Mönche in Tibet: „Wir haben keine Freiheit“

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Deutsche Presse-Agentur

„Der Dalai Lama“, zeigt der Mönch stolz auf das große Foto des religiösen Oberhauptes der Tibeter auf dem Altar im Rongwo Kloster. Ob es nicht Probleme gebe, wenn ein Porträt des exilierten Führers der Tibeter so offen aufgestellt werde?

Der Mönch lächelt nur nervös, verschwindet aus der Gebetshalle. Das Kloster nahe Xining in der chinesischen Provinz Qinghai ist zum tibetischen Neujahrsfest voll mit Pilgern, die große Gebetsmühlen drehen und sich vor den Buddhafiguren, den Bildern des Dalai Lama und anderer tibetischer Würdenträger verbeugen. Sonst aber kein Zeichen von Feierlichkeiten zum Neujahrsfest. Im Gedenken an die Opfer der Unruhen vor genau einem Jahr hatte der Dalai Lama erklärt, es sei „sicher nicht die Zeit für die üblichen Feiern und Heiterkeit“.

In einem Hof streckt ein älterer Mönch den Kopf aus einem Fenster und ruft den ausländischen Besucher auf Englisch mit „Komm her“ in einen Raum. Dessen Ofen wird mit Yak-Ochsen-Dung und Kohlengrus befeuert wird. „Wir leben kein glückliches Leben. Wir haben keine Freiheit“, sagt der Mönch auf Chinesisch. „Wir feiern das Neujahrsfest nicht“, demonstriert er zivilen Ungehorsam. Er stellt zwei jüngere Mönche vor, die kaum Chinesisch können und mit ihm auf Tibetisch reden. „Sie sagen, dass sie sich nicht trauen, die Wahrheit zu sagen“, übersetzt der ältere Mönch. Ihnen sei von Funktionären aufgetragen worden, immer nur „Alles ist in Ordnung“ zu sagen.

Das Kloster liegt neben der Kreishauptstadt von Tongren, das die Tibeter Rebkong nennen. Sehr früh waren hier vor einem Jahr im Februar schon Proteste ausgebrochen, als Mönche des Klosters und andere Tibeter gegen die Störung einer religiösen Zeremonie durch paramilitärische Polizei demonstrierten. Die Polizei schoss Tränengas in die Menge und nahm mehr als 200 Teilnehmer an dem Protest fest, wie exiltibetische Gruppen berichteten. Am 10. März 2008, dem Jahrestag des Aufstandes der Tibeter gegen die Chinesen von 1959, brachen dann in Lhasa die Unruhen aus, die sich auch in andere tibetisch bewohnte Regionen ausbreiteten. Danach seien hier im Umfeld des Klosters weitere 100 Tibeter festgenommen worden.

Mit einer „patriotischen Erziehungskampagne“ werden die Mönche jetzt auf Linientreue zur Partei eingeschworen. Agenten beobachteten die Vorgänge im Kloster, schildern die Mönche. Viele, die in die benachbarte Kreisstadt wollten, würden von Polizei angehalten und durchsucht. Einer der beiden jungen Mönche hat auf dem Unterarm dünne blaue Linien von einer Tätowierung, die er sich selbst in die Haut geritzt hat. Die Frage auf Chinesisch, was es darstellt, versteht er nicht. „Es bedeutet „Befreit Tibet“ auf Tibetisch“, antwortet der ältere Mönch für ihn. Er wird nervöser, sein Gesicht rötet sich vor Aufregung. Immer wieder schaut er aus dem Fenster, ob jemand kommt.

Einer der beiden jüngeren Mönche legt die Handgelenke übereinander, als wenn er Handschellen angelegt bekommt. Dann hält er die Hände wie gebunden hinter den Rücken, um zu demonstrieren, was ihm blühen würde, wenn die chinesische Polizei wüsste, was er hier dem Ausländer erzählt. Die massive Sicherheitspräsenz und die Durchsuchung von Passanten auf der Straße wird nach ihrer Ansicht vielleicht verhindern, dass es um den 50. Jahrestag der Niederschlagung des Aufstandes von 1959 zu neuen Protesten kommen wird. „Ich denke nicht, dass es welche geben wird, weil es so strenge Kontrollen gibt“, sagt der ältere Mönch.

Erste Proteste regen sich aber schon. In Aba in der Provinz Sichuan setzte sich ein Mönch selbst in Brand, überlebte nach amtlichen Angaben allerdings. Auch in Ganzi in Sichuan wurden 16 Tibeter festgenommen, die mit der tibetischen Flagge und Porträts des Dalai Lama demonstrierten. In Guinan (Tibetisch: Mangra) in Qinghai sollen auch mehr als 100 Mönche protestiert haben. Viele weitere, kleine Proteste zeigten „die Tiefe der Abneigung“ der Tibeter gegen die Chinesen, sagte Matt Whitticase von der in London ansässigen Organisation Free Tibet Campaign. „Die Tibeter widersetzen sich friedlich und dieser Widerstand beginnt, sich auszubreiten.“

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