Londoner Mode-Woche: Westwood von Enkelin inspiriert

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Deutsche Presse-Agentur

Die Londoner Modeschöpfer setzen im Herbst und Winter auf gut sitzende Kleidung, die dem weiblichen Körper schmeichelt. Jacken, Mäntel und Kleider sind oft eng an der Taille, betonen Schulter und Hüften.

Bei den Farben dominieren auf der Londoner Modewoche (20.-25. Februar) Schwarz, Silber und Gold, ergänzt durch kräftige Töne wie Geranienrot, Kobalt- und Königsblau. Details funkeln am Kragen oder der Schulter, auf dem Laufsteg tragen die Models die Haare oft streng zurückgebunden, dazu wenig Make-up.

Die britische Mode-Ikone Vivienne Westwood holte sich Inspiration an der Grundschule ihrer Enkelin. Aufgenähte Schulabzeichen auf der Brust, Kniestrümpfe, Streifen- und Karomuster gehörten bei der Präsentation ihrer Kollektion am Samstagabend ebenso dazu wie der Totenkopf und überlange oder hochgekrempelte Ärmel. Kleider kombinierte die 67-Jährige mit auffälligen Hüten, die in der Form etwa den Helmen britischer Polizisten nachempfunden waren oder an Piraten erinnerten. „Du musst ein rebellisches Mädchen sein und mit Deinem eigenen Äußeren die Welt rocken“, sagte Westwood. Für dieses Credo stand auch Ex-Model Jo Wood selbstbewusst auf dem Laufsteg. Von ihr hatte sich der Rolling Stone-Gitarrist Ron Wood nach 23 Jahren Beziehung im vergangenen Sommer getrennt.

Für die geadelte Modedame Westwood war die Kollektion ihrer zweiten Modelinie „Red Label“ auch eine Retrospektive auf ihre 38-jährige Karriere: „Ich habe daran letztlich 20 Jahre lang gearbeitet, da haben viele unterschiedliche Schulen hineingespielt.“ Westwood - die vom Trubel etwas verwirrt erschien - trug ein schwarzes Kleid, mit silbernen Pailletten besetzt, sowie am Mittelfinger eine selbst gestrickte, ihr ähnelnde Mädchenfigur als Fingerhut.

Westwoods Schau zog die meisten Prominenten an, darunter US-Rapper Kanye West und Topmodel Lilly Cole. „Das war wunderbar, richtig cool, ich liebe Viviennes Mode“, sagte Cole. Das Model hatte zuvor auf der Modenschau der noch jungen Marke Qasimi ein Rokokokleid mit Schleppe und Diamantenkette präsentiert. Im Schatten der 77-jährigen Laufsteg-Legende Carmen Dell'Orefice sah allerdings selbst die rothaarige Cole etwa blass aus. Die amerikanische Grande Dame trat auf der komplett in schwarz gehaltenen Modenschau in einem mit Fell besetztes Satinkleid und mit tiefsitzendem Federhut auf. Auf der After-Show-Party feierte und tanzte die 77-Jährige auch bis tief in die Nacht.

Eine Zeitreise unternahm der Londoner Designer John Rocha. Er zeigte unter anderem Damenkostüme, die an den Stil der Jackie Onassis erinnerten. Die Hüften betonte er mit aufgesetzten Polstertaschen oder Falten. Bei der Männermode schickte er Models mit Mänteln aus Fell und Samt auf den Laufsteg. Statt High-Heels setzte der Nachwuchsdesigner Alexander Arutyunov auf Bescheidenheit: Er verzichtete ganz auf Absätze.

Die Londoner Fashion Week zählt neben Paris, Mailand und New York zu den wichtigsten Modemessen der Branche, auf der Nachwuchsdesigner auftreten. Sie endet am Mittwoch (25. Februar) mit der Männermode.

Website der Londoner Modewoche: www.londonfashionweek.com

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