LZ-Serie zur Stadtentwicklung: Die Bahn AG will den Festlandbahnhof unbedingt

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Redaktionsleiter

Warum will denn die Stadt den schönen Bahnhof nicht mehr auf der Insel haben?

So ist die Frage falsch gestellt. Richtig müsste sie so lauten:

Warum will die Bahn AG den Bahnhof aufs Festland verlegen?

Denn nicht Stadtrat oder Verwaltung in Lindau sind hier tätig geworden, sondern die Bahn AG verfolgt seit Mitte der 90er Jahre den Plan für einen neuen Bahnhof auf dem Festland. Wobei man der Vollständigkeit halber hinzufügen muss, dass in der 60er Jahren die Stadt Lindau entsprechende Forderungen an die damalige Bundesbahn gestellt hatte. Schon damals standen Bahnhof und Schienen einer vernünftigen Entwicklung der Hinteren Insel entgegen. Außerdem war es die Zeit, als die Städte bei ihren Planungen sowieso fast ausschließlich aufs Auto setzten.

Nachdem das Thema immer wieder abwechselnd hochkochte und einschlief, stellten Bahnmanager Mitte der 90er Jahre ihre Pläne für einen Festlandbahnhof vor. Im April 1997 stellte der damalige Bahnchef Heinz Dürr mit Bayerns Verkehrsminister Otto Wiesheu und OB Jürgen Müller die Pläne vor: Der Bahnhof sollte in Reutin oder beim Karl-Bever-Platz neu gebaut werden. Als Gründe wurden eine schnellere Fahrzeit der Züge zwischen München und Zürich angegeben sowie die Chance für die Stadtentwicklung, wenn auf der Insel zehn Hektar Flächen frei werden und in Reutin sogar 25. Die Bahner machten von Anfang an kein Hehl daraus, dass sie Bahnhofsgebäude und Grundstücke an Investoren verkaufen wollen, auch um den Neubau zu finanzieren.

Es folgte ein längeres Hin und Her im Lindauer Stadtrat. Gegner und Befürworter des Projektes hielten sich die Waage. Auch die Bürgerschaft war geteilter Meinung, wenn es auch – wie Leserbriefe und verschiedene Umfragen und ähnliche Aktionen der LZ beweisen – eine leichte Mehrheit dafür gab, den Bahnhof auf der Insel zu lassen. Im Stadtrat gipfelte das im Juli 1999, dass die Räte den Reutiner Bahnhof mit 15:15 Stimmen ablehnten.

Hatte sich die Bahn AG bis dahin kompromissbereit gegeben, legten sich die Manager im Sommer 2000 ohne Wenn und Aber auf einen neuen Bahnhof in Reutin fest. Nachdem die Stadt alles andere als begeistert reagierte, trieben die Bahner das Verfahren auf eigene Rechnung voran. Unterstützung erhielten die Planer vom damaligen Verkehrsminister Otto Wiesheu, der inzwischen in den Vorstand der Bahn AG gewechselt ist. Schließlich leiteten die Bahnplaner im Sommer 2003 das Planfeststellungsverfahren für das „Projekt Knoten Lindau“ ein, wie der Reutiner Bahnhof im Bahnjargon genannt wurde. Ein Jahr später kam es zum Erörterungstermin, seitdem ruht das Verfahren.

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