Leutkircher Musikproduzent ist enttäuscht über null Punkte aus Deutschland

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Stefan Mößle an seinem Arbeitsplatz in Nannenbach.
Stefan Mößle an seinem Arbeitsplatz in Nannenbach. (Foto: Simon Nill)
Redakteur Leutkirch

Stefan Mößle aus Nannenbach hat den Song produziert, mit dem der Zwergstaat San Marino am Eurovision Song Contest (ESC) in Lissabon teilgenommen hat. Allerdings war für das Lied „Who We Are“ bereits im Halbfinale Schluss.

SZ-Redakteur Simon Nill hat den 36-Jährigen nach seinen Erlebnissen beim Musikevent in Portugal gefragt.

Wie groß ist die Enttäuschung, dass es mit dem Finale nicht geklappt hat?

Ich würde lügen, wenn ich behaupten würde, nicht enttäuscht zu sein. Zwar haben wir ziemlich genau das Ergebnis erzielt, was uns von Anfang an von den sogenannten ESC-Experten, der Presse, den Buchmachern und sogar von manchem Zyniker innerhalb unseres Teams vorhergesagt wurde, aber trotzdem (oder vielleicht genau deshalb) hätte ich schon auf mehr gehofft. Es haben wirklich sehr viel Zeit, Mühe und Tränen in diesem Projekt gesteckt und es wäre schön gewesen, wenn sich das auch in der Punktevergabe widergespiegelt hätte. Besonders enttäuscht bin ich natürlich über die null Punkte aus Deutschland (sowohl Jury als auch von den Zuschauern). Und das obwohl viele unserer Freunde und Familie daheim für uns gestimmt haben.

Woran lag’s aus Ihrer Sicht?

Das ist nicht ganz leicht zu beantworten. Wir hatten definitiv das Gefühl, dass man es mit San Marino besonders schwer hat: Für die meisten Zuschauer ist ein Bezug zum Land wichtig, wenn es darum geht, tatsächlich das Telefon in die Hand zu nehmen und abzustimmen. Das könnte zum Beispiel sein, dass man in diesem Land mal im Urlaub war oder Verwandtschaft dort hat. Bei einem Zwergenstaat, den fast niemand kennt, ist beides sehr unwahrscheinlich. Wir hatten gehofft, dass ein mitreißender Pop-Song mit positiver Botschaft den Zeitgeist treffen könnte und diese Hürde meistern würde. Trotz sehr guter Resonanzen, die wir zum Beispiel aus Australien, Romänien und Malta bekommen haben, war dem leider nicht so. Unser Team ist dennoch stolz auf die Weltklasse-Arbeit der beiden Lead-Sängerinnen Jessika und Jenifer und unserer Background-Sänger Sebastian und Magdalena, die übrigens auch aus Leutkirch ist. Dank ihnen haben wir es geschafft, trotz des kleinsten Budgets in Eurovision doch eine professionelle Show abzuliefern.

Was war das für ein Erlebnis, beim ESC dabei zu sein? Was nehmen Sie mit?

Es war ein absolut gigantisches Erlebnis. Ich würde sagen, eines der aufregendsten und anstrengendsten Musik-Projekte meines Lebens. Nicht zuletzt aufgrund der Vorbereitung, die seit Januar lief. Das Treffen von so vielen Nationen zu einem musikalischen Wettbewerb in dieser Größe und Professionalität ist weltweit einzigartig. Ich habe viel gesehen, viel gelernt und versucht jeden Moment zu genießen.

Hat Israel aus Ihrer Sicht zurecht gewonnen?

Israel war ja fast seit Anfang an der Favorit bei den Buchmachern. Von dem her hält sich die Überraschung in Grenzen. Ob sie den Sieg letztlich verdient haben, ist natürlich Geschmacksache. Objektiv gesehen gab es an dem Abend bessere Songs, Sänger und Bühnenshows. Ich weiß aber auch, dass Natta‘s „Toy“ einen gewissen „Seltsamkeitsfaktor“ hat, der funktioniert. Nach vielem Hören des Songs hat sich das für mich zwar abgenutzt, aber ich kann verstehen, warum vielleicht gerade diejenigen dafür gestimmt haben, die den Titel am Samstag zum ersten Mal gehört haben. Mich hat tatsächlich der deutsche Beitrag auf einer sehr persönlichen und emotionalen Ebene angesprochen, was ich Michael Schulte bei einem kurzen Gespräch beim „blauen Teppich“ in Lissabon auch mitgeteilt habe.

Werden Sie in Zukunft erneut versuchen, einen ESC-Song zu produzieren?

Ja, ich werde auf jeden Fall wieder mitmachen. Wie gesagt habe ich viel Erfahrung gewonnen und habe mich von der Atmosphäre anstecken lassen. Es wurden auch neue Kontakte geknüpft und erste Gespräche geführt für nächstes Jahr. Ob das zustande kommt und für welches Land dann wird sich zeigen. Ich werde auf jeden Fall wieder mein Bestes geben.

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