spur drängen lassen.

„Er ist ein sympathischer Typ und es freut mich sehr, wenn er erfolgreich ist“, meinte Bayern-Manager Uli Hoeneß vor dem Süd-Schlager in der ausverkauften Mercedes-Benz Arena ungewohnt zurückhaltend. Für 90 Minuten aber lässt der vor knapp drei Wochen zum VfB-Teamchef beförderte Babbel die alte Freundschaft ruhen. Seine Mannschaft werde „nicht vor dem großen Namen in Ehrfurcht erstarren“, versprach der 36-Jährige.

Von seiner Zeit an der Säbener Straße jedoch schwärmt Babbel noch heute: „Das sind tolle Erinnerungen. Da war alles dabei.“ Als Achtjähriger kam er zum FC Bayern, insgesamt 182 Mal trug der Abwehrspieler in der Bundesliga das Trikot der Münchner. „Höhepunkte waren natürlich die deutschen Meisterschaften mit Ottmar Hitzfeld, die Pokalsiege, das Champions-League-Finale, das wir leider verloren haben“, sagte der 51-malige Nationalspieler.

Zwei Jahre spielte er bei den Bayern an der Seite von Klinsmann. Gemeinsam gewannen sie den UEFA-Cup, die deutsche Meisterschaft und wurden 1996 mit der Nationalelf Europameister. Als Babbel beim VfB den entlassenen Meistertrainer Veh beerbte, gratulierte Bayern-Coach Klinsmann per SMS. Den Reformstil seines einstigen Weggefährten aber will Babbel nicht kopieren. „Neues hört sich besser an, aber der Medizinball hat oft dieselbe Wirkung“, erklärte der Vater von vier Kindern. Der schnelle Erfolg gibt ihm recht. Nach Siegen gegen Schalke und in Cottbus erhielt er einen Vertrag bis Saisonende. Ob er jedoch auch in der Rückrunde die sportliche Verantwortung tragen wird, ließ der VfB bislang offen.

Längerfristig scheint ihm die Zukunft als Teamchef ohnehin verbaut. Trotz seiner beeindruckenden Spieler-Karriere in der Bundesliga und der englischen Premier League darf er ohne den erforderlichen Trainerschein in der kommenden Saison nicht mehr als Chef auf der Bank sitzen. „Diese Teamchef-Lösungen, die es schon häufiger gab, sind nur ein Bluff“, urteilte Matthias Sammer, Sportdirektor des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). Auch Babbel müsse daher spätestens in der neuen Saison zum elfmonatigen Trainer- Lehrgang in Köln antreten, betonte Sammer.

Der VfB will sich damit nicht abfinden. Sportdirektor Horst Heldt sieht das Prinzip der freien Arbeitsplatzwahl unzulässig eingeschränkt und fürchtet: „Wir müssen dann vielleicht einen Trainer holen, den wir gar nicht haben wollen, weil keiner auf dem Markt ist.“ Für Babbel hingegen zählt nur das Jetzt mit den schweren Heimspielen gegen die Bayern und gegen Standard Lüttich im UEFA-Cup fünf Tage später: „Alles andere habe ich jetzt absolut beiseitegelegt, weil es mich nicht interessiert.“

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