Lindauer Hafenweihnacht startet mit mildem Föhnwetter und vielen Besuchern – Vor allem das Kunsthandwerk lockt

Lesedauer: 6 Min
Susi Donner

Lindau – Es ist der erste Samstagabend der Lindauer Hafenweihnacht. In der Glühwein-Hütte stehen die Gäste dicht an dicht. Die Stimmung ist ausgelassen. Der rote oder weiße Glühwein in den Tassen wärmt bei mildem Föhnwetter weniger die Hände als Gemüter und Herzen. Mitten drin im Gedränge steht Anton Rendle und freut sich. Über die Menschen, die vor seiner Hütte zusammenstehen und vor allem darüber, dass die Lindauer Hafenweihnacht anders ist als viele Märkte um diese Jahreszeit: „Weil hier großes Augenmerk auf das Kunsthandwerk gelegt wird.“

Anton Rendle ist der Obmann des Krippenvereins Pfänder-Eichenberg und somit sozusagen der Chef sowohl der Almhütte als auch vom Märchenwald. Der ist, so erzählt Marktleiter Arnold Weiner, im zweiten Jahr der Lindauer Hafenweihnacht Rendles Idee gewesen. Und in den habe Rendle seine ganze Liebe hineingesteckt. Der Mann sei damals sehr wichtig für die Entstehung der Lindauer Hafenweihnacht gewesen. So habe der Krippenverein unter anderem viele der neuen Weihnachtsmarktbuden gebaut.

„Wir sind ein gemeinnütziger Verein. Wir sehen unsere Hauptaufgabe darin, Weihnachtsmärkte nach alter Tradition zu fördern“, sagt der so Gelobte und erzählt, dass diese auf spätmittelalterliche Märkte zurückgehen. Sie seien gegründet worden, um den Menschen zu Beginn der kalten Jahreszeit die Möglichkeit zu geben, sich mit Fleisch und dem nötigsten winterlichem Bedarf einzudecken. Handwerker haben ihre Waren präsentiert, Gaukler haben die Menschen unterhalten. Der Dresdner Striezelmarkt (1434) und der Christkindlmarkt am Münchner Marienplatz (1310) zählen dabei zu den ältesten urkundlich erwähnten Weihnachtsmärkten Deutschlands.

Die Weihnachtsmärkte heutzutage hätten oftmals damit nicht mehr viel zu tun. „Aber die Lindauer Hafenweihnacht, die weit über die Landesgrenze hinaus beliebt und bekannt ist, hebt sich hier ab – weil Tradition und Handwerk hier noch Bedeutung haben“, stellt Rendle zufrieden fest.

Auch in der Almhütte des Krippenvereins gibt es eine handwerkliche Neuigkeit: einen innen holen Baumstamm, schön geschnitzt, aus dem heraus roter und weißer Glühwein ausgeschenkt wird. Einen leichten für Autofahrer. Einen Frauentraum – das ist ein Orangenpunsch. Es gibt Glühmost und Jägertee – der sei nur für harte Männer, weil er zwölf Volumenprozent Alkohol hat. Kinderpunsch, heißer Winterapfel, Schnäpse und Liköre. Das Angebot ist breit.

„Wenn das Wetter mitmacht, kann es schon sein, dass uns der Glühwein mal ausgeht. Dann muss einer mit dem Vereinsauto nach Hörbranz fahren und Nachschub holen“, sagt Rendle. Währenddessen prosten sich Barbara und Reinhold Burkart aus Meckenbeuren mit Glühwein zu. Sie stehen in einem grünen Lichterherz in der Almhütte und erzählen, wie gern sie zur Lindauer Hafenweihnacht kommen, „weil die Atmosphäre so besonders schön ist“.

Die gleichen Sätze hört man von Margret und Ulrich Härle aus Heilbronn. Die beiden stehen aber bei Maximilian und Hanna Fischer am Stand (den der Krippenverein gebaut hat) und trinken warmen Bratapfellikör mit Sahnehaube und Zimt. „Wir sind im letzten Jahr zufällig auf der Hafenweihnacht gelandet und gerade der Bratapfellikör ist uns so intensiv in Erinnerung geblieben, dass wir in diesem Jahr wieder gekommen sind“, verraten sie und lecken sich zufrieden lachend die Sahne von den Lippen.

Noch einer ist zufrieden mit diesem ersten Hafenweihnachts-Wochenende, mit dem es das Wetter so gut gemeint hat: Marktleiter Arnold Weiner. „Es waren vier wundervolle Tage. Die Besucher goutieren es, dass wir den weihnachtlichen Charakter der Lindauer Hafenweihnacht bewahren“, freut er sich.

„Ich weiß nicht, ob es die Leute gemerkt haben, aber wir haben durch geschicktes Taktieren der Weihnachtsbuden die Laufwege verbessert, damit es kein Durchgeschiebe gegeben hat.“ Außerdem sei der stille Feiertag Totensonntag, um den es im vergangenen Jahr Diskussionen gegeben hat, dieses Mal gut gelungen: Es lief ruhige weihnachtliche Musik. Auf der Bühne gab es keine Aktionen und trotzdem haben sich sehr viele Besucher eingefunden.

Wer sich von diesen wundere, dass die Lindauer Hafenweihnacht nur bis zum 15. Dezember dauere, dem erklärt Weiner, dass dies dem Abbau danach geschuldet sei. „Aber“, tröstet der Marktleiter, „in den nächsten Jahren wird die Hafenweihnacht an allen vier Adventswochenenden stattfinden.“

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen