Männer-Bundesligisten entdecken den Frauenfußball

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Deutsche Presse-Agentur

Der FC Bayern München Erstliga- Spitzenreiter, der Hamburger SV im Mittelfeld, der VfL Wolfsburg dahinter und 1899 Hoffenheim vielleicht die Mannschaft der Zukunft - und das alles im Frauenfußball.

Jahrzehntelang spielten die Kickerinnen bei den Männer-Bundesligisten keine Rolle, jetzt haben die Clubs sie entdeckt. Vom FC Bayern über Bayer Leverkusen bis hin zu Borussia Mönchengladbach wird umgedacht. Schließlich naht die Frauen-WM 2011 im eigenen Land. „Mich freut besonders, dass man auch in den Bundesliga-Clubs wertzuschätzen beginnt, was Mädchen und Frauen am Ball können“, sagt DFB-Präsident Theo Zwanziger.

Viele Erstligisten emanzipieren sich: Das Frauenteam des FC Bayern steht in der Bundesliga-Tabelle noch vor Titelverteidiger und UEFA- Cup-Sieger 1. FFC Frankfurt. In Hoffenheim investiert Milliardär Dietmar Hopp nicht nur in die Truppe von Ralf Rangnick, sondern auch in den Mädchen- und Frauenfußball. Den koordiniert dort Ralf Zwanziger, der Sohn des DFB-Bosses. Vor allem die WM-Gastgeber wie Hoffenheim, das in Sinsheim ein Stadion auch für 2011 baut, wollen die Gunst der Stunde nutzen.

Gutes Beispiel dafür ist auch Borussia Mönchengladbach. „Wir haben den Frauenfußball auf professionellere Beine gestellt und einen Koordinator eingestellt“, sagt Pressesprecher Markus Aretz und fügte hinzu: „Wir haben gemerkt, dass sich auf diesem Gebiet viel tut. So ist der Anteil der weiblichen Zuschauer höher geworden. Und der Zulauf beim Mädchenfußball wird immer größer.“

Auch Bundesligist HSV hat extra einen Projektleiter. Bayer Leverkusen übernahm vor dieser Saison das komplette Team des TuS 1874 Köln und ist gleich in der 2. Liga eingestiegen. Bei Werder Bremen gibt es im zweiten Jahr Frauenfußball, Zwanziger hatte das mit angestoßen: „Man darf nicht vergessen, dass es auch hier die Möglichkeit für einen Club gibt, deutscher Meister im Fußball zu werden.“

Auch beim Karlsruher SC, bei Eintracht Frankfurt - trotz des übermächtigen Stadtrivalen 1. FFC -, Hannover 96 und Energie Cottbus kickt das weibliche Geschlecht. Bei Arminia Bielefeld sogar schon seit mehr als 30 Jahren, doch lange waren die Spielerinnen dort so angesehen wie andernorts die Frauenquote. „Am Anfang hatten wir keine Trainingsmöglichkeiten, vor sieben Jahren standen wir kurz vor der Auflösung. Aber mittlerweile ist die Akzeptanz riesig, weil man die Medienwirksamkeit erkannt hat“, sagt Abteilungschef Michael Joachim. Vor drei Jahren gab es erstmals für alle Mannschaften eine komplette Ausrüstung, jetzt bezahlt der Club sogar Ablösesummen für Neuzugänge aus der 2. Liga. Dort wollen die Bielefelderinnen bis 2011 spielen.

Wenigstens Kooperationen mit benachbarten Frauen-Mannschaften haben bisher der FC Schalke 04 und der VfL Bochum. Eine Männerwelt für sich verkörpern nur noch der VfB Stuttgart, Hertha BSC, Borussia Dortmund und der 1. FC Köln. Für Zwanziger ist es auch nicht nötig, „dass jeder Bundesliga-Club Frauenfußball anbietet. Aber es ist gut, wenn sich immer mehr dieser Frage annehmen.“ Der DFB-Chef möchte nicht, dass die finanzstarken Erstligisten die gewachsenen Strukturen im Frauenfußball gefährden: „Wir wollen ein Nebeneinander zwischen ehrlich interessierten Männer-Bundesliga-Vereinen, die Frauenfußball wollen und fördern, und den klassischen Clubs wie 1. FFC Frankfurt, FCR Duisburg oder Turbine Potsdam.“

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